Wer den Abfall trennt, musste bisher recycelbare Wertstoffe wie Glas, PET, Kaffeekapseln, Elektrogeräte oder Alu in den Container bei den öffentlichen Sammelstellen einwerfen oder zur Verkaufsstelle zurückbringen. Papier und Karton werden zwar einmal pro Monat mit dem Abfuhrdienst eingesammelt, muss aber gebündelt bis 7 Uhr morgens am Abholtag bereitgestellt werden. Und wer sogar Kunststoffe oder Plastik recyceln will, hat zwar die Möglichkeit, beim Oltner Werkhof einen speziellen Abfallsack zu beziehen, muss diesen aber gefüllt auch wieder selbst dorthin zurückbringen (siehe auch Text links).

Positive Rückmeldungen

Mit dem Projekt Umweltfreunde, welche die Suchthilfe Ost im letzten November als dreimonatige Testphase lanciert hat, ist alles viel einfacher. Wer die oben genannten Wertstoffe künftig recyceln will, muss weder zur öffentlichen Sammelstelle gehen noch Papier oder Karton gebündelt vor die Haustüre stellen, sondern kann alles unsortiert in einen grünen Umweltsack werfen.

Einmal pro Woche wird dieser von der Suchthilfe Ost abgeholt, an deren Standort in Olten aussortiert und an die jeweiligen Stellen weitergeleitet – sei es an den Oltner Werkhof oder an eine private Firma. Ab diesem Juni führt die Suchthilfe Ost die Recyclingsammlung nun definitiv ein. Wer ein Monatsabo löst, zahlt dafür 16 Franken, bei einem Jahresabo betragen die Kosten 180 Franken. In diesen Tagen erhalten die rund 60 Haushalte, welche sich an der Testphase beteiligt haben, ein entsprechendes Schreiben. Wie Neuinteressierte müssen sie sich noch einmal anmelden.

«Die Rückmeldungen auf das Projekt waren sehr positiv und motivierend», sagt Suchthilfe-Ost-Geschäftsleiter Reno Sami. Dass sämtliches Recyclinggut in einem Sack abgeholt wird, kam bei der Kundschaft gut an. Gelobt wird auch, dass die Abholung umweltfreundlich mit Elektrovelo und Anhänger geschieht. Nicht zuletzt wurde hervorgehoben, so auch Leuten in schwierigen Lebenslagen eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten.

Klar war nach der Probephase, dass die Sammlung künftig wöchentlich erfolgen muss und nicht wie beim Test zweimal pro Monat. In Olten wird dies voraussichtlich am Montag und am Mittwoch der Fall sein. Die Abholung an zwei Tagen im Monat führte zum Teil zu Verwirrung, etwa bei Festtagen, und war für einige Kunden auch zu selten. Zudem will Geschäftsleiter Sami so mehr Kunden fürs Projekt gewinnen: 60 machten in der Testphase mit, rund 100 sollten es künftig sein, damit sich das Projekt auch finanziell auszahlt.

Definitiver Start früher geplant

Eigentlich wollte die Suchthilfe Ost das Projekt früher umsetzen. Die Testphase war Ende Februar vorbei, in einem Brief an die Kunden hiess es damals, dass «die Umweltfreunde im April mit ihrem definitiven Angebot zurückkehren». Dass es nun länger gedauert hat als geplant, hat damit zu tun, dass eine zusätzliche Person eingestellt wurde. Weil Menschen mit Alkohol- oder Drogenproblemen die Umweltsäcke mit den Elektrovelo abholen, dürfen sie nur im nüchternen Zustand fahren. «Weil dies in der Probephase nicht immer klappte, haben wir uns entschiedenen, jemanden fürs Velofahren einzustellen», sagt Geschäftsleiter Sami. So werde eine 100-prozentige Zuverlässigkeit für den Kunden gewährleistet, dass die Umweltsäcke auch abgeholt werden. Trotzdem will die Institution am Grundsatz festhalten, er auch ein Anreiz für die Süchtigen darstellt: Wer nüchtern ist, darf Velo fahren.

Nach dem Aufbau des Projekts Umweltfreunde in Olten will die Suchthilfe Ost auch im Bezirk Thierstein aktiv werden, wo man mit Breitenbach ebenfalls ein Beratungszentrum betreibt. Zwar sei dort das Projekt laut Geschäftsleiter Sami noch nicht «startklar», aber es sehe derzeit nicht schlecht aus. Auf der Homepage wird dieser Sommer als Starttermin angegeben.