Trendsporthalle
Gibt es bald Olympiasieger made in Olten?

Sportklettern und Skateboard stehen 2020 in Tokio neu auf dem olympischen Menüplan. Die Aufwertung dieser Sportarten durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) gibt den Plänen für eine Trendsporthalle in Olten neuen Schub.

Jürg Salvisberg
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Petra Klingler aus Bonstetten, Weltmeisterin 2016 im Bouldern, könnte dem Sportklettern durchaus Auftrieb verleihen

Petra Klingler aus Bonstetten, Weltmeisterin 2016 im Bouldern, könnte dem Sportklettern durchaus Auftrieb verleihen

zvg

An der ersten Generalversammlung im Juni hatte die Genossenschaft Trendsporthalle Olten die Vision eines Neubauprojekts in Olten SüdWest skizziert. Der Landpreis und nötige Arrangements mit möglichen Partnern für das angestrebte Grundstück haben diese Hoffnungen etwas gedämpft.

Seitdem zusätzlich bekannt wurde, dass für das Areal ein neuer Gestaltungsplan ausgearbeitet wird, rücken erst recht wieder andere provisorische und definitive Optionen für eine Heimat fürs Klettern und Skaten in den Vordergrund (s. Kontext).

Curlinghalle: Option für Trendsport

Die Curlinghalle neben dem Eisstadion Kleinholz taut zu neuem Leben auf. Aus den Zeiten der Kunsteisbahn-Genossenschaft Keko besass der mittlerweile ausgezogene Curlingclub Olten daran ein Sonderbaurecht. Unterdessen wurde dessen Heimfall an die Sportpark Olten AG als Rechtsnachfolgerin geregelt und deren Baurecht auf dem städtischen Areal verlängert. «Nun bietet sich die einmalige Chance, um verschiedene Bedürfnisse abzuholen», meint Beat Loosli.

Dem Verwaltungsratspräsidenten der Sportpark Olten AG schwebt eine multisportive Nutzung vor, die sich saisonal und tageszeitlich gut ergänzt. «Wir wollen keinen Schnellschuss produzieren, sondern sind der Meinung, dass alle Interessenten zuerst mal an einen Tisch gehören.» Die Koordination der verschiedenen Bedürfnisse liege bei Sportpark-Geschäftsführer Viktor Müller.

Neben der Sportpark AG selber haben bereits der EHC Olten und die Trendsport-Interessierten, die neben der Curlinghalle bisher im Sommer den Skaterpark betrieben, Ambitionen angemeldet. Das auszuarbeitende Nutzungskonzept bestimmt dann massgeblich über die nötige Sanierung und den Ausbau der Halle. Mit Sportklettern könnte ein zusätzliches Geschoss zum Thema und in jedem Planungsfall wohl die Finanzierung zum Knackpunkt werden. (JS)

Ungebrochen im Aufwind befinden sich die beiden dynamischen Sportarten. Die Aufnahme ins Programm der Olympischen Sommerspiele war für das Sportklettern ein Meilenstein. Dazu gesellte sich jüngst der WM-Titel der Zürcherin Petra Klingler im Bouldern, der das Interesse in der Schweiz nochmals verstärkte. Der Schweizer Alpen-Club SAC sieht sich damit in seinen Förderbemühungen in den letzten zwei Jahrzehnten bestärkt. Der Bergsportverband mit 150 000 Mitgliedern führt die Nationalmannschaft und kümmert sich um die Koordination der Einzelwettkämpfe.

Drei Kletterdisziplinen

Die Wiederentdeckung des Freikletterns im Alpenraum ab den 1970er Jahren führte zur Erkenntnis, dass es nicht bloss ein Teil des Bergsteigens, sondern eine eigenständige Sportart ist. Die Wettbewerbsorientierung an sich löste unter den Kletterbegeisterten anfänglich eine grosse ethische Diskussion aus.

Doch heute befänden sich das klassische Bergsteigen und das Sportklettern in einer friedlichen Koexistenz, führt Stefan Goerre als Präsident der SAC-Sektion Olten aus. Im Unterschied zum alpinen Klettern kennt Sportklettern keine objektiven Gefahren wie Steinschlag, Lawinen oder Temperaturstürze und kann in einer gemäss Olympiamassen idealerweise mindestens 18 Meter hohen Halle oder draussen stattfinden.

Die Mehrheit der Sportkletterer setzt aufs Leadklettern. Dabei gilt es, eine anspruchsvolle Wand in einem Versuch zu erklimmen. Bouldern meint das seilfreie Klettern in Absprunghöhe, bei dem die Athleten mit viel Kraftaufwand so viele Blöcke wie möglich überwinden. Als dritte Variante hat sich Speedklettern als Sprintdisziplin entwickelt. In der geplanten Trendsporthalle stellt sich Stefan Goerre einen Bouldern- und einen Leadbereich vor. «Parcours mit allen Schwierigkeitsgraden können problemlos in einer Halle Platz finden.»

Sehr vielseitige Sportart

Das regionale Trainingszentrum für rund 30 sportbegeisterte Jugendliche befindet sich in Lenzburg. Sie trainieren neben separaten Kraft- und Ausdauer-Einheiten zwei- bis dreimal in der Halle, wobei die Trainings in Duos schon durch das gegenseitige Sichern sehr lange dauern. Ein neuer Standort in Olten würde die Anreise für viele kürzer machen und zusätzliche Möglichkeiten eröffnen. Die Kombination von Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Koordination und Gleichgewichtssinn mache Sportklettern zu einer der vielseitigsten Sportarten, unterstreicht Stefan Goerre. Die Faszination für diese Freizeitbeschäftigung rühre auch daher, dass sie keine Materialschlacht voraussetze. Mit einem «Gstältli» und den richtigen Schuhen ist man für die eigene Kraftentfaltung schon bestens gerüstet.