Olten

Gerüste, Lärm und Staub: Schulalltag auf der Grossbaustelle

Die erste Aussenhülle der Kantonsschule Olten ist saniert – der Schulbetrieb läuft indes nicht ganz störungsfrei.

Seit über einem halben Jahrhundert thront die Kantonsschule Olten auf einer Anhöhe über der Stadt. Mitten im Hardwald wurde der Bau mit einem Volumen von 140 000 m3 zwischen 1969 bis 1973 aus dem Boden gestampft. Ein Vorhaben, das heute wegen der Bauvorschriften nicht mehr möglich wäre.

Als architektonischer Zeitzeuge des Betonbrutalismus gilt er unter Fachleuten als erhaltenswert, entspricht aber nicht mehr den heutigen Normen in Sachen Brandschutz, Erdbebensicherheit oder Energieeffizienz.

Seit gut einem Jahr wird der Betonbau vom Kanton nun für 86 Millionen Franken saniert, bis 2022 wird die weitläufige Anlage «fit gemacht für die nächsten 40 Jahre», sagte Gesamtprojektleiter David Brunner an der gestrigen Baustellenbesichtigung.

Bereits sind die ersten Resultate ersichtlich: Beim kleineren vierstöckigen Trakt der Schule ist die Aussensanierung abgeschlossen. «Das Gebäude sieht fast wieder so aus wie nach der Eröffnung der Kanti», sagte Brunner.

Hallenbadrenovation Kanti Olten

Ein Blick in das Hallenbad der Kanti Olten, das derzeit renoviert wird

Es wurde kein einziges Betonelement neu produziert, sondern die bisherigen wurden mit einer Speziallösung gegen Korrosion behandelt und die abgebröckelten Stellen geflickt. Bis nächsten Sommer soll die Fassadensanierung des übrigen Gebäudekomplexes abgeschlossen sein.

Nächstes Jahr beginnen auch die ersten Arbeiten für die Innensanierung. Für den Schulbetrieb wird das eine noch grössere Herausforderung als bisher. Zwar werden lärmintensive Arbeiten während der Ferien ausgeführt.

Trotzdem gibt es immer wieder Momente, wo der Schulbetrieb wegen der Baustellenarbeiten beeinträchtigt ist. «Jeder Lehrer darf sich bei uns melden», sagt Walter Wyss. Der stellvertretende Rektor der Kanti Olten hat einen direkten Draht zur Bauleitung vor Ort.

Kürzlich hätte es einen Fall mit einem Kompressor gegeben. Wyss lief direkt ins Bauleitungsbüro und der ohrenbetäubende Lärm verstummte. Doch er sagt auch: «Gewisse Störungen müssen akzeptiert werden.» Es gehe nur mit «gegenseitigem Respekt», betont Wyss.

Auch eine Umfrage bei den Schülern vor Ort zeigt, dass der Schulbetrieb nicht nur reibungslos verläuft. Es komme vor, dass einige Lehrer den Unterricht im Zimmer früher schliessen und ihnen Arbeitsaufträge geben, sagt ein Jugendlicher.

Rot markiert ist der Aussenbereich, wo die Bauarbeiten stattfinden; grün derjenige, wo die Schüler und Lehrer noch Zugang haben. Die rot markierten Linien zeigen Umzäunungen oder Gerüste. Die violettfarbenen Kreise bedeuten die Reichweite der beiden Baukräne (der untere ist bereits abgebaut).

Die Kanti Olten als grosse Baustelle

Rot markiert ist der Aussenbereich, wo die Bauarbeiten stattfinden; grün derjenige, wo die Schüler und Lehrer noch Zugang haben. Die rot markierten Linien zeigen Umzäunungen oder Gerüste. Die violettfarbenen Kreise bedeuten die Reichweite der beiden Baukräne (der untere ist bereits abgebaut).

Zum Teil gebe es auch Schüler mit Konzentrationsschwierigkeiten wegen des Lärms. Seine Kollegin fügt hinzu: Zwar sei der Schulbetrieb «nicht unerträglich, aber manchmal schon sehr mühsam». Andere befragte Jugendliche hingegen hätten von den Arbeiten bisher kaum was gehört.

Lektionen dürfen wegen den Bauarbeiten nicht ausfallen. Für den Notfall gibt es seit diesem Frühling acht moderne Klassenzimmer in Containern, die der Kanton für knapp eine Million Franken angeschafft hat. Das Mobiliar allerdings ist aus zweiter Hand.

Die Ersatz-Klassenzimmer lassen im Vergleich zu normalen Schulräumen keine Wünsche offen. Sogar eine Klimaanlage ist eingebaut – das gibt es sonst nirgends im Kanton. Die Räume können via Reservationssystem stunden- oder tageweise gebucht werden – was etwa für Prüfungen bereits geschieht.

So richtig ausgelastet werden die Container aber erst ab Januar 2019, wenn die Schulräume saniert und für einige Monate nicht benutzbar sind. Ein sogenanntes «Musterzimmer», wie die Schulräume nach der Sanierung dereinst aussehen könnten, wird nun in den Herbstferien realisiert.

Erstmals offiziell dabei an einem Besichtigungstermin auf «seiner grössten Baustelle im Departement» war auch Bildungsdirektor Remo Ankli. «Es ist sehr eindrücklich, wie der Schul- und Baustellenbetrieb dank gegenseitiger Rücksichtnahme» funktioniert.

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