Die Interkulturelle Bibliothek Olten (Ikubo) verleiht Bücher in über 28 Sprachen, damit Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in ihrer nicht-deutschen Muttersprache lesen und Geschichten ihrer Heimat kennenlernen. Ganz gemäss dem Credo: Wer sicher in der Erstsprache ist, lerne auch die Zweitsprache Deutsch besser, was insgesamt die Integration fördere.

Nun wurde der einzigen solchen Institution im Kanton Solothurn letzte Woche womöglich der Todesstoss versetzt: Das Oltner Gemeindeparlament hat den Antrag der SP/Junge SP-Fraktion, 10'000 Franken ins Budget 2017 aufzunehmen, mit 22:11 Stimmen bei 11 Enthaltungen – zum Teil auch aus der SP-Ecke – klar abgelehnt. Nun weiss der Verein mit dem ehrenamtlichen Team um Präsident Yabgu R. Balkaç nicht, wie es die Aktivitäten vom nächsten Jahr finanzieren will, weil mehr als die Hälfte des Budgets von 15'000 bis 18'000 Franken jährlich wegfällt. Bis 2014 hat die Stadt Olten 12'000 Franken, bis 2016 je 10'000 Franken pro Jahr bezahlt. Gestartet ist die Ikubo vor sechs Jahren mit einem Budget von 24'000 Franken.

Irritierter Präsident

Vereinspräsident und SP-Gemeinderat Balkaç ist besonders deshalb irritiert, weil der bisher jährliche Beitrag der Stadt einfach vorgängig gestrichen wurde, so dass ein Antrag während der Budgetdebatte im Parlament überhaupt erst nötig wurde. «Es gab keine Begründung der Stadt, wieso der Betrag nicht mehr im Budget aufgenommen wurde.»

In den nächsten vier bis acht Wochen versucht der Verein nun unter Hochdruck, eine kurzfristige Lösung zu finden, um das kommende Jahr überbrücken zu können. Stiftungen werden angesprochen, eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge wird diskutiert oder eine Spendenaktion könnte nun folgen.

Das Problem sei, so Balkaç, dass der Kanton oder Stiftungen oft nur unter der Bedingung einen Beitrag leisten, wenn die Stadt auch ihren Teil zahlt. Daher sind nun weitere Gelder, die bisher sicher schienen, gefährdet: «Nun sind wir in der Planung des nächsten Jahres blockiert», sagt Balkaç.

Petition der Hoffnung

Hoffnung machen sich die Initianten nun mit der Petition, welche sie diese Woche auf der neuen Plattform dieser Zeitung gestartet haben: Sie schlagen vor, dass die Stadt das Ikubo kurzfristig mit einem Beitrag unterstützt, um das Überleben zu sichern.

Stadtpräsident und Bildungsdirektor Martin Wey kann den Ärger der Betreiber verstehen, macht aber deutlich, dass die bisherige Unterstützung der Stadt ausschliesslich als Anschubfinanzierung vorgesehen war.

Das ist der Grund, wieso der Posten im Budget 2017 nicht mehr vorhanden war. Das Parlament hätte eine weitere Finanzierung abgelehnt.

Dass nun der Stadtrat das Geld in eigener Kompetenz spricht, ist gemäss Wey so eigentlich ausgeschlossen. Trotzdem windet der Stadtpräsident dem Verein ein Kränzchen: «Die Ikubo-Betreiber machen einen guten Job.»

Räume kündigen

Wenn im schlechtesten Fall keine finanzielle Lösung gefunden würde, würden die Räume an der Aarauerstrasse 74 neben dem Begegnungszentrum Cultibo gekündigt, und die Bücher an die Jugendbibliothek oder eine andere interkulturelle Bibliothek vermacht. Der Verein zur interkulturellen Bibliothek Olten wurde 2009 gegründet, Ende April 2010 startete man in den Räumlichkeiten des Begegnungszentrums Cultibo mit 1500 Büchern.

Mittlerweile werden 4500 Bücher ausgeliehen, wöchentliche Vorlesestunden in verschiedenen Sprachen angeboten und immer wieder sind auch Schulklassen zu Besuch.