Michael Erni baute seine Interpretationen bekannter Musikstücke des brillianten Komponisten Isaac Albéniz (1860-1909) erzählerisch und musikalisch in diese spannende Biografie ein. Albéniz war ein berühmter Konzertpianist, der sich zum Flamenco hingezogen fühlte.

Er verstand es, die Rhythmik spanischer und andalusischer Volksmusik in seinen Klavierwerken zu verarbeiten. In den Gitarrentranskriptionen werden harmonische und rhythmische Eigenheiten, Klang und Farbe spanischer Musik weit deutlicher erlebbar als in der Klavierfassung.

Erni mit eigener Komposition

Dies erlebte man dann auch in den wunderschönen, differenzierten Interpretationen von Michael Erni. Man tauchte ein in die spanischen Klangwelten, erlebte «Córdoba», «Rumores De La Caleta», «Mallorca», «Capriccho Catalán», «Cádiz» und «Granada» – um nur einige zu nennen. Man genoss eine Musik, die viele Inhalte in sich hat, mit melodischen Nuancen spielt und gefangen nimmt; Klang und Farbe spanischer Musik ist voller Faszination, weckt die geheimsten Sehnsüchte.

Erni spielte diese Feinheiten und wechselnden Rhythmen grandios heraus. Melodische Passagen wechselten über zu fragmentartigen Elementen. Isaac Albéniz war ohne Zweifel einer der faszinierendsten Musiker der Spätromantik.

Er wurde 1860 in der Nähe von Girona/Katalonien geboren. Bereits mit vier Jahren galt er als pianistisches Wunderkind. Weitere Studien brachten ihn mit den berühmtesten europäischen Musikern zusammen. Er war ein kleiner, dicklicher und bärtiger Mensch und signierte seine Briefe oft mit «El Gordo», der Dicke.

Er war warmherzig, redselig, witzig und grosszügig. Er ass und trank gerne, seine musikalische Laufbahn ist bedeutend und spannend, auch die Opernwelt faszinierte ihn. Er war davon überzeugt, dass seine Werke auf der Gitarre besser klingen als auf dem Klavier. Sein Meisterwerk war der Klavierzyklus «Iberia» (1905-08), den er kurz vor seinem Tod 1909 vollendete.

Michael Erni hat seit seinem Studium eine tiefe Beziehung zur spanischen Musik. Ein Erlebnis war sein letztes Stück, eine eigene Komposition zum Thema «Happy Birthday» (Hommage à Francisco Tarrega) Diese Eigenkomposition packte das Publikum, man lauschte diesen feinen Variationen, den unterschiedlichen Rhythmen und erkannte, dass da ein Komponist am Werk war, der die Gitarrenmusik bis in jede Einzelheit beherrscht und liebt.