Die Situation des seit eineinhalb Jahren leerstehenden Säli-Schlössli im Besitz der Bürgergemeinde Olten war jüngst oft Thema in den Medien. Im Mai dieses Jahres sind Verträge mit einem möglichen Pächter kurz vor der Unterzeichnung geplatzt.

Das Säli-Schlössli hat neben der grandiosen Aussicht, die es bietet, leider auch viele Tücken, welche es einem Restaurantbetreiber alles andere als leicht machen. Die Räumlichkeiten sind auf drei Stockwerke verteilt, die Küche unten im Keller, das Restaurant im Erdgeschoss und der Rittersaal im ersten Stock. Das macht den Betrieb sehr personalintensiv, aber natürlich nur, wenn auch Gäste da sind. Diese kommen vorwiegend am Wochenende, und natürlich nur bei schönem Wetter. Servier- und Küchenpersonal müsste je nach Wetterlage kurzfristig aufgeboten werden können.

Das Säli-Schlössli ist ein Sommer-Betrieb, dazu ein extremer Wochenend-Betrieb, vor allem frequentiert von Spaziergängern und Wanderern. Ebenso stellt die beschränkte Parkplatzsituation ein weiteres Hindernis für mögliche Pächter dar. Nicht einmal mit einem günstig angesetzten Pachtzins von 500 Franken monatlich plus Nebenkosten für die Pacht von Terrasse und Restaurant – ein Spezialangebot für diese Sommersaison – konnte man bis vor kurzem einen Pächter gewinnen.

Am vergangenen Montagmorgen aber wendete sich das Blatt für das Säli-Schlössli. Georg Schellenberg, Geschäftsführer des «Alpenblicks» am Passwang, wagt den Versuch, den Betrieb wieder zum Erfolg zu führen. Er habe in der Zeitung gelesen, dass sich einfach niemand findet, der das Restaurant führen will. «Ich dachte, es kann doch nicht sein, dass so eine tolle Aussicht und so ein grosses Einzugsgebiet niemanden überzeugen», erzählt Schellenberg.

So entschied er sich dafür, sich die Räumlichkeiten einmal anzusehen, und rief bei der Bürgergemeinde Olten an. Nach der Besichtigung, vor weniger als zwei Wochen, traf Georg Schellenberg die Entscheidung, dem Säli-Schlössli zumindest in den letzten Sommermonaten wieder neues Leben einzuhauchen.

Wie schon vor ungefähr einem Jahr, als er beschloss, das lange geschlossene Restaurant Alpenblick oberhalb Ramiswil wieder zu eröffnen, nimmt er sich nun dem «Sorgenkind» Säli-Schlössli an. Die Ähnlichkeit der Betriebe besteht jedoch nicht nur darin: Der Alpenblick und das Schlössli sind beides Schönwetter- und Wochenendbetriebe. Schellenberg kennt die Schwierigkeiten, aber auch die Chancen, die eine solche Situation bereithält. «Wir arbeiten vor allem mit Teilzeitstellen, ich selbst werde mich zwischen den beiden Betrieben aufteilen müssen», so Schellenberg. Um dies überhaupt möglich zu machen, musste er ein Gesuch einreichen, welches ermöglicht, dass er zwei Betriebe parallel führen kann.

«Für das Säli-Schlössli werden wir ein ähnliches Konzept verwenden wie im Alpenblick, so können wir zum Beispiel die Weinkarte übernehmen und im Alpenblick einiges vorproduzieren.» Die hungrigen Wanderer erwartet ab Ende Juli ein Angebot von Wurst-Käse-Salaten und kalten Platten, unter anderem dem Schlössli-Teller. Für warme Küche wäre der Aufwand zu gross und die Wartezeiten für die Gäste ohne genügend Personal noch zu lang, erklärt Schellenberg. Als Alternative wird jedoch draussen auf der Terrasse ein Grill stehen, wo den Fleischliebhabern jeder Wunsch von Bratwurst bis zum Straussenfilet erfüllt wird. Für die heissen Tage gibt es natürlich noch eine umfangreiche Glace-Karte.

Bis zum 21. Juli muss man sich jedoch noch gedulden, bis man auf dem Säli-Schlössli sein Straussenfilet bekommt, so auch Georg Schellenberg: «Wir hätten am liebsten am nächsten Tag schon eröffnet, aber es gibt noch sehr viel zu tun.» Das Restaurant und die anderen Räumlichkeiten müssen geräumt und von oben bis unten geputzt werden, die Terrasse mit dem Hochdruckreiniger behandelt und vieles mehr. Am Eröffnungstag gibt es zur Begrüssung der Gäste musikalische Unterhaltung. «Alle sind herzlich willkommen», betont Schellenberg. Nach der Eröffnung wird das Restaurant täglich bis Ende Oktober von 10 Uhr bis Sonnenuntergang geöffnet sein.

Obwohl sich die Bürgergemeinde erfreut zeigt über die Vermietung des Säli-Schlössli, geht die Suche nach einem langfristigen Pächter weiter. Der mediale Rummel um das Schlössli habe viele Rückmeldungen zur Folge gehabt, und einige Bewerbungen seien eingegangen, berichtet Urs Bitterli, Buchhalter und Liegenschaftsverwalter der Bürgergemeinde Olten.

«Wir wollen nun den einzelnen Kandidaten die Chance geben, sich und ihre Konzepte vorzustellen, und genau prüfen, wer auf das Säli-Schlössli passen könnte», so Bitterli. Eine gewisse gastronomische Erfahrung sei jedoch wichtig, um das kompliziert aufgebaute Lokal kompetent führen zu können. Mit dem neuen Pächter soll es im Frühling des nächsten Jahres losgehen.

Nachdem Georg Schellenberg das Säli-Schlössli anfangs nur für die Übergangszeit diesen Sommer übernehmen wollte, erkannte er immer mehr Potenzial darin und beschloss, sich als langfristiger Pächter ab nächstem Frühling zu bewerben.

Ein genaues Konzept für den Fall, dass er von der Bürgergemeinde ausgewählt würde, hat er noch nicht. «Es gibt Visionen, aber darüber machen wir uns erst genauere Gedanken, wenn es so weit ist, zuerst wollen wir erfolgreich eröffnen.»