Hägendorf kämpft gegen Littering

Das Anti-Littering Projekt der Gemeinde Hägendorf nimmt Fahrt auf. Nun wurden Raumpatenschaften ins Leben gerufen.

Cyrill Pürro
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Dosen, Flaschen, Tüten, da wo sie nicht hingehören: im Grünen. Seit etwa 7 Wochen geht die Gemeinde Hägendorf aktiv gegen Littering vor. Gemeindepräsident von Hägendorf Andreas Heller, Thomas Hänggi (Mitglied GLP und Administrator der Facebookgruppe «Hägendorf gegen Littering») und weitere 155 Mitglieder der Gruppe setzen auf Innovation. Die neu eingeführten Raumpatenschaften dienen dazu, das Gebiet der Gemeinde an Gruppenmitglieder zu «verteilen». «Damit unterstützen wir den Werkhof Hägendorf, welcher sich tagtäglich mit diesem leidigen Thema auseinandersetzen muss. Die Raumpaten kennen ihr Gebiet in der Regel wie die eigene Hosentasche und haben sehr oft eine emotionale Bindung dazu. Dies fördert die Motivation etwas zu verändern», sagt Hänggi. Die Organisation sei extrem einfach, da sich alles innerhalb der Faceboogruppe abspielt. «Anhand von regelmässigen Beiträgen in der Facebookgruppe und einer Liste, wird organisiert, wer in welchem Gebiet sammelt. Zudem kommunizieren wir, wer zu welchem Zeitpunkt ein Gebiet neu übernimmt, oder allenfalls wieder abgibt. Beim täglichen Spaziergang mit dem Hund beispielsweise, nehme ich gleich einen Beutel für den eingesammelten Müll mit. So schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe», erklärt Hänggi das Prinzip der Patenschaften. Die Paten verpflichten sich zu nichts, alles sei freiwillig und diene der Sache. Von den 157 Mitgliedern sind aktuell bis zu 20 Personen offiziell als Raumpate tätig. Daneben gebe es noch viele andere, stille Helfer, wie Hänggi erklärt.

Das Problem mit der Verwahrlosung

Schon nach 7 Wochen seien erste Resultate zu erkennen. Hägendorf wirke schöner und aufgeräumter. «Der Augenschein ist besser als vorher, allerdings bin ich vermutlich nicht mehr der Richtige um das zu beurteilen», sagt Hänggi. Heller und Hänggi wollen das Problem am Schopf packen. «Verwahrlosung zieht umso mehr Verwahrlosung an. Macht man etwas dagegen, kann schon viel erreicht werden», so Heller.

Mehrere Wege führen ans Ziel

Dafür reichen Raumpatenschaften nicht aus. Seit kurzem steht eine Litteringbox vor dem Werkhof in Hägendorf. In diese Box kann der aufgesammelte Müll, nach Voranmeldung im Werkhof, hineingeworfen werden. «Es sind weitere Massnahmen geplant. Einerseits wollen wir einen Sternenmarsch im Zusammenhang mit «Schweiz bewegt» organisieren. Andererseits, führen wir spezielle Säuberungsaktionen durch, als nächstes entlang der Dünnern, Richtung Egerkingen. Der Sternmarsch führt die Teilnehmer auf individuellen Wegen zum Dorfzentrum. Der eingesammelte Müll wird in der Littering Box deponiert und öffentlich, zentral veranschaulicht», erklärt Hänggi das Vorhaben.

Grosser Rückhalt in der Gemeinde

«Das Projekt kam von Anfang an gut an», sagt Hänggi. Er nimmt intern einen starken Zusammenhalt in der Gemeinde war. Es seien aber eher die älteren Generationen, die sich gegen Littering einsetzen. «Der Altersdurchschnitt in unserer Facebookrguppe liegt weit über 40. Es ist eher schwierig mit dem Thema Jüngere zu erreichen. Mir scheint so, als wäre es vielen egal. Allerdings bin ich weit davon entfernt, alle jungen in denselben Topf zu schmeissen. Es gibt auch in der jungen Generation sehr viel Bewegung in dieser Sache», sagt Hänggi. Als Negativbeispiel nennt er die Aussagen eines benachbarten Lehrers, welcher immer wieder Littering zum Thema macht, unter anderem mit Sammelaktionen auf dem Schulweg, oder rund um das Schulhaus. «Die Kinder sind begeistert, mitzuhelfen. Doch bei der nächsten Schulreise sind es dieselben, die ihren Abfall auf den Boden werfen.», sagt Hänggi.

Hänggi peilt Pfand-Initiative an

In Zukunft sieht Hänggi das Dorf sauberer, auch wenn mit der Aktion nur Symptome des Litterings bekämpft werden. Seiner Ansicht nach, ist der nachhaltige Effekt klein. «Mein Wunsch ist, dass Hägendorf der Leuchtturm für andere Gemeinden wird», bemerkt Hänggi. Als Ziel strebt er eine Volksinitiative zur Pfandeinführung an. «Ich versuche die GLP davon zu überzeugen. Den meisten Müll machen Getränkedosen und PET-Flaschen aus. Gäbe es in der Schweiz auf diese Behältnisse Pfand, könnte beim Einsammeln gleich noch Geld verdient werden.»

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