An der Informationsveranstaltung vom Dienstagabend präsentierte der Kanton den seit mehreren Monaten unter Verschluss gehaltenen Schulbericht zur Primarschule Hägendorf und zeigte schonungslos auf, wo der Schulleiter Thomas S. und seine Co-Schulleiterin Patricia Segura ihrer Pflicht nicht nachkommen:

Die Personalführung wurde vernachlässigt. Es gab zum Beispiel jahrelang keine Mitarbeitergespräche und die Schulleitung hat wegen der fehlenden Unterrichtsbesuche ein sehr eingeschränktes Bild von der Arbeit der Lehrer.

An der Schule fehlt eine gemeinsam getragene pädagogische Vorstellung für den Unterricht. Die Schulleitung konzentriere sich vorwiegend auf Administration und Verwaltung.

Das Qualitätsmanagement an der Schule ist mangelhaft. Dieses war weitgehend den Lehrern überlassen.

Das Betriebsklima an der Schule ist gefährdet. Es herrscht an der Schule eine Misstrauenskultur innerhalb der Lehrerschaft und zwischen Lehrer und Schulleitung. Dies führt zum Beispiel bei neu eintretenden Lehrern zu Irritationen.

Graue statt rote Ampel

Diese und weitere Punkte gaben dem Volksschulamt genügend Grund, um der Schulleitung eigentlich eine rote Ampel auszustellen. Das heisst, es gibt nicht-tolerierbare Probleme, die dringend Massnahmen von extern bedürfen. Weil die Gemeinde mit der Beurteilung nicht einverstanden war (wir berichteten mehrfach) und eine Beschwerde einreichte, verzögerte sich das Verfahren um mehrere Monate. Der kantonale Rechtsdienst befand schliesslich, dass eine Beschwerde vonseiten der Gemeinde gegen den Schulbericht gar nicht möglich sei. 

Infoveranstaltung zum Schulbericht der Primarschule Hägendorf

Infoveranstaltung zum Schulbericht der Primarschule Hägendorf

Rücktrittsforderung aus Plenum

So einigten sich Kanton und Gemeinde schliesslich auf die graue Ampel. Das heisst, das Beurteilungsverfahren ist zwar ausgesetzt, es kommt aber trotzdem zu einem Verfahren mit externer Begleitung. Die Primarschule muss nun mithilfe des Volksschulamtes bis Ende März Massnahmen bestimmen, um die eingangs erwähnten Mängel zu beheben. Ob diese Defizite an der Primarschule mit den bisherigen Schulleitern Thomas S. und Patricia Segura behoben werden können oder diese zurücktreten müssen, «müsse der Gemeinderat ganz sicher diskutieren», sagte Gemeindepräsident Albert Studer auf eine entsprechende Frage aus dem Plenum.

Die Stimmung unter den rund 200 Bürgern in der Turnhalle Hägendorf war klar gegen Gemeindepräsident Studer und die Schulleitung gerichtet. Mehrfach gab es bei Voten aus dem Plenum Applaus, die auf Missstände an der Schule hinwiesen und die Gemeindebehörden beschuldigten, zu lange nichts unternommen zu haben. Am Schluss kam schliesslich, was kommen musste: Ein Vater forderte den Gemeinderat unter Applaus aus der Runde auf, die komplette Schulführung auszuwechseln: «Mit dem bestehenden Team ist kein guter Neustart möglich.» Schulleiter und Co-Schulleiterin reagierten nicht darauf.