Olten
Glaceverkäufer klagt über Umsatzeinbruch: «Der frühere Standort war besser»

Der Glacestand von Yousef Bitar steht nun am westlichen Kopf der Bahnhofbrücke in Olten. Ein schlechter Platz, findet der Syrer. Er beklagt Umsatzeinbrüche.

Urs Huber
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Yousef Bitar wartet beim westlichen Kopf der Bahnhofbrücke meist vergeblich auf Kundschaft

Yousef Bitar wartet beim westlichen Kopf der Bahnhofbrücke meist vergeblich auf Kundschaft

Urs Huber

Sie gleicht einer kleinen Odyssee in Olten, die Geschichte von Yousef Bitar, dem Glaceverkäufer im Sommer und Marroniverkäufer im Winter. 70-jährig ist der Mann, der 1986 aus Syrien hierher kam und sich mit seinem saisonalen Verkaufsladen ein Zubrot verdient. «Nein, der Standort hier ist bestimmt nicht besser als jener in der Altstadt», sagt er.

Es gebe hier Wochenumsätze von 300 Franken, meint er und verwirft die Hände. In der Altstadt sei das besser gewesen. «Da hatten die Menschen mehr Zeit zum Schlendern, hatten mehr Musse.» Hier auf der neuen Brücke gelte es halt, den Weg von daheim zum Bahnhof oder umgekehrt möglichst rasch zurückzulegen, sinniert Bitar. Da bleibe für Eiscreme schon weniger Zeit.

Bauvorhaben vertrieb Bitar

Aber zurück zur Odyssee: Erst musste Bitar den alten Standort aufgeben, weil das entsprechende Haus umgebaut wurde. Darauf hin wurde ihm von der Gewerbepolizei am Kaplaneiplatz ein neuer Standort zugewiesen. Damit war ein Teil der Anwohner aber nicht einverstanden. Argumentiert wurde damit, dass der Container das harmonisch-idyllische Bild des Platzes beeinträchtige. Dann sah die Gewebepolizei vor, den Standort auf die andere Seite der Holzbrücke zu verlegen.

Aber auch das passte vielen nicht, die sich gegen eine Beeinträchtigung des Ortsbildes wandten und den weissfarbenen Container mit blauem Sonnenschirm und den dazu gehörigen Strassenreitern als störend empfanden. Schliesslich fiel einem der Gewerbepolizisten noch ein, dass doch früher schon mal am Westkopf der Bahnhofbrücke ein Marronistand platziert worden war. Der neue und bislang unbestrittene Standort war gefunden, auch wenn sich die städtische Baudirektion mit dem Erscheinungsbild wenig anfreunden mag. «Wäre das Häuschen ein Gefälligeres, dann wären wir schon zufriedener mit der Situation», tönts aus dem Stadthaus. Darauf angesprochen zuckt Bitar bloss mit den Schultern. Ja eigentlich könne er dazu nichts sagen, meint er.

Vielleicht nach den Ferien

Vielmehr interessiert ihn, wie er seinen rückläufigen Geschäftsgang wieder in Schwung bringt. «Natürlich sind jetzt Ferien», sagt er in gebrochenem Deutsch, halb mit Bitterkeit, halb hoffnungsvoll durchzogen. Da habe es wohl weniger Passanten. Er warte jetzt mal die erste Augustwoche ab. «Dann sind die Ferien doch zu Ende?», fragt er mit unsicherem Blick.

Seit knapp drei Wochen hat der Syrer nun die Standortqualität bei der Bahnhofbrücke evaluiert. «Wenn es nicht deutlich besser wird nach den Ferien, dann gebe ich Ende August auf», sagt er. Zwar hat er eine Bewilligung bis Ende Oktober, aber wenn das Geschäft nicht doch noch zum Fliegen kommt, will er aufhören und sich auf das Wintergeschäft mit den heissen Marroni konzentrieren.