Auf dem Hof der Familie Erni in Stüsslingen wurde am letzten Freitag die Most-Saison eingeläutet. Drei Monate lang wird der Familienbetrieb Mostgut von Kunden entgegennehmen sowie auch selbst frischen Most pressen und in ihrem Hofladen verkaufen.

Die intensive Hitze und Trockenheit des Sommers machten der Mosterei zum Glück keinen Strich durch die Rechnung. Die Nachfrage nach Süssmost ist auch in diesem Jahr gross. Der Reifeprozess der Früchte beschleunigte sich im Vergleich zum Vorjahr ein wenig, trotzdem konnte die Mosterei Erni ungefähr zum selben Zeitpunkt wie letztes Jahr öffnen.

Nur Äpfel und Birnen werden in der Anlage der Ernis gepresst. Die Hofbetreiber André und Monika Erni stellen für ihren Hofladen Apfelmost her. Auf zwei Hektaren Land verteilt stehen zirka 5000 Apfelbäume, die ihnen den benötigten Rohstoff dafür liefern. Die Bäume trugen dieses Jahr aufgrund der hohen Temperaturen und trockenen Wetterverhältnissen weniger Äpfel als sonst. André Erni rechnet diese Saison mit schätzungsweise 10 000 Litern Süssmost weniger als im Vorjahr.

Frisch ab Presse. Monika Erni füllt den eigenen Most ab.

Frisch ab Presse. Monika Erni füllt den eigenen Most ab.

Gemostet wird hauptsächlich freitags und samstags, wobei je nach Bedarf auch unter der Woche gepresst werden kann. Eine Anmeldung zum Mosten ist mindestens einen Tag vorher erforderlich. Familie Erni produziert jeden Freitagmorgen ihren frischen Most für die ganze Woche.

Grösste Anlage im Niederamt

Die alte Anlage im Dorf, wo Familie Erni früher ihre Apfelernten hinbrachte, schloss vor sechs Jahren. «Die nächsten Anlagen befinden sich entweder im Gäu oder im Aargau», erzählt André Erni. Aus den Äpfeln, die sie jeweils in die Anlage brachten, liessen sich 10 000 bis 12 000 Liter Most gewinnen. Eine stolze Menge an Äpfeln, die sie fortan ins Gäu oder in den Aargau transportieren müssten. Die Ernis beschafften sich noch im selben Jahr eine eigene Anlage und füllten damit die entstandene Lücke im Niederamt.

«Wir haben die grösste Most-Anlage im Niederamt», konstatiert André Erni. Ihre Anlage besteht aus einer Wasch- und Mahlanlage, die anschliessend durch das Verfahren der Bandpresse den Most produziert. Die Waschanlage spült die Äpfel, was aber das gründliche Waschen nicht ersetzt. Die Mahlanlage raffelt die Äpfel in kleine Stückchen, die in die Walze gelangen und von dort in die Bandpresse. Der Saft wird in einem Becken gesammelt. Die Reste fallen vorne beim Band raus und können kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden.

Verschiedene Sorten

Verschiedenste Apfelsorten werden miteinander gepresst, sodass jede Woche ein anderer Most-Geschmack entsteht. Einmal ist er saurer, einmal süsser. Worauf man besonders achtet, ist die Qualität: «Äpfel, die man mostet, muss man auch essen wollen», versichert der Hofbetreiber. Faule Äpfel werden aussortiert. Es wird nicht unbedingt das perfekte Tafelobst verwendet, die Äpfel sind aber durchaus geniessbar.

«Bag-in-Boxen» stehen mit dem Süssmost bereit für den Verkauf.

«Bag-in-Boxen» stehen mit dem Süssmost bereit für den Verkauf.

Der Familienbetrieb verkauft wöchentlich 300 bis 400 Liter frisch gepressten Süssmost. Nebst frisch gepresstem verkauft der Hof auch pasteurisierten Süssmost. Dabei wird der Süssmost in einem Durchlauferhitzer auf 78 Grad Celsius erhitzt und anschliessen in Behälter namens «Bag-in-Box» abgefüllt. Ein Jahr haltbar ist der Süssmost in den Boxen. Der Most wird hauptsächlich für den eigenen Hofladen produziert, der nebst Süssmost auch noch weitere Frischprodukte anbietet.