Olten
Giacobbo/Müller ziehen die Massen an – Coq d’Or hatte noch nie so einen Ansturm

Das SRF-Komikerduo gastierte am Dienstagabend im Oltner Lokal Coq d’Or. Sie beschwerten sich unter anderem über ihren Sendeplatz-Nachfolger Kurt Aeschbacher. Die beiden hätten sich am Sonntagabend ein junges Comedy- oder Satiretalent gewünscht.

Lucien Rahm
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Volles Coq d'Or
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Victor Giacobbo und Mike Müller im Coq d'Or
Kein Platz mehr im Lokal Coq d’Or: Zuschauer verfolgten das Gespräch von draussen über die offenen Fenster.

Volles Coq d'Or

Bruno Kissling

Es waren viel zu viele Besucherinnen und Besucher, die am Dienstag den Barbereich des Oltner Lokals Coq d’Or aufsuchten. Bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn musste sich irgendwo zwischen die über 100 Leute quetschen, wer einen Blick auf die Bühne werfen wollte. Einige betraten die übervolle Bar gar nicht erst, sondern verfolgten das Geschehen durch die offenen Fenster.

Grund für den Ansturm: die SRF-Komiker Viktor Giacobbo und Mike Müller. Im Rahmen der Talk-Serie «Bargespräche», die die SRG Aargau Solothurn seit April zusammen mit dem Coq d’Or veranstaltet, beehrten die beiden Satiriker die Oltner Beiz. Selina Berner, Vorstandsmitglied der SRG AG/SO, begann pünktlich um halb acht, ihren zwei Gesprächsgästen ein paar Fragen zu stellen.

Die zu Beginn von Berner nochmals gemachte Feststellung, dass ja nun bald Schluss ist mit der gemeinsamen Fernsehsendung «Giacobbo/Müller», veranlasste das Publikum, ein Geräusch des Bedauerns von sich zu geben. Er habe nun 25 Jahre lang Fernsehen gemacht, antwortete Giacobbo auf die Frage, warum das Ende nun gekommen ist. Nun wolle er sich anderen Projekten widmen – unter anderem sind ein Dokumentar- und ein Spielfilm geplant. Dass es wie seinerzeit nach dem Ende der Sendung «Viktors Spätprogramm» nach fünf Jahren zu einem TV-Comeback kommen könnte, schloss Giacobbo auch gleich aus: «Denn für mich ist Fernsehen jetzt mal erledigt.»

Anders sehe es aber beim in der Region Olten aufgewachsenen Mike Müller aus, der weiterhin seine Serie «Der Bestatter» fortführen wird, so Giacobbo. Zusätzlich dazu starte er nun mit dem «Donnschtig-Jass» durch, fügte Müller spasseshalber hinzu, um im Publikum Gelächter zu erzeugen. Worauf Giacobbo bemerkte: «Monika Fasnacht würde ich dann spielen».

Mit Satire verärgert man Leute

Von aussen sehe es auch sehr anstrengend aus, wenn man sich ständig für sein mediales Tun rechtfertigen muss, meinte Moderatorin Berner. Wie beispielsweise im Falle des Begriffs «Transe», mit dessen Verwendung die beiden Humoristen im April eine abermalige Debatte über die Grenzen der Satire auslösten. Ob sie ihre Sendung auch deswegen beenden würden, wollte Berner wissen. «Im Gegenteil. Das wäre ein Ansporn, weiterzumachen», lautete die Antwort Giacobbos. Wenn man Satire macht, sei klar, dass man immer ein paar Leute verärgert. Wenn man das nicht aushält, müsse man gar nicht erst anfangen.

Unzufriedenheit äusserten Giacobbo und Müller hinsichtlich ihrer Nachfolge im SRF. Kurt Aeschbacher übernehme ja ihren Sendeplatz am Sonntagabend, so Berner. «Ein Nachwuchstalent, ja», betitelte Müller den 67-jährigen Senderkollegen. Gewünscht hätte er sich auf dem frei werdenden Platz eigentlich einen jungen Komiker, hielt Giacobbo fest. «Das ist völlig blödsinnig, diesen Sendeplatz, bei dem man bislang wusste, da gibt es Comedy und Satire, einfach aufzugeben. Und das finde ich ein wenig schade.»

Nach etwa 30 Minuten Talk beantwortete das Comedy-Duo auch Fragen aus dem Publikum. Diese Gelegenheit nutzte eine Besucherin, um sich darüber zu beklagen, dass der Aargau auffällig häufig Ziel der Scherze der beiden sei. Das sei der Aargau zu Recht, befand Müller. Zudem machten sie auch viele Witze auf Kosten des Thurgaus oder Schlierens, fügte Giacobbo hinzu.

Noch nie so einen Ansturm

Als vorerst letzte Veranstaltung der Reihe wird am 20. Dezember ein «Bargespräch» mit Stefan Klapproth stattfinden. Coq d’Or-Betreiber Daniel Kissling rechnet auch dann wieder mit vollem Haus, wenn auch nicht im selben extremen Ausmass wie am Dienstag. «So einen Ansturm hatten wir bisher noch nie», zieht Kissling Bilanz. Man sei an der oberen Platzgrenze gewesen, wenn nicht gar darüber. Die Idee der Reihe sei aber eben, die Gespräche in einer lockeren Bar-Atmosphäre abzuhalten, weshalb man am gewählten Raum festhalten möchte. «Wenn der Andrang wieder so stark würde, müssten wir uns aber überlegen, ob wir ein anderes Lokal suchen sollen.» Möglicherweise werde die Reihe nächstes Jahr fortgesetzt.

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