Diesen Donnerstag setzte das Amtsgericht Olten-Gösgen das Strafverfahren über mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind fort, die einem heute 51-jährigen Mann aus der Region vorgeworfen werden. Die Verhandlung wurde im letzten September aufgrund neuer Beweisanträge verschoben.

Konkret wird der Angeklagte beschuldigt, im Herbst 2011 versucht zu haben, bei sich zu Hause sein damals 12-jähriges Göttimädchen mit der Hand zu befriedigen und danach in sie einzudringen. Ausserdem habe er ihr einen Zungenkuss geben wollen (sexuelle Nötigung). Darüber hinaus soll er ihr und ihrer Kollegin Alkohol verabreicht sowie einem Kollegen seines Sohnes Tabak verkauft haben.

Diesmal wurde auch das Opfer selbst nochmals befragt. Die mittlerweile 18-Jährige bestätigte ihre zuvor in Videobefragungen gemachten Anschuldigungen, sofern sie sich an die vier bis fünf Jahre zurückliegenden Angaben noch erinnern konnte. Ein Widerspruch ergab sich dabei lediglich beim Ort des Geschehens. Passierte es im Zimmer eines der Söhne des Täters oder im Schlafzimmer des Beschuldigten? In den Videobefragungen hat das Opfer beide Orte genannt. «Da habe ich wohl etwas durcheinander gebracht», sagte das Opfer auf Nachfrage von Gerichtspräsident Pierino Orfei. Denn: Es sei zu mehreren solchen sexuellen Handlungen gekommen, bei denen der Beschuldigte sie manuell zu befriedigen versuchte und dies in verschiedenen Räumen des Hauses. Doch es gehe ja heute um jenes Ereignis, bei welchem er auch versuchte, in sie einzudringen. Dieses habe im Schlafzimmer des Beschuldigten stattgefunden.

Von diesen neu aufgetauchten Übergriffen wusste bislang niemand. Staatsanwalt Michael Leutwyler stellte dem Gericht in der Folge den Antrag, die Anklage um diese mindestens drei zusätzlichen Handlungen zu erweitern. Ausserdem sei die schon zuvor erwähnte Abgabe von gesundheitsgefährdenden Substanzen an Kinder ebenfalls zu ergänzen. Die Geschädigte sagte nämlich auch aus, der Beschuldigte habe sie einmal dazu verleitet, zusammen mit ihm und seinem Sohn einen Joint zu rauchen.

Ebenfalls einvernommen wurde an dieser zweiten Hauptverhandlung der Vater des Opfers. Der 38-Jährige konnte sich an die rund fünf Jahre zurückliegenden Ereignisse allerdings nicht lückenlos erinnern. Dies animierte Gerichtspräsident Orfei zur Bemerkung: «Was wissen Sie denn überhaupt?» Was der Vater jedoch noch wusste, wirkte sich vorwiegend zuungunsten des Täters aus. Die beiden hätten zusammen einmal Cannabis geraucht. Zudem stimme es nicht, dass er den Beschuldigten darum gebeten habe, seiner Tochter einen Flachbildfernseher zu schenken, wie dieser behauptet. Es besteht der Verdacht, dass dieses Fernsehgerät als «Schweigegeld» für das Opfer hätte dienen sollen, wie auch ein zweijähriger Natelvertrag samt iPhone. Diese Geschenke machte der Angeklagte trotz Schulden von etwa 150 000 Franken.

«Aber sonst ist alles wahr»

Über die neuerdings vorgeworfenen Missbrauchshandlungen zeigte sich der Beschuldigte «empört»: «Ich bin schockiert, das zu hören. Es stimmt einfach nicht.» Den Vorwurf, mit seinem Sohn und dem Opfer Marihuana konsumiert zu haben, stritt er ebenfalls ab. Hingegen gab er zu, einmal zusammen mit dem Vater des Opfers gekifft zu haben. Damit widersprach der Beklagte seiner Aussage in der Herbstverhandlung, in seinem Leben nur ein einziges Mal Marihuana geraucht zu haben – nämlich damals, als er anschliessend bekifft in eine Polizeikontrolle fuhr. Nun gestand der Beschuldigte ein: «Es stimmt, ich habe es zweimal probiert.» Er habe dies in der Verhandlung vom September verschwiegen, weil er den Opfervater nicht in Bedrängnis bringen wollte. «Aber sonst ist alles wahr, was ich damals gesagt habe.»

Widersprüche wie diese würden sich in den Aussagen des Beschuldigten viele finden, hielt Staatsanwalt Leutwyler in seinem Plädoyer fest. Die Opferaussagen seien demgegenüber als deutlich glaubhafter einzustufen. Dafür spreche zum Beispiel, dass das Opfer die Handlungen aus Scham oftmals relativiert darstelle und gewisse Dinge – wie heute – auch erst spät erzähle. Leutwyler forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren sowie eine unbedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 80 Franken.

Verteidiger Daniel Frey zweifelte hingegen die Glaubwürdigkeit des Opfers an, welches sich ebenso in einigen Dingen widerspreche wie etwa am Ort des sexuellen Übergriffs. Der Beschuldigte sei daher lediglich für die eingeräumten Vergehen der Alkohol- und Tabakabgabe an Kinder zu verurteilen und zwar zu 15 Tagessätzen à 50 Franken – insgesamt also 750 Franken.

Die mündliche Urteilseröffnung findet am 12. Mai statt.