Kunstmuseum Olten

Genfer Künstler bringt die Natur zum Klingen

Der Genfer Rudy Decelière vor seiner Klanginstallation aus Efeu-Blättern und Kupferdraht namens «Ces quelques fleurs».

Der Genfer Rudy Decelière vor seiner Klanginstallation aus Efeu-Blättern und Kupferdraht namens «Ces quelques fleurs».

Im Kunstmuseum Olten haben drei neue Ausstellungen eröffnet. Der Genfer Rudy Decelière etwa lässt mit seinen Installationen Räume erklingen.

Rudy Decelières Ausstellung im Kunstmuseum Olten war bereits vor zwei Jahren geplant. Dann kam 2014 das Budgetreferendum. Das Museum durfte kein Geld ausgeben, die Schau musste abgesagt werden. Es ist ein Glück, dass sie nun, zwei Jahre später, doch stattfindet.

Decelières Arbeiten bilden die grösste der drei Ausstellungen, die seit Sonntag im Kunstmuseum zu sehen sind. Der Franzose, der in Genf lebt und arbeitet, bespielt virtuos das Parterre und den ersten Stock. Mit Werken, die weniger sicht- denn erfahrbar sind. Seine Klanginstallationen sind visuell reduziert. Die Geräuschwelten, die er schafft, nehmen jedoch viel Raum ein. So formuliert es der 37-Jährige auch selbst: Er wolle «donner de l’espace aux choses», den Dingen Raum geben.

Das prägnanteste Beispiel, das derzeit in Olten zu erleben ist, bildet die Arbeit «Ces quelques fleurs». 816 Efeu-Blätter, die auf Kupferdraht aufgezogen sind, bedecken in losen Abständen pixelgleich eine Wand. Im Übrigen ist der Raum leer. Über den Draht ist eine Aufnahme von fliessendem Wasser zu hören. Die Blätter dienen dabei als natürliche Lautsprecher. Magnete, die hinter den Blättern angebracht sind, bringen diese zum Vibrieren.

Mittendrin im Werk

Der Künstler beschreibt sich selbst als «sculpteur», der die beiden Ebenen Bild und Klang verbindet. Ihn interessiert insbesondere der Zustand, in den seine Kunst den Betrachter versetzt. «Die Leute werden ruhig», ist seine Erfahrung. Die reduzierte Bildwelt lenkt die Aufmerksamkeit auf den Ton, das Erlebnis liegt im Zuhören, in der Stille.

Seine Arbeiten funktionieren alle nach einem ähnlichen Prinzip. Im Raum nebenan steht ein Flügel mit sichtbarem Innenleben. Über Drähte, die den Klang einer Welle transportieren, werden die Saiten zum Schwingen gebracht. Dadurch entsteht eine zusätzliche Klangüberlagerung. «Die Poesie seiner Kunst liegt in der hohen Suggestionskraft», so Kuratorin Katja Herlach.

Auch das Erste, was man sieht, wenn man das Museum betritt, ist: sehr wenig. Feine, kaum sichtbare Drähte sind am Boden gespannt, darüber «schweben» Magnolienblätter. Auch hier ist Klang im Spiel. Die Verbindung von Natur und Technik ist für Decelière stets ein Thema. «Ich strukturiere die Natur», sagt er. Stets auf fragile, delikate, reduzierte Art. Und so, dass der Betrachter und Zuhörer niemals «vor» einem seiner Werke steht, sondern immer mittendrin.

Starker Olten-Bezug

Die zwei weiteren Ausstellungen haben beide einen starken Olten-Bezug. Einerseits sind da die beiden Zürcher Künstler Monica Germann und Daniel Lorenzi. Sie setzen sich im Rahmen des vierten «Disteli-Dialogs» des Kunstmuseums mit dem berühmten Oltner Zeichner auseinander. Gestartet haben sie mit Zeichnungen, die Themen Distelis wieder aufnehmen. Dieser befasste sich schon vor rund 150 Jahren mit sich verschiebenden Machtverhältnissen. Auch Germann und Lorenzis Auseinandersetzung mit Disteli kann als durchaus politisches Statement verstanden werden. Die Ausstellung, die bis Ende Februar dauert, wird laufend um Filmprojektionen, installative Elemente und Performances erweitert. Im Sinne eines Gesprächs mit dem Künstler, das nicht abbrechen soll.

Zum Dritten ehrt das Kunstmuseum den heuer verstorbenen Konservator Paul Meier, der das Museum von 1961 bis 1983 leitete. Er wandelte das kleinstädtische «Disteli-Museum» zum weltoffenen Kunstmuseum, das es heute ist. Präsentiert werden unter anderem einige der 477 Werke, die Meier mit sicherem Gespür für die Sammlung zukaufte. Darunter Hodlers spektakulären «Mönch».

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