Auf dem Oltner Areal Bahnhof Nord wächst zusammen, was schon seit mehr als einem Jahrhundert stets in einem Atemzug genannt wird: Stadt und SBB nämlich.

Gemeinsam wird die rund drei Hektar grosse Fläche entwickelt, sprich überbaut; «nachhaltig entwickelt», heisst das im Originalton, mit mindestens 150 Wohnungen und bis zu 2000 neuen Arbeitsplätzen (inklusive Betriebszentrale).

So jedenfalls liessen sie die Verantwortlichen an der gestrigen Medienkonferenz im Stadthaus Olten zitieren. Die Schwere des Projekts: an die 200 Mio. Franken.

Die können und wollen die SBB allerdings nicht alleine stemmen, wie Jürg Stöckli, Leiter SBB Immobilien bekannt gab. Welche der fünf geplanten Kuben später im Besitz der SBB bleiben, sei allerdings noch unklar.

Belebte Nutzung

Gemäss Stöckli gilt es, die eigentliche SBB-Brache Bahnhof Nord einem neuen Zweck zuzuführen. «Wir streben eine belebte Nutzung des Areals an.»

Just diese versprechen sich die Investoren durch einen Dienstleistungsmix in den Erdgeschossen: Kino, Gastronomie, Theater. Auch die Situierung von medizinischen Angeboten wie Kliniken sieht das Portfolio der Investoren vor. Allerdings sei man noch auf der Suche nach geeigneten Mietern.

Im Grundsatz gehen die SBB und Dritte davon aus, dass die neuen Nutzer vom Standortvorteil – Bahnhofsnähe und damit Nähe zum öV – profitieren möchten.

Denn: «Die Stadt hat Potenzial», so Stöckli. Rund 80 000 Kunden würden den Bahnhof Olten täglich frequentieren. In Olten Nord, sind die Investoren überzeugt, entsteht voraussichtlich bis in acht Jahren ein neuer Stadtteil, der mit dem Spatenstich in zwei Jahren etappenweise realisiert werden soll. Als Erstes werden die Kuben in unmittelbarer Bahnhofsnähe realisiert.

Noch im letzten Jahr haben die Stadt Olten und die SBB die Bevölkerung im Rahmen der Mitwirkung zum Gestaltungsplanverfahren über das Projekt Areal Bahnhof Nord informiert.

Oltnerinnen und Oltner hätten davon Gebrauch gemacht und zahlreiche Anregungen und Hinweise eingebracht. «Der Tenor dieser Rückmeldungen war eindeutig positiv», sagte Stadtpräsident Martin Wey, der mit dem Projekt auch die Wohnstrategie der Stadt bestätigt sieht (3000 neue Bewohner bis 2023).

Nun haben SBB, die Stadt Olten und der Kanton Solothurn gemeinsam einen Gestaltungsplan für das Areal Bahnhof Nord aufgelegt. Dieser regelt die Rahmenbedingungen für die Überbauung des Areals.

Dazu war auch eine Umzonung notwendig, wie Ruedi Bieri, Leiter Nutzungsplanung beim kantonalen Amt für Raumplanung meinte: von der Kern- zur Hochhauszone.

Zudem sind die Arealzufahrten auf den Bereich Süd und Mitte konzentriert, wie Daniel Wassmer, Abteilungsleiter Kantonsstrassen, an der Medienkonferenz ausführte. Alle Neubauten werden Minergie-Standards oder vergleichbare Umweltstandards erfüllen.

Betriebszentrale als Leuchtturm

Im Zentrum des Areals wird derzeit die neue Betriebszentrale Mitte gebaut, welche die SBB ab Ende 2014 bis Mitte 2016 schrittweise in Betrieb nehmen wird.

Der Komplex wird so etwas wie der Leuchtturm des Areals sein. «Steter Betrieb – rund um die Uhr», wie Stöckli sagt. Die neuen Gebäude werden eine Höhe von bis zu 13 Geschossen – respektive maximal 46 Metern – aufweisen; für Olten schon fast epochal.

Das Stadthaus selbst ist 51 m hoch. Klein-Manhattan an der Aare also. Die Planung sieht eine spannende Abfolge von grosszügigen Frei- und Erschliessungsräumen vor.

Ein wesentliches Element des Konzeptes ist das Nebeneinander der bestehenden, geschützten Alt- und der modernen Neubauten. Stöckli unterstrich den Wert dieser baulichen Zeugen aus der Vergangenheit im harmonischen Miteinander mit Architektur der Gegenwart. Zudem legen die Altbauten Zeugnis der damaligen Holzbauweise im Fabrikbau ab, wie Bieri betonte.

Das Planwerk Bahnhof Nord liegt bis 17. Februar im Stadthaus (6. Stock) auf.