Olten
Gibt es auf dem Platz Olten zu viele Gastrobetriebe?

In Olten gibt es immer mehr Gastrobetriebe. Wann sind es zu viele? Eine Umfrage bei den Beizern zeigt, was sie von der verschärften Konkurrenz halten.

Deborah Onnis
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Fast volle Gaststube über Mittag im Restaurant Flügelrad in Olten.

Fast volle Gaststube über Mittag im Restaurant Flügelrad in Olten.

BRUNO KISSLING

Neue Cafés, Restaurants, Beizen – in Olten wird die Gastroszene aktuell kräftig durchgemischt. Fast im Wochentakt werden Neueröffnungen angekündigt. Grund zur Freude oder zur Sorge?

Eher Ersteres, wenn es nach den Reaktionen der hiesigen Beizer geht: «Konkurrenz gibt es in der Gastronomie nicht, nur Mitbewerber. Und die beleben das Geschäft», sagt Martin Allemann, Geschäftsführer des Restaurants Flügelrad. Der Standort am Bahnhof, wo er und drei andere sehr nahe beieinander wirten, sei ein gutes Beispiel dafür, dass eine hohe Restaurantdichte völlig unproblematisch sein könne. An stark frequentierten Orten zumindest ganz bestimmt.

Entscheidend ist laut Allemann, dass das Angebot abwechslungsreich ist. «Das bringt neuen Wind und neue Leute.» Zu viele ähnliche Take-away-Läden wie Kebabstände auf einem gewissen Raum würden hingegen wenig Sinn machen.

Tagsüber top, am Abend ein Flop

Auch Roger Lang, Geschäftsführer des «Rathskellers», hat nichts gegen eine höhere Restaurantdichte. Solange die Betriebe gut und kreativ geführt werden und aussergewöhnliche Angebote haben. Dadurch wird die ganze Gastroszene aufgewertet. Das kommt dann wieder allen zugute. Ganz so perfekt ist es in Olten aber eben doch nicht. «Jeder Betrieb nimmt dem anderen etwas weg», sagt Lang mit einem selbstverständlichen Ton. «Auch Schweizer essen mal einen Kebab.»

Olten hat gegenüber Solothurn aufgeholt

Olten hat gegenüber Solothurn aufgeholt

Der Standort Olten brachte in den letzten Jahrzehnten durch die erhöhte Mobilität zusätzliche Herausforderungen. «Früher arbeitete und wohnte man am gleichen Ort», sagt Lang. Heute wohnen viele in Olten, arbeiten aber in Aarau, Zürich, Basel. Das heisst, am Abend sind die Leute weniger lang in der Beiz, weil sie morgens früher aus dem Haus müssen. Auch der Arbeitsdruck ist heute höher. «Früher hat man am Morgen ins Büro anrufen und wegen eines Katers spontan freinehmen können. Heute kann sich das niemand mehr leisten.» Der Pendlerstrom geht aber nicht nur in eine Richtung. Viele Auswärtige arbeiten in Olten. Deshalb sind Gastrobetriebe tagsüber auch gut besucht und Mittagsbetriebe dementsprechend erfolgreich. Das Problem kommt mit der Dämmerung: Am Abend leert sich die Stadt.

Peter Oesch, Präsident Gastro Kanton Solothurn, relativiert die Zunahme der Gastrobetriebe. «Es gehen viele Lokale auf, aber auch viele wieder zu», sagt er. Rund jeder vierte Gastrobetreiber gibt derzeit im Kanton Solothurn sein Lokal ab. Seit Jahren liegt die Fluktuationsrate in der Gastrobranche bei rund 20 Prozent, bestätigt das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA). «Jeder Betrieb wechselt durchschnittlich alle fünf Jahre seinen Betreiber», sagt AWA-Leiter Jonas Motschi. Woran liegt das? Oesch erklärt: «Es gibt seit Jahren eine Tendenz, dass auch Unerfahrene ‹eine tolle Idee› haben und selber gleich ein Lokal eröffnen.» Oft braucht es aber eben doch mehr als nur eine gute Idee. «Viele unterschätzen das Wirtemetier», weiss Oesch. Zu deren Schutz wurde im Kanton Solothurn am 1. Januar 2016 auch die obligatorische Wirteprüfung eingeführt. Deshalb erwartet Oesch in Zukunft tendenziell weniger neue Lokalbetreiber. Er bleibt kritisch: «Wir werden sehen, wie lange die neuen Lokale wirklich bestehen werden.» Schliesslich sei es in der Gastroszene wie in der Wildnis: «Nur die Starken überleben.»

Mehr spezielle Themenkonzepte

Und doch stieg in den letzten Jahren die Zahl der Betriebe in Olten. Laut Urs Blaser von der Wirtschaftsförderung Region Olten entstehen in letzter Zeit mehr kleine Gastrobetriebe mit speziellen Themenkonzepten wie zum Beispiel die Suppenstube oder das Migrolino «freshly made» im Bahnhof Olten. «Die Leute suchen immer mehr nach gesundem Essen», sagt Blaser. Nicht nur zum Mitnehmen. Trendige Lokale würden auch zum Verweilen, Flanieren und natürlich Konsumieren animieren. Sie haben also das Potenzial, Treffpunkte zu werden. «Das wäre eine erfreuliche Entwicklung, denn so würde auch die Innenstadt belebt», sagt Blaser.

Trotzdem: «Entweder man teilt den vorhandenen Kuchen in kleinere Stücke oder man macht den Kuchen grösser», sagt Motschi vom Kanton. Sind es mal zu viele Betriebe, reguliere der Markt das Angebot. Einen Richtwert für eine ideale Zahl der Betriebe nach Einwohnerzahl gibt es nicht. Und macht aufgrund der vielen Einflussfaktoren auch wenig Sinn. Im Vergleich zu Solothurn hat Olten mit 170 Gastrolokalen derzeit ein kleineres Angebot im Verhältnis zu seinen 18'000 Einwohnern. Solothurn hat 178 Lokale auf 16'800 Einwohner. Das heisst: In Olten teilen sich 106 Einwohner einen Gastrobetrieb, in Solothurn nur 94.

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