Unter die Fahnen der Gewerkschaften mischten sich am diesjährigen 1.-Mai-Umzug in Olten violette Farbtupfer. Gegen 250 Leute liefen unter dem Motto «Mehr zum Leben» vom Bifangplatz zur Schützi. Auch bei den Reden war der Frauenstreik vom kommenden 14. Juni ein Thema.

Nicht einschüchtern lassen

So machte denn auch SP-Kantonsrat Urs Huber in seinen einführenden Worten auf die violetten Fahnen und Banner aufmerksam, die im Kulturzentrum Schützi hingen. Daneben griff er auch aktuelle Anlässe auf, etwa die Brandanschläge auf drei Solothurner SP-Vertreter am vergangenen Wochenende. «Davon lassen wir uns nicht einschüchtern», stellte er fest. Ausserdem rief er dazu auf, die kantonale Steuervorlage abzulehnen. Diese bewirke eine «Verteilung von oben nach unten», wie er kritisierte.

Auf die Brandanschläge ging ebenfalls Min Li Marti ein, SP-Nationalrätin in Zürich. «Bleibt fair, aber unbequem», bat sie. In ihrer Rede erinnerte sie an vergangene unbequeme Kämpfe, die Fortschritte wie das Frauenstimmrecht oder die Altersvorsorge hervorgebracht hätten. Die Klimastreiks und der Frauenstreik stimmen sie zuversichtlich, dass die Welt in 25 Jahren «nicht nur noch da sein, sondern auch eine Bessere sein wird.» Die Anwesenden applaudierten.

1.Mai-Kundgebung und Fest in Olten 2019

1.Mai-Kundgebung und Fest in Olten 2019

Nach der friedlichen 1. Mai-Kundgebung vom Oltner Bifang über die Bahnhofbrücke und Citykreuzung wurde im Kulturzentrum Schützi das 1. Mai-Fest gefeiert. Als Redner betätigten sich nach der Eröffnung durch Kantonsrat Urs Huber die Nationalrätin Min Li Marti und Pierre-Yves Maillard als neuem Präsidenten des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes.

«Drei Brandherde»

Pierre-Yves Maillard, der am 6. Mai sein neues Amt als Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds SGB antritt, rief zum Engagement bei drei Brandherden auf: Dem Klimawandel, der sozialen Frage sowie der Frauenstreik. «Durch die Klimastreiks gibt es ein neues Dringlichkeitsgefühl», stellte er fest. Das Engagement der jungen Leute soll sich in seinen Augen aber nicht auf das Klima beschränken: es brenne auch bei sozialen Themen.

Dies zeige sich etwa daran, wenn Vollzeit arbeitende Menschen die Miete oder die Krankenkassenprämien kaum bezahlen könnten oder die Renten gefährdet seien. Für den kommenden Frauenstreik appellierte er an «das Engagement der Frauen und die Solidarität der Männer», was ihm Applaus und Jubelrufe einbrachte.

«Noch nie so viele auf der Bühne»

Mit Corina Bolliger und Silja Aletti eroberten schliesslich zwei junge Frauen die Rednerbühne, die sich für den Frauenstreik engagieren. Zu Beginn bat Silja Aletti alle Frauen im Raum, aufzustehen. «Wir sehen, wir sind alle einzigartig. Für den 14. Juni schliessen wir uns zusammen», so Aletti. Corina Bolliger zählte die Forderungen des Streiks auf. Dies sind etwa Lohngleichheit, die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Einführung von Elternzeit. Sie endete mit der Forderung «Gleichstellung. Punkt. Schluss.» Ähnlich hatte Tamara Funiciello am 1.-Mai-Fest im vergangenen Jahr gefordert: «Lohngleichheit. Punkt. Schluss.» Anschliessend kamen rund 20 Frauen zusätzlich mit Frauenstreik-Fahnen auf die Bühne. «So viele hatten wir noch nie auf der Bühne», stellte Urs Huber fest. Der Applaus zeigte, dass die Forderungen auf Zustimmung stiessen.

«Die jungen Frauen machen mir Hoffnung», fand Marlies Oegerli, die selbst vorhat, an den Frauenstreik zu gehen. «Wenn es tatsächlich Lohnunterschiede geben sollte, braucht es den Streik», fand Rolf Stuber. «Natürlich braucht es den», stellte Ruedi Schärli fest, «damit nicht verwässert, was wir erreicht haben.» Am Nebentisch dachte ein älterer Herr laut darüber nach, seine Enkel an dem Tag zu hüten. Solidarität der Männer eben.