weitere Ladenschliessung
Geschäft für Oltner Bäcker ist nicht überall «schwieriger als früher»

Nach dem Ende der Bäckerei Blum gibts in der Stadt noch fünf Bäckereien – wie gut läuft das Geschäft?

Rahel Bühler
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Ruth Wacker in ihrer Filiale an der Martin-Disteli-Strasse 49: «Wir profitieren von der Nähe zum Bahnhof.»

Ruth Wacker in ihrer Filiale an der Martin-Disteli-Strasse 49: «Wir profitieren von der Nähe zum Bahnhof.»

Bruno Kissling

Nach 83 Jahren schloss die Bäckerei Blum aus wirtschaftlichen Gründen ihre Backstube am Fluhweg in Olten per Ende Juni. Damit verbleiben noch fünf Bäckereien in Olten: Allenspach, Cusumano, Felber, Pino, Wacker. Wie läuft das Geschäft bei ihnen?

Zita Fehlmann, Teamleiterin der Bäckerei Allenspach, die an der Oltner Baslerstrasse eine Filiale mit integriertem Café-Restaurant führt, sagt ganz klar: «Es ist schwieriger als früher.» Allem voran hätten sich die Essgewohnheiten der Kunden verändert: «Man gibt heute weniger Geld fürs Essen aus», ist sie sich sicher. Dies scheint eine grundlegende Veränderung zu sein, wird sie doch auch von den meisten der anderen Oltner Bäcker erwähnt. «Heute werden viel mehr Sandwiches gekauft», heisst es auch aus der Bäckerei Cusumano, aus der Backstube Pino und vom Wacker-Beck.

Nachfolge bei Wacker geregelt

Ein weiterer Grund, warum die Oltner Allenspach-Filiale schon bessere Zeiten gesehen hat, ist laut Teamleiterin Fehlmann die Baustelle rund um das Gebäude herum. Das schrecke Kunden ab: «Ausserdem haben wir keine Parkplätze, und wir sind etwas abseits gelegen», führt Fehlmann weiter aus. Auch die Einkaufsgewohnheiten hätten sich verändert: «Heute gehen die Leute eher in ein Einkaufszentrum, dort hat man alle Läden an einem Ort.» Daniel Schär vom Pino Beck in der Innenstadt ergänzt: «Viele gehen zum Einkaufen auch ins Deutsche.» Bei ihm scheint der Laden zu laufen. Er nennt dafür auch gleich den Grund: «Es gibt immer mehr Leute, die finden, dass das Industriebrot ihren Bedürfnissen nicht entspricht und lieber handwerkliches Brot essen möchten.»

Auch Ruth Wacker, welche die Wacker-Filiale an der Martin-Disteli-Strasse führt, kann sich nicht beklagen: «Bei uns läufts gut», sagt sie. Ihr kommt die Nähe zum Bahnhof zugute: «Vor allem am Morgen und am Abend haben wir viele Kunden: Pendler, Bauarbeiter, Quartier-Bewohner.»

Ins gleiche Horn bläst Erik Cusumano von der Cusumano-Bäckerei im Hammer-Center: «Es könnte mehr sein, aber ich bin grundsätzlich zufrieden, wie unser Geschäft läuft.» Bei vielen Bäckereien ist neben ausbleibender Kundschaft auch mangelnder Nachwuchs das Problem.

Dies weiss auch Daniel Schär vom Pino Beck. Der 55-Jährige hat vor, noch mindestens sieben bis zehn Jahren weiterzumachen. Was dann kommt, weiss er noch nicht, er verspricht aber: «Ich werde schon dafür schauen, dass die Bäckerei hier weitergeführt wird.» Ruth Wacker, die in zwei Jahren pensioniert wird, hat sich dieses Problems bereits angenommen: Der Sohn führt die Backstube und die Filiale in Rothrist und wird auch jene in Olten übernehmen, wenn Ruth Wacker sich einmal zurückzieht. Der 40-jährige Erik Cusumano macht sich noch keine Gedanken über einen potenziellen Nachfolger, er habe ja noch Zeit, aber: «Man weiss ja nie.»

Anfang des Endes

Für die Oltner Bäcker stellen Grossverteiler eine grosse Konkurrenz dar. Sie produzieren maschinell und sind dadurch einiges preiswerter. Die Bäckereien haben verschiedene Strategien ausgearbeitet, um sich von der Industrie-Ware abzuheben: bessere Qualität, grösseres Sortiment, Spezialbestellungen. «Man muss auf die Kunden eingehen und immer am Ball bleiben», weiss Ruth Wacker aus ihrer 36-jährigen Erfahrung.

Alle angefragten Bäckereien stellen ihre Produkte komplett selbst her. Halbfertige Ware zuzukaufen, ist verpönt: «Dann ist man vergleichbar mit den Grossen. Das ist der Anfang des Endes», erklärt beispielsweise Erik Cusumano. Aktuell präsentiert sich die Lage der Oltner Bäckereien relativ stabil. Die Hoffnung bleibt also, dass die Oltner auch in Zukunft ihr Brot vom Beck ums Eck beziehen können.

Die Bäckerei Felber an der Solothurnerstrasse wollte auf Anfrage keine Auskunft geben.