Wie immer wenn die Kulturveranstalter von art.ig zum Slam rufen, folgen die Massen in die Schützi. Die bereits zehnte Trilogie startete im letzten Jahr, am Freitag war der zweite Abend an dem die Slammerinnnen und Slammer sich Punkte für den ultimativen Final sichern konnten.

Auf den ersten Blick hatte sich auch dieses Mal ein typisches Slam-Publikum eingefunden. Ein bisschen links, ein bisschen kulturinteressiert, meist jung und auf der Suche nach Unterhaltung. Ein gutes Viertel davon sollte sich als Slam-Jungfrauen outen, ein hoher Wert für Oltner Publikum, wie Moderatorin Fabi N. Käppeli im Anschluss einzuordnen wusste.

Witz vor Anspruch

Und Unterhaltung gab es satt. Bereits der erste Slammer, Gregor Stähli (Basel), traf mit seiner Vision auf ewig Peter Pan zu sein und nicht erwachsen zu werden den Nerv des Publikums. Ein perfektes Thema, konnte doch der eigenen unschuldigen Kindheit gedacht werden. Gekonnt vorgetragen und vor allem mit viel Witz. Genau das wollte das Publikum, wie die Lokalmatadorin Lisa Christ (Trimbach) zu spüren bekam.

Ihrem Text, ein Rückblick auf eine verflossene Liebe, fehlte dieser Witz, ohne den an diesem Abend nichts zu gewinnen war. «Du warst mal ein Splitter in meinem Herzen», zu schwer, um an diesem Abend der Publikumsjury viele Punkte zu entlocken.

Die Siegerin des ersten Trilogieabends scheiterte bereits in der Vorrunde. Die Frage danach, ob Slam-Poetry lustig sein muss, stellt sich auch nach diesem Abend. Denn der Nächste, Daniel Wirth (Bischofszell), war wieder witzig. Doch der rote Faden, die selbstironischen Dickenwitzchen und die konsequent, ja penetrant eingesetzten Endreime waren dann doch zu wenig für den Einzug in den Final. Dasselbe Schicksal musste auch Nina Horbaty (Biel) erleiden. Wenig flüssig und mit althergebrachten Rhythmus aus der ersten Slammer-Generation erreichte sie die Zuschauer nicht im gewünschten Masse.

Mit Michael Frei (Thun) war dann der letztmalige Zweitplatzierte an der Reihe. Mit einer Ruhe, gepaart mit viel Understatement, ging er ans Werk. Die gespielte Unsicherheit eines Versagers kam an. Das Publikum feierte ihn ab dem ersten Satz und er steigerte sich von Zeilen «Wie ein schlechter Schreiner, ein Versarger» zu «Ich rauche Hass-schisch». Auch die Punktrichter waren überzeugt und schickten ihn in den Final.

Weniger goutiert wurde der Text von Thomas Kowa (Bern/Ludwigshafen). Wobei Text durchaus das falsche Wort ist, war es doch eine Ansammlung von Fragen. Fragen auf die er, trotz seiner besserwisserischen Wesensart, keine Antworten kenne.

Eine Antwort hatte dann das Duo InterroBang, Manuel Diener (Bad Zurzach) und Valerio Moser (Langenthal), auf die Frage, wie man denn an diesem Abend den Final erreichen kann. Mit einer schnellen, druckvollen Performance, die bis weit an die Grenzen des Poetry-Slams ging.

Aber von dort auch immer wieder brav zurückfand. Der U20-Slammer Marius Portmann hatte die schwierige Aufgabe nach den beiden Drittplatzierten vom letzten Mal aufzutreten und die Vorrunde abzuschliessen. Die fehlende Bühnenerfahrung war zu stark spürbar, als dass sein Text von Natelabstinenz und komischen Freunden beim Publikum ankommen konnte.

Hochkarätiger Final

Der Finaldurchgang mit den besten Drei aus der Vorrunde war dann, trotz der starken Performance aller Teilnehmer, eine klare Sache. Michael Frei, der seinen Text erst am Nachmittag vor dem Contest geschrieben hatte, brillierte mit treffenden Vergleichen und dem Wechselspiel zwischen schnell und langsam und laut und leise.

So durfte der Thuner nach seinem zweiten Platz im ersten Teil der Trilogie die Punkte und den Siegerwhisky für den Sieg einheimsen und führt nun mit sechs Punkten vor Lisa Christ und jeweils vier Punkten vor InterroBang und Gregor Stähli. Es dürfte spannend werden am 11. März, wenn der letzte Teil der zehnten Trilogie über die Bühne geht.