Annebäbi Jowäger möchte für ihren Buben, den Jakobli, nur das Beste. Dass das Beste aber nicht immer das Gute ist, zeigt der Roman von Jeremias Gotthelf klar auf. Einmal mehr widmet sich das Heimatschutztheater Olten dem Emmentaler Schriftsteller. Nicht nur, aber hauptsächlich waren es Stücke des Emmentalers, derer sich die Oltner Laienspieler in den letzten Jahren angenommen haben. Erich Kästners «Drei Männer im Schnee» standen ebenso wie Simon Gfellers «Hansjoggeli der Erbvetter» oder «Ds Schmocker Lisi» von Otto von Greyerz auf dem Programm.

Die 108. Einstudierung des HSTO widmet sich erneut Gotthelf. «Anne Bäbi Jowäger» steht auf dem Programm. Der Emmentaler schrieb die bekannte Geschichte als Auftragsarbeit. Er sollte eine Schrift gegen die aufkommende Kurpfuscherei schreiben. Weil sich Jakoblis Eltern, die Jowägers, geweigert haben, ihn impfen zu lassen, ist er an Pocken erkrankt und entstellt. Und nun soll er, ja der Mann, auf eine Art zwangsverheiratet werden. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Gotthelfs Sprache ist das urchige Bärndütsch. Zuweilen derb, zuweilen lieblich. Was klingt schöner als «es Müntschi», was derber als «das Mönsch»; abschätziger könnte eine Person kaum bezeichnet werden. So schön dieser Dialekt anzuhören ist, für einen Nichtberner ist es nicht einfach, ihn natürlich wiederzugeben, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Einige der Mitglieder der Theatergruppe kommen aus dem Bernbiet. Aber auch die Nichtbernerinnen und Nichtberner sprechen, als wäre ihnen dieses Behäbige und Langsame in die Wiege gelegt worden.

Gelungenes Gesamtbild

Das Altersheim Ruttigen gewährt dem Heimatschutztheater Gastrecht für die Proben. Aus diesem Grund werden die Insassen jeweils für die Hauptprobe eingeladen. Sie durften ein gelungenes Gesamtbild geniessen. Nicht nur Gotthelfs Sprache, auch das Bühnenbild und die Kostüme überzeugten. Hervorzuheben ist aber für einmal die Maske. Den entstellten Jakobli zu schminken, war sicher nicht einfach, die Pockennarben wirkten natürlich und nicht übertrieben.

Schon zu Beginn spürte man, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler bereit sind; nicht nur für die Hauptprobe, sondern auch für die kommenden Vorstellungen. Sie lieben ihr Hobby, jedes Wort sass, nichts wirkte über-rissen oder aufgesetzt. Es war eine wahre Lust, den Dialogen zuzuhören. Man litt mit Mädi, Jowägers Magd, die sich in Jakobli verguckt hatte. Man möchte die Jowägerin schütteln, die für zehn Batzen ein Elixier gekauft hatte. Wie «gschtandni Bschütti» schmecke das Gesöff, so ihr Sohn. Stark sind die Auftritte von Arzt und Pfarrer, die gegen die Kurpfuscher und Wahrsager wettern.

Gotthelf hat den Roman im Jahr 1842 geschrieben, bekannt ist vielen die Verfilmung von Franz Schnyder. Sämi Fauk hat das Werk Mitte der 50er-Jahre für die Bühne adaptiert, sicher kein einfaches Unterfangen. Es braucht eine gehörige Menge Mut, eine solch alte Materie auf die Bühne bringen zu wollen. Es besteht die Gefahr, weltfremd und folkloristisch zu wirken. Die Laiendarstellerinnen und -darsteller schaffen es aber, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Nie ziehen sie die Geschichte ins Lächerliche. Natürlich darf Jakobli am Schluss «sim Meitschi es Müntschi gäh.» Und auch wenn der Roman vor über hundertfünfzig Jahren geschrieben wurde, so ist das Thema nach wie vor aktuell. Die damaligen Kurpfuscher sind heute die Damen und Herren von den diversen Esoterik-Sendungen.

Aufführungen im Stadttheater Olten: Freitag, 23. Januar, 20 Uhr; Samstag, 24. Januar, 20 Uhr; Sonntag, 25. Januar, 14 Uhr;

Vorverkauf: Buchhandlung Schreiber Kirchgasse 7, 4600 Olten; Tel. 062 205 00 00, Fax 062 205 00 99