Wer Herbert Schibler über das neue Saisonprogramm sprechen hört, der kann sich der Begeisterung des Stadttheater-Geschäftsführers wieder einmal kaum entziehen: «Das Quintett Canadian Brass gehört weltweit wohl zu den Top drei bei den Blechbläserensembles» oder «Höher als das Kammerorchester Camerata Salzburg kann man gar nicht gehen». Der frühere Laienschauspieler weibelt seit 13 Jahren für sein Stadttheater, dessen Programm er mit einem Mix aus guter Unterhaltung und bürgerlicher Hochkultur in den letzten Jahren auf das regionale Publikum abgestimmt hat.

Am Freitagabend startet er nun mit der Vorstellung des «Ukulele Orchestra of Great Britain» in seine letzte volle Saison: Per Ende September 2019 wird der in Olten aufgewachsene Schibler, der heute in Winznau wohnt, in Rente gehen. «Ich höre lieber auf, wenn es noch bedauert wird», sagt der bald 64-Jährige mit einem Augenzwinkern zum Entschluss, den er in den vergangenen Sommerferien auf Wanderungen in seiner zweiten Heimat Engadin gefasst hat. Zur Diskussion stand auch, ein oder zwei Jahre über das Rentenalter hinaus als Geschäftsführer tätig zu sein.

Wichtige Kennzahlen gesteigert

Der Geschäftsführer hinterlässt grosse Fussstapfen. Iris Schelbert lobt Schibler für die «Erfolgsgeschichte», welches das Stadttheater unter seiner Ägide gewesen ist. «Er hat im deutschsprachigen Raum ein breites Netzwerk aufgebaut, die Sponsoren aufs Beste gepflegt und kann das Publikum mit seiner Art begeistern.»

Die Verwaltungsratspräsidentin der Stadttheater Olten AG, welche zu 100 Prozent der Einwohnergemeinde gehört, ergänzt, dass einige Künstler nur nach Olten gekommen sind, weil Schibler diese so gut betreut hat.

Auch Kulturjournalistin Madeleine Schüpfer, die lange Jahre für die Theaterzeitung verantwortlich war und immer noch im künstlerischen Beirat sitzt, windet dem abtretenden Geschäftsführer ein Kränzchen: «In seiner Zeit hat das Stadttheater an Qualität gewonnen.» Er habe dem Gastspielbetrieb zu einem sehr hohen Bekanntheitsgrad auch über die Region hinaus verholfen. Olten müsse nun aufpassen, «dass diese Qualität gehalten werden könnte».

Kennzahlen kontinuierlich gesteigert

Schibler war der erste Geschäftsführer, welcher den Theater- und Tagungsbetrieb gemeinsam unter sich hatte. Vor der Anstellung des früheren Primarlehrers war eine Theaterkommission für das Programm zuständig, für die Fremdvermietungen waren die Gebrüder Peter und René Rahm verantwortlich. Unter Schiblers Hand konnten wichtige Kennzahlen kontinuierlich gesteigert werden – dies auch dank der Teilrenovation von 4 Millionen Franken im Jahr 2005: Gab es 2006 im Theaterbetrieb 27 Vorstellungen mit einer Auslastung von 82 Prozent, so stieg die Auslastung im letzten Jahr bei 36 Vorstellungen auf 85 Prozent.

Auch beim Tagungsbetrieb, welcher die Kulturvorstellungen zum grossen Teil querfinanziert, kam es zu Steigerungen: 2006 war der Theater- oder Konzertsaal an 192 Tagen belegt, 2017 an 243 Tagen. Dementsprechend stieg im gleichen Zeitraum auch der Umsatz von 1,7 auf 2,1 Millionen Franken.

Beim Theaterbetrieb sieht Schibler bei der Anzahl Veranstaltungen und der Auslastung eine Obergrenze erreicht, die aus seiner Sicht kaum noch weiter gesteigert werden kann. Beim Tagungsbetrieb hingegen sei dies durchaus möglich. Das sieht auch Verwaltungsratspräsident Schelbert so: «Bei den Tagungen könnten wir noch mehr herausholen.»

«Wie eigenes Unternehmen führen»

Der Erfolg in den letzten Jahren hat sich Herbert Schibler hart erarbeitet. Die Präsenzzeit ist hoch. Tagsüber zeigt sich der Geschäftsführer bei einem Firmenseminar, abends begrüsst er die Gäste bei einem Konzert und geht nach der Vorstellung mit den Künstlern noch für einen Schlummertrunk ins Restaurant Aarhof. «Diesen Job muss man leben und den Betrieb wie ein eigenes Unternehmen führen», sagt er.

Es kam aber auch viel zurück: Er hat Freundschaften geschlossen, die mit ein Grund waren, wieso gewisse Engagements in Olten überhaupt zustande kamen. In dieser Saison beispielsweise das Barockorchester L’Opera Stravagante, das extra für einen einzigen Auftritt aus Venedig anreist. Dank seines Netzwerks sind gemeinsame Verpflichtungen mit anderen Häusern möglich und finanzierbar: Der Auftritt des Kammerorchesters Camerata Salzburg etwa ist ein Resultat der Zusammenarbeit mit dem Kulturamt im badisch-württembergischen Villingen-Schwenningen.

Künstler aus der Klassikszene am teuersten

Ein Grossteil der Künstler wird heutzutage allerdings über Agenturen verpflichtet. Und da sind die Preise ziemlich fix. Am teuersten sind laut Schibler die Künstler aus der Klassikszene mit Gagen im fünfstelligen Bereich. Einige Topstars wie Pianistin Khatia Buniatishvili oder Cellistin Sol Gabetta gaben in der Vergangenheit in Olten trotzdem ihr Stelldichein. Oder in dieser Saison das 26-jährige Wunderkind Kit Armstrong.

Sogar an Opernsängerin Cecilia Bartoli war er mal dran. «Wir standen kurz vor der Vertragsunterzeichnung», verrät Schibler. Es hätte einen Mäzen gegeben, der die Vorstellung finanzierte. Doch Schibler zog sich zurück: «Wir hätten ein Feuerwerk gezündet, das nicht nachhaltig gewesen wäre.»

Trotzdem sagt er, dass Engagements mit Topstars unter dem Strich nicht teurer sein müssten. «Das Haus ist voll und wir finden vielleicht sogar Sponsoren.» Zudem könne es sich das Stadttheater Olten nicht leisten, Künstler zu engagieren, bei denen die Abonnenten fragen müssten: Muss der Schibler jetzt sparen? Doch auch für ihn gibt es für Sphären, die nicht erreichbar sind. «Superstars wie den Pianisten Lang Lang oder die Opernsängerin Anna Netrebko sind ausserhalb unserer Reichweite und ähnlich wie bei Cecilia Bartoli nicht sinnvoll.»

Gibt es eine Findungskommission?

Wie es nach der Ära Schibler weitergeht, ist noch nicht klar. Verwaltungsratspräsidentin Schelbert will die Sache mit ihren Kollegen an der nächsten Sitzung besprechen. Sie könnte sich vorstellen, eine Findungskommission einzuberufen. Ob potenzielle Anwärter direkt angesprochen werden oder eine Ausschreibung erfolgt, ist noch nicht bestimmt. Für sie wie auch für den abtretenden Schibler ist allerdings klar, dass das Stadttheater auch in Zukunft eine Gastspielstätte sein soll.

«Ein produzierendes Haus mit eigenem Theater und Orchester können wir uns nicht leisten», sagt Stadträtin Schelbert. Die Kosten wären um das x-fache höher als bisher. Und Schibler ergänzt: «In Olten gibt es keine solche Tradition.» Bis zwei Jahre nach seinem Abgang wird das Stadttheater Olten sowieso ein Gastspielbetrieb bleiben. Die Saison 2019/20 ist laut Schibler «in weitesten Teilen organisiert». Und für die nachfolgende Spielzeit 2020/21 stehen bereits zwei Vorstellungen fest.