Literaturpreis

Gibt es den Pushcart- Prize für einen Oltner?

David Pearce an der Aare in Olten, seiner zweiten Heimat. Auch über die Stadt hat er schon publiziert.

David Pearce an der Aare in Olten, seiner zweiten Heimat. Auch über die Stadt hat er schon publiziert.

David Pearce ist für den seit 1976 ausgelobten amerikanischen Literaturpreis 2020 nominiert. Wie er zu dieser Nomination in der Sparte Kurzgeschichte kommt, weiss der Autor selber nicht so genau.

Vielleicht ist es Zufall, womöglich auch nicht. Aber die Vorfahren seiner französischen Mutter waren gute Bekannte Jules Vernes. Nun, den bekannten Autor fantastischer Geschichten aus dem 19. Jahrhundert als ein Vorläufer von David Pearce zu bezeichnen, wäre vielleicht doch etwas fantastisch. Aber: Auch der 72-Jährige ritzt in seinem Schaffen das Fantastische, das grundsätzlich Denkbare, das für den Moment eher weniger Wahrscheinliche. «Ich schreibe solche Geschichten, die möglich sein könnten», sagt Pearce über sein Schaffen.

Und: Er schreibt ausschliesslich in seiner eigentlichen Muttersprache, in Englisch. Denn Pearce ist im Grunde Bürger der USA, aber seit über 20 Jahren in der Stadt Olten zu Hause und seit 2012 auch deren Bürger. Nach Olten kam der Weitgereiste durch seinen Lebenspartner Bruno Ritter erstmals 1981. Mit ihm, einem Oltner, lebt er seit 2007 in eingetragener Partnerschaft. «Wir gehörten sicher zu den ersten», sagt Pearce heute dazu.

Dass er dem Schreiben nahesteht; kein Wunder. Beruflich war er als Bachelor und Master in Kommunikation stets auch in diesem Bereich unterwegs, hauptsächlich als ziviler Vertreter für die US-amerikanischen Streitkräfte im Auftrag der Universität Maryland. Hauptsächlich in Europa. Vor knapp 40 Jahren verliess der in Pennsylvania und Ohio aufgewachsene Pearce seine Heimat, war tätig in «Westbörlin», wie er die damals geteilte Stadt vor dem Mauerfall im angelsächsischen Akzent so schön nennt, in England, Wales, Island.

Von der Nomination keine Ahnung

Bevor er Literatur als Fiction zu machen begann, war Pearce in den 1970er-Jahren in New York als Korrektor bei Simon&Schuster und dann Texter und Kulturkritiker für die Rockzeitschrift Zygote tätig. Gut. Aber wie kommt der Mann zur Nomination für den Pushcart Preis in der Sparte Kurzgeschichte?

«Ja, das weiss ich doch auch nicht», sagt er amüsiert. Er habe weder eine Ahnung, was es dabei zu gewinnen gebe noch wann der Preis vergeben werde. Der Oltner weiss nur: Der Pushcart Preis ist ein US-amerikanischer Literaturpreis von Pushcart Press, der seit 1976 vergeben wird und die besten Gedichte, Kurzgeschichten, Essays und literarischen Freischöpfungen ehrt, welche in Editionen im vorangegangenen Jahr in englischer Sprache veröffentlicht wurden. Redakteure von Magazinen und kleinen Buchverlagen können bis zu sechs Werke nominieren.

Mit ersten Kurzgeschichten schrieb Pearce vor zwei Jahren. Und letztes Jahr begann ein Freund beim Purple Wall Verlag als Redaktor zu arbeiten. «Ich habe dann an Wettbewerben bei purplewallstories.com teilgenommen. Aber ausser Konkurrenz und teilweise mit einem ‹Nom de Plume›, einem Schriftstellerdecknamen sowie einem gefälschten Autorenfoto.» Der Autor lächelt. Und jetzt gehört er mit seiner Kurzgeschichte «Pirates» also zu den Nominierten.

Worum’s darin geht? «Es ist eine Geschichte dreier Buben in Australien, die zu Hause beschult werden und denen in der Freizeit gefährliche Spiele durch den Kopf gehen», sagt Pearce.

Erstes Buch ab Mitte 2021 erhältlich

Und was auch gesagt sein muss: «Pirates» wird in einem Buch mit Pearces Geschichten zu lesen sein, welches Mitte 2021 vom Purple Wall Verlag herausgibt. Ein zweites folgt Ende 2021. «Die Titel sind noch nicht festgelegt», sagt Pearce. Das erste dürfte «The Purple Wall and other Stories», das zweite «Tales from the Golden Mirror» heissen. Die sind später voraus zu bestellen bei Purple Wall Publishing als Buch oder e-Book.

Pearces Geschichten sind von Simon Fidanza aus dem Freiburgischen illustriert; «ein Verwandter», wie der Autor sagt. Und erst noch einer, der so intuitiv illustriert, dass Pearce jeweils zum Schluss kommt: «Er trifft genau meine Vorstellung.»

Geschichten mit höchsten 5'000 Wörtern

Die Geschichten von Pearce erscheinen bei purplewallstories, rabidwriting, und asppublishing.co. Während Purplewallstories gute Geschichten will mit zwischen 1'000 und 5'000 Wörtern, gibt Rabidwriting zu verstehen, ihre Geschichten seien für Fans des Horrors und der Science Fiction. Und Asppublishing stellt sich auf den Standpunkt: Willst du ein Buch lesen, das noch nicht geschrieben ist: schreib es selbst.

«Die meisten meiner Geschichten bewegen sich im Umfang von rund 5'000 Wörtern», sagt Pearce. Aber eigentliche Science Fiction-Werke aus seiner Feder gebe es nicht. Es sei denn, man wolle sie als solche bezeichnen.

Nun gut. Und was liest Pearce selbst? Da wird’s schon fast klassisch: Charles Dickens kommt ihm als erster in den Sinn, dann Nabokov, James Baldwin. «Ich lese eigentlich ausschliesslich ‹alte› Literatur», sagt der Nominierte dann.

Autor

urs huber

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