Plakative Botschaften auf Pappkartons, peitschend eingängige Slogans, friedfertige Atmosphäre und gut 200 Teilnehmende: dies die Bausteine der zweiten Klimademo am Samstag in Olten. Dabei hatte es eine Viertelstunde vor Beginn auf der Bifangwiese, wo sich der Demonstrationszug formierte, noch gar nicht danach ausgesehen.

«Wir hoffen schon, dass viele kommen», meinte Rebecca Rutschi vom vielköpfigen OK. Und es kamen viele. Es kamen so viele, dass OK-Mitglied Lukas Lütolf auf der Kirchgasse, dem geografischen Finale der Demo, auf dem Brunnenrand stehend den Teilnehmenden zurief: «Es ist sehr schön, dass ihr unserem Aufruf so zahlreich gefolgt seid.» Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass Oltens Gemeindeparlament Ende März den Klimanotstand erklärt hatte.

Klimademo Olten vom 6. April 2019: Umzug durch die Innenstadt

Eine Frage des Handelns

Die Intentionen der Bewegung aber sind eh klar: weniger CO2-Emissionen und damit weniger Triebhausgase. Und zwar schnell. «Gottfried Stutz – jetzt Klimaschutz!» Oder: «Öllobbyischte – ab i d’Chischte!» Nur zwei jener Slogans, die als knallige Einpeitscher wirkten. Aber es dürfte schwierig werden, perpetuierende Zielsetzungen stets aufs Neue originell darzureichen. Noch gelingt’s. Die vielen plakativen Aphorismen, auf Pappkartons mitgeführt, beweisen das. «Unser Schicksal hängt nicht von den Sternen ab, sondern von unserem Handeln», «Fertig mit em Elteretaxi» oder «Opa, was ist ein Schneemann?» Diesen mitgeführten Kurzbotschaften fügte die Slam Poetin Lisa Christ in ihren Auftritt am Ende der Demo noch eine weitere hinzu: «Wir leben auf zu grossem Fuss», sagte sie und forderte zum Schluss ihrer Rede die Sprache der Fakten und nicht die der Wahlkampfstrategien.

Dass die Jugend aber nicht bloss Forderungen erhebt, sondern auch Ideen zu deren Umsetzung liefert, das machte das OK auf der Kirchgasse ebenso deutlich: Den angebotenen Strommix zugunsten der erneuerbaren Energien aufwerten, den Langsamverkehr gezielt fördern. Als Ideen zwar nicht neu, aber wieder mal gesagt soll’s sein. Basta! Und Anfang Mai will man sich mit Umweltfachleuten im Cultibo zusammensetzen und Lösungen konkretisieren. Und ebenso wichtig: Der Termin der nächsten Klimademo steht fest: Freitag, 24. Mai.

Erwachsene mit dabei

Diesmal waren im Übrigen eher weniger Jugendliche, dafür mehr Erwachsene dabei. Auch Vertreter des Gemeindeparlaments. Väter, Mütter, so wie die Jugend besorgt über die Entwicklung des Klimas. Mal mit, mal ohne zur Schau getragene Botschaft, mal in Schiebermütze oder in einem sich über dem Bäuchlein leicht wölbenden Trenchcoat. Slogans skandieren aber: deren Sache eher nicht. «Das kennen wir noch von früher», sagte einer.

Hin und wieder lächelten Automobilisten dem Menschenzug entgegen, der sich über Unterführungstrasse-Bahnhofquai-Bahnhofbrücke Richtung Innenstadt bewegte. Einige winkten gar. Andere nahmen die leichte Verkehrsbehinderung stoisch zur Kenntnis.

«Ich glaube, die Jugend nimmt die Klimafrage viel unmittelbarer wahr», meinte Alan Schär, ebenfalls OK-Mitglied. Es sei eine der Zukunftsfragen, wenn nicht die Zukunftsfrage schlechthin. Gegen den Klimawandel anzutreten, sei eine Frage der Solidarität. Zunächst mit jenen, die sich wegen fortschreitender globaler Erwärmung vor dem steigenden Meeresspiegel in Sicherheit zu bringen hätten. Ob da auch Zukunftsangst mitschwingt? «Aber sicher», sagte Alan Schär. Was Rebecca Rutschi und Mitstreiter Gian Baumann auch bekräftigen.