Hägendorf
Der Kampf gegen Littering: Das Dorf soll «Leuchtturm für andere Gemeinden werden»

Das Anti-Littering-Projekt der Gemeinde Hägendorf nimmt Fahrt auf: Raumpatenschaften wurden ins Leben gerufen. Doch Initiant Thomas Hänggi will mehr.

Cyrill Pürro
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Thomas Hänggi neben der Litteringbox, welche in Hägendorf vor dem Werkhof bereitsteht.

Thomas Hänggi neben der Litteringbox, welche in Hägendorf vor dem Werkhof bereitsteht.

Bruno Kissling

Dosen, Flaschen, Tüten, da wo sie nicht hingehören: im Grünen. Seit rund zwei Monaten geht die Gemeinde Hägendorf aktiv gegen Littering vor. Gemeindepräsident Andreas Heller, GLP-Mitglied Thomas Hänggi, der auch Administrator der Facebookgruppe «Hägendorf gegen Littering» ist, und weitere 155 Mitglieder der Gruppe setzen auf Innovation: Es wurde so genannte Raumpatenschaften eingeführt. Diese dienen dazu, das Gebiet der Gemeinde an Gruppenmitglieder zu verteilen. Damit werde der Werkhof Hägendorf, welcher sich tagtäglich mit Littering befassen muss, unterstützt. Die Raumpaten kennten ihr Gebiet in der Regel wie die eigene Hosentasche und haben sehr oft eine emotionale Bindung dazu. Dies fördere die Motivation, etwas zu verändern, so Hänggi weiter.

«Zwei Fliegen mit einer Klappe»

Die Organisation sei extrem einfach, da sich alles innerhalb der Facebook-Gruppe abspiele. Anhand von regelmässigen Beiträgen in der Facebook-Gruppe und einer Liste, wird organisiert, wer in welchem Gebiet sammelt. Zudem wird kommuniziert, wer zu welchem Zeitpunkt ein Gebiet neu übernimmt oder allenfalls wieder abgibt.

«Beim täglichen Spaziergang mit dem Hund beispielsweise nehme ich gleich einen Beutel für den eingesammelten Müll mit. So schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe»,

erklärt Hänggi das Prinzip der Patenschaften. Die Paten verpflichten sich zu nichts, alles sei freiwillig und diene der Sache. Von den 157 Mitgliedern sind aktuell bis zu 20 Personen offiziell als Raumpate tätig. Daneben gebe es noch viele andere stille Helfer, wie Hänggi erklärt.

Das Problem mit der Verwahrlosung

Schon nach wenigen Wochen seien erste Resultate zu erkennen. Hägendorf wirke schöner und aufgeräumter. «Der Augenschein ist besser als vorher, allerdings bin ich vermutlich nicht mehr der Richtige, um das zu beurteilen», sagt Hänggi. Heller und Hänggi wollen das Problem beim Schopf packen. «Verwahrlosung zieht umso mehr Verwahrlosung an. Macht man etwas dagegen, kann schon viel erreicht werden», so Heller.

Mehrere Wege führen ans Ziel

Dafür reichen Raumpatenschaften nicht aus. Seit kurzem steht eine Litteringbox vor dem Werkhof in Hägendorf. In diese Box kann der aufgesammelte Müll, nach Voranmeldung im Werkhof, hineingeworfen werden. «Es sind weitere Massnahmen geplant», sagt Hänggi. Einerseits wolle man einen Sternenmarsch im Zusammenhang mit «Schweiz bewegt» organisieren. Andererseits führe man spezielle Säuberungsaktionen durch; als nächstes entlang der Dünnern Richtung Egerkingen. «Der Sternmarsch führt die Teilnehmer auf individuellen Wegen zum Dorfzentrum. Der eingesammelte Müll wird in der Litteringbox deponiert und öffentlich, zentral veranschaulicht», erklärt Hänggi das Vorhaben.

Grosser Rückhalt in der Gemeinde

«Das Projekt kam von Anfang an gut an», sagt Hänggi. Er nimmt intern einen starken Zusammenhalt in der Gemeinde war. Es seien aber eher die älteren Generationen, die sich gegen Littering einsetzen. «Der Altersdurchschnitt in unserer Facebook-Gruppe liegt weit über 40. Es ist eher schwierig, mit dem Thema Jüngere zu erreichen», sagt Hänggi. Es scheine so, als wäre es vielen egal. «Allerdings bin ich weit davon entfernt, alle jungen in denselben Topf zu werfen. «Es gibt auch in der jungen Generation sehr viel Bewegung in dieser Sache.» Als Negativbeispiel nennt er die Aussagen eines benachbarten Lehrers, welcher immer wieder Littering zum Thema macht, unter anderem mit Sammelaktionen auf dem Schulweg, oder rund um das Schulhaus.

«Die Kinder sind begeistert, mitzuhelfen. Doch bei der nächsten Schulreise sind es dieselben, die ihren Abfall auf den Boden werfen»,

sagt Hänggi.

Hänggi peilt Pfand-Initiative an

In Zukunft sieht Hänggi das Dorf sauberer, auch wenn mit der Aktion nur Symptome des Litterings bekämpft werden. Seiner Ansicht nach ist der nachhaltige Effekt klein. «Mein Wunsch ist, dass Hägendorf der Leuchtturm für andere Gemeinden wird», bemerkt Hänggi. Als Ziel strebt er eine Volksinitiative zur Pfandeinführung an. «Ich versuche, die GLP davon zu überzeugen.» Den meisten Müll machen Getränkedosen und PET-Flaschen aus. Gäbe es in der Schweiz auf diese Behältnisse ein Pfand, könnte beim Einsammeln gleich noch Geld verdient werden.