Hägendorf
Littering auf dem Allerheiligenberg: «Als Velofahrer rege ich mich jedes Mal über den Abfall auf»

Mit dem frühlingshaften Wetter taucht ein Problem wieder auf: das Littering. Die Gemeinde Hägendorf will nun stärker dagegen vorgehen.

Fabian Muster
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Andreas Heller deponierte eingesammelten Abfall auf dem Allerheiligenberg, damit der Werkhof diesen abholen kann.

Andreas Heller deponierte eingesammelten Abfall auf dem Allerheiligenberg, damit der Werkhof diesen abholen kann.

Bild: Zvg

Der Allerheiligenberg gehört zum Naherholungsgebiet von Hägendorf. Vor allem im Januar, als der Schnee auf 850 Meter über Meer die erste Jurakette in eine Winterlandschaft verwandelte, zog es Massen von Leuten zum Schlitteln oder Wandern auf den Berg. Nachdem der Schnee geschmolzen war, zeigte sich die Hinterlassenschaft: weggeworfene Dosen, PET-Flaschen und Verpackungsmaterial. Für Hägendorfs Gemeindepräsident Andreas Heller, der in seiner Joggingtour dort jeweils vorbeikommt, ist dieses Littering nicht mehr akzeptabel: «Wir müssen etwas dagegen tun.» Dies vor allem darum, weil seit der Coronakrise nun auch noch herumliegende Masken dazukämen.

Mittlerweile nimmt er beim Joggen einen Khüdersack mit, um den Abfall zu Hause fachgerecht entsorgen zu können. Kürzlich hat er in einem Facebookeintrag dazu aufgerufen, sich ihm anzuschliessen.

Mit Erfolg: Es trafen sich rund fünf Familien, die auf dem Allerheiligenberg den Abfall einsammelten. Doch das private Engagement reicht für Heller nicht mehr aus, wie auch ein Bild von der Glassammelstelle beim Dorfplatz vom vergangenen Wochenende zeigt.

Littering bei Unterflursammelstelle beim Dorfplatz Hägendorf

Littering bei Unterflursammelstelle beim Dorfplatz Hägendorf

Bild: Zvg

Aus seiner Sicht muss man das Problem bei der Wurzel anpacken: Es darf in seinen Augen gar nicht erst dazu kommen, dass Leute ihren Abfall achtlos wegwerfen. Er hat daher vor, die Arbeitsgruppe Littering, die es früher einmal gab, wieder zu reaktivieren, um Massnahmen zu diskutieren. «Wir müssen das Thema viel aggressiver angehen.»

Raumpatenschaft als Massnahme gegen Littering

Einer, der ihm dabei Hilfe leisten will, ist Thomas Hänggi. Der 55-Jährige möchte wegen des Litteringproblems in die Politik einsteigen und kandidiert als Kantonsratskandidat. «Als Velofahrer rege ich mich jedes Mal über den Abfall auf.» Daher sei er vergangenes Jahr bei den Grünliberalen mit diesem Thema vorstellig geworden und mache nun auch damit Werbung.

Vergangenen Sonntag hat er unter anderem die öffentliche Facebook-Gruppe «Hägendorf gegen Littering» gegründet, die am Donnerstagabend schon 110 Mitglieder zählte. Ein Zeichen für Hänggi, dass der Frust darüber gross ist in der Bevölkerung. In mehreren Posts werden bereits Vorschläge diskutiert, wie man das gesellschaftliche Problem neben den bereits bestehenden Bussen angehen könnte.

Eine Idee, die genannt wurde, ist die Raumpatenschaft: Eine Person, Gruppe oder Schulklasse ist für ein bestimmtes Quartier oder einen Strassenzug zuständig und hält diesen sauber. Ein Ansatz, der Hänggi zwar gut findet, aber nicht als Allerweltsmittel gegen Littering betrachtet.

In seinen Augen gäbe es bessere Massnahmen, als den weggeworfenen Abfall anderer wegzuräumen. Zum einen müsste bereits im Elternhaus oder spätestens in der Schule klargemacht werden, dass jeder seinen Abfall wieder mitnimmt, den er in der Natur etwa bei einem Picknick verursacht. Zum anderen glaubt er, mit einem Pfand für Dosen oder PET dem Problem Herr werden zu können. «So würde man dem Abfall einen Wert geben.»

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