Stellen Sie sich vor, Sie sind 60 Jahre alt. Ihrer eigenen Firma, die Sie mit viel Liebe und Leidenschaft von klein an aufgebaut haben, geht es so gut wie noch nie. Bald erreichen Sie das Pensionsalter, doch ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Ihre Kinder haben studiert und machen lieber ihr eigenes Ding. Würden Sie jetzt verkaufen? Eine schwierige Frage, welche die beiden Oltner Stefan (30) und Thomas Saner (63) ganz klar mit «Ja» beantworten würden.

Vater und Sohn gründeten vor anderthalb Jahren gemeinsam die Firma saner consulting und beraten seitdem KMUs, deren Inhaber Probleme bei der Nachfolgerregelung haben. Thomas Saner hat in seiner Berufskarriere selber mehrere Firmen gegründet, erfolgreich aufgebaut und dann verkauft.

Der 63-Jährige war Chef von fünf bis fünfzehn Mitarbeitern. Obwohl er eigentlich nicht mehr arbeiten müsste, hat Thomas Saner noch nicht genug. Vor anderthalb Jahren erzählt er einem Sohn Stefan vom Plan, eine Beratungsfirma zu gründen. Thomas Saner will seine grosse Erfahrung, was den Verkauf und die Nachfolgeregelung von KMUs angeht, weitergeben und sich deswegen auf diese Thematik konzentrieren.

Stefan Saner hat in St. Gallen und Stockholm Wirtschaft und Finance studiert und Berufserfahrung bei grösseren Firmen in der Finanz-Beratung gesammelt. Schon lange glimmt in ihm der Traum, sein eigenes Unternehmen aufzubauen. Als er sich das Konzept seines Vaters anhört, ergibt sich die Chance. Stefan Saner findet: «Das kann man besser machen.» Gemeinsam beschliessen Vater und Sohn, als gleichberechtigte Partner von saner consulting zusammen etwas Neues zu probieren. «Jeder bringt seine Fähigkeiten ein. Wir sind eine gute Kombo», sagt Stefan Saner.

Über 2000 Firmen im Kanton betroffen

Laut einer Studie von Bisnode sind 15 Prozent aller Inhaber von Schweizer KMUs über 60 Jahre alt. Allein im Kanton Solothurn sind über 2000 Firmen betroffen, gesamtschweizerisch sind es 73 786 Unternehmen. Sie alle müssen sich in den nächsten Jahren mit der Nachfolgeregelung auseinandersetzen. «Für viele ist es ein grosses Problem, jemanden zu finden», sagt Stefan Saner.

Die einfachste Lösung ist eine familieninterne Regelung, doch die ist immer öfter nicht möglich. «Wir fragen, dann nach, ob vielleicht ein Mitarbeiter infrage kommt», sagt er. Ist das auch nicht Fall, bleiben noch die direkte Konkurrenz oder ein Fremder als potenzieller Käufer übrig.

Um keine Verunsicherung zu verursachen, müssen Stefan und Thomas Saner anonym und streng vertraulich mit potenziellen Käufern verhandeln. Erst wenn es konkreter wird und der Interessierte eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben hat, bekommt er den Namen der Firma, die zum Verkauf steht. «Manchmal wäre es wünschenswert, wenn alle von Anfang an mit offenen Karten spielen würden. Aber ich verstehe, dass der Verkäufer seine Mitarbeiter nicht durch Verkaufsgerüchte verunsichern will», sagt Stefan Saner.

Er beobachtet oft, dass die Inhaber am liebsten an ein jüngeres Abbild ihrer selbst verkaufen wollen. Diesen zu finden ist die grosse Kunst, der sich saner consulting annimmt. Statt die zum Verkauf stehende Firma auf einer der vielen Plattformen aufzuschalten und einfach abzuwarten, gehen die Saners lieber aktiv auf die Suche nach einem Nachfolger. Natürlich muss auch der Preis am Ende stimmen. Der ist am höchsten, wenn die Firma auf dem Zenit ihres Schaffens ist.

Deswegen rät saner consulting, nicht zu lange mit dem Verkauf zu warten. Bis die Nachfolge geregelt ist, kann es oft mehrere Jahre dauern. «Mit dem Alter lässt auch die Arbeitskraft nach und die Firma verliert an Wert. Deswegen macht es Sinn, sich früh mit der Nachfolgeregelung zu befassen», sagt Stefan Saner.

Übernahme ist besser als Start-up

Im Juli gewann er die von der FHNW und der Wirtschaftskammer Baselland organisierte Swiss Next Challenge. Der Wettbewerb fokussierte sich auf die nachhaltige Nachfolgeregelung. Saners Siegerprojekt basiert auf folgender Idee: Jungen, innovativen Menschen, die ein Start-up-Unternehmen gründen wollen, soll ermöglicht werden, ein gestandenes KMU zu übernehmen.

Die Erfolgsquote bei diesem Modell ist laut Saner deutlich grösser als bei einem Start-up. Gleichzeitig könnte durch die Übernahme bestehender Firmen die Nachfolgeproblematik entschärft werden. Stefan Saner: «Klar braucht es da am Anfang etwas mehr Geld, aber wir versuchen gemeinsam kreative Finanzierungsmöglichkeiten zu finden.»