Man kann sagen, dass am Donnerstagabend praktisch die ganze Oltner Wirtschaftselite da war. Im Stadttheater, an der Herbstversammlung des Industrie- und Handelsverein Olten und Umgebung (IHVO), hörte sie, nach dem Apéro im schicken Foyer, dem Vortrag des Glückforschers und Oltner Wirtschaftsprofessors Mathias Binswanger zu.

Warum Geld nicht glücklich macht, war das Thema. Obwohl sein Buch dazu bereits im Jahr 2006 erschienen ist, referiere er «immer noch häufig über das Thema». Abgesehen von einigen lustigen Sprüchen war der Vortrag vor allem von statistischen Ergebnissen geprägt.

Zum Beispiel, dass für das gleiche Zufriedenheitsempfinden Mexikaner viel weniger Geld brauchen als Schweizer. Speziell sei bei den Schweizern, dass sie, zum Beispiel im Gegensatz zu Italienern, keine «Beklag-Kultur» hätten.

Die Umfrage an der Herbstversammlung des Industrie- und Handelsverein Olten. Macht Geld glücklich? Und: Was bedeutet Glück?

Die Umfrage an der Herbstversammlung des Industrie- und Handelsverein Olten. Macht Geld glücklich? Und: Was bedeutet Glück?

Genau deshalb bezeichnen sie sich bei Umfragen immer eher als «zufrieden». Dies erkläre, warum die Schweizer in internationalen Statistiken zu den Glücklichsten gehören, obwohl sie effektiv nicht die Glücklichsten sind. In der Tat sprühte der Glücksforscher selber nicht vor Glück.

Zeit: das neue Gold

«Herr Binswanger, sind Sie glücklich?», hiess es bei der anschliessenden Fragerunde aus dem Publikum. «Das Buch, das ich geschrieben habe, verpflichtet mich dazu, glücklich zu sein», so die Antwort vom Wirtschaftsexperten.

Einige Tipps, für die er im Buch plädiert, hätten ihm sehr geholfen, «glücklicher» zu werden. Zum Beispiel die Einführung von verpflichtenden Beschränkung – sich selbst zuliebe: «Ich habe keinen Fernseher zuhause und schaue seit Jahren generell kein TV mehr.»

Mittlerweile vermisse er es gar nicht mehr und habe sehr viel Positives daraus gewinnen können. Zeit zum Beispiel. Das ist nach Binswanger ein entscheidender Faktor, der zum Glücklichsein beiträgt: Zeit haben, das zu tun, was man mag.

Im Publikum: Zunickende, ernste und lachende Gesichter. Fragen wurden nach dem 50-minütigen Vortrag –«Ich könnte noch näher auf einzelne Punkte eingehen, aber die Zeit ist knapp»– nur sehr wenige gestellt. Die Gäste bevorzugten es offenbar, sich am anschliessenden Networking-Nachtessen Zeit zu gönnen.