Olten

Geputzt, genäht oder gestrichen: Was diese Sammlerin verkauft, hat sie zum Teil selber aufbereitet

Diverse Accessoires fürs eigene Zuhause aus einer Mischung von Alt und Neu bietet Susanne Wegmüller in ihrem Laden an.

Diverse Accessoires fürs eigene Zuhause aus einer Mischung von Alt und Neu bietet Susanne Wegmüller in ihrem Laden an.

Susanne Wegmüller findet unter anderem auf Flohmärkten, was sie in ihrem Laden Stilbox in Olten verkauft.

Ein alter Zeitungshalter mit der Aufschrift «Neue Zürcher Zeitung», neue Bettwäsche aus Leinen oder eine Vitrine aus Holz, bei der die Gläser neu gemacht werden mussten: Wer den Weg in Susanne Wegmüllers Laden Stilbox an der Ringstrasse hinter dem kürzlich eröffneten Lokal Mokka-Rubin findet, taucht in eine Welt ein, wo Altes und Neues nebeneinandersteht und sich gegenseitig ergänzt. Für den ungeübten Beobachter ist oft nicht auszumachen, was Secondhand ist und was zum ersten Mal einen Besitzer sucht.

Wer den Laden betritt, kommt nicht umhin, durch alle Räume zu flanieren. In einer Ecke steht ein Bett, in einer anderen ein Glastischchen mit zwei Stühlen, daneben ein Holztisch gedeckt mit Geschirr. Weitere Gegenstände werden auf Gestellen präsentiert, die sie eigens für ihren Laden entworfen hat. Wegmüller möchte so die Wohnaccessoires in ihrer natürlichen Umgebung zeigen. «Oft braucht es gar nicht viele davon. Schon ein einzelner Gegenstand kann einen Unterschied machen», sagt sie.

Seit anderthalb Jahren führt die 60-Jährige ihren Laden an der Ringstrasse und kann sich dort in den hohen Räumen «austoben», wie sie selbst sagt. Das vorherige Lokal an der Hübelistrasse war zwar exponierter und führte zu mehr Laufkundschaft, doch es gab weniger Platz und die Miete war um einiges höher. Manchmal fühle sie sich am neuen Standort zwar etwas einsam. Das sei mit ein Grund, wieso sie häufig am Umstellen sei. Auch ihr Pult, das derzeit gleich gegenüber der Eingangstüre steht, wird dabei gezügelt. «Ich fühle mich aber trotzdem sehr wohl hier.» Und die Stammkundschaft, die hauptsächlich zwischen 40 und 70 Jahre alt ist, findet den leicht versteckten Laden ohne Schaufenster auch so.

Neue Dienstleistung wird lanciert

Inspirationen für neue Produkte erhält Sie hauptsächlich durch Fachzeitschriften, recherchiert dann im Internet weiter und nimmt Kontakt mit den Herstellern auf. Sie achtet darauf, dass es Dinge sind, die nicht schon im Netz erhältlich sind. Erst kürzlich habe sie eine Produktlinie aus dem Sortiment geworfen, die ihr eigentlich sehr am Herzen lag. Das Problem: Weil die Sachen auch online zu einem günstigeren Preis zu erwerben waren, sei sie von Kunden immer wieder darauf hingewiesen worden. «Zum Teil verkaufen Onlineportale Produkte zu jenem Preis, den ich selbst für diese im Einkauf bezahle.» Sie mag daher das Wort Onlinehandel «gar nicht mehr hören». Zwar führt sie eine Website, aber einen Verkaufsshop gibt es da nicht.

Die Secondhand-Ware, die den etwas kleineren Anteil ihres Angebots ausmacht, stammt vor allem von Flohmärkten. Jeweils am Wochenende geht sie mit ihrem Partner auf Streifzug in der weiteren Umgebung, um Möbel, Lampen oder Vasen aufzustöbern. Leicht kaputte Ware versucht sie so weit als möglich wieder instandzustellen – «putzen, nähen oder streichen kann ich selbst». Grössere Arbeiten lässt sie von Fachleuten ausführen. «Meine Kunden schätzen vor allem Einzelstücke; die verkaufen sich gut.» Es kommt zuweilen auch vor, dass sie von Kunden Aufträge erhält, einen bestimmten Gegenstand zu suchen. Der Secondhand-Anteil ihres Sortiments läuft gut und daher will sie ihn steigern. Vor kurzem hat Wegmüller dazu ein weiteres Lager in Dulliken dazugemietet. Der Keller in ihrem Lokal reicht nämlich nicht mehr aus.

Wegmüller, die einst eine KV-Lehre beim Gemischtwarenladen Victor Meyer in der Oltner Altstadt absolvierte, hatte schon früher einen Hang zum Einrichten und Dekorieren. Nach diversen Abstechern zu Möbelhäusern hat sie vor sechs Jahren mit Stilbox ihren eigenen Laden eröffnet und so ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der Ladenname sollte Programm sein: In der Box, dem Verkaufsraum, würden stilvolle Produkte angeboten. Das ist mittlerweile im neuen Lokal, das mehrere Räume auf zwei Etagen aufweist, etwas überholt.

Daher bietet sie ab Ende Oktober eine quadratische Kartonschachtel an, in der Produkte eingepackt sind und die den Namen Stilbox im Kleinformat verkörpert. Das neue Angebot wird am Mittwoch, 24. Oktober, lanciert, wenn Wegmüller ihren Laden im Lokal Mokka-Rubin für vier Tage präsentiert. Gleichzeitig will sie künftig auch wieder als Schaufenster- und Raumgestalterin tätig sein und ihre Kunden bei der Wohnungseinrichtung gleich zu Hause beraten. Im Kopf ausgemalt hat sie sich bereits, wie sie ihr eigenes Ladenlokal in eine Wohnung umfunktionieren würde und zeigt, wo das Badezimmer, die Küche oder das loftartige Wohn- und Schlafzimmer wären – und sagt danach lachend: «Vielleicht wohne ich ja mal hier.»

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