Diese Woche starteten Tausende von Kindern im Kanton Solothurn in einen neuen Lebensabschnitt. Doch der Schulstart bedeutet auch für die Eltern einen Wechsel im Tagesrhythmus. Vor allem in der Stadt Olten ist für Familien mit Kindern in unterschiedlichem Alter die Organisation eine Herausforderung. Die Startzeiten für Primarschüler und Kindergärteler sind morgens nämlich versetzt: Für erste beginnen die Blockzeiten bereits um 7.45 Uhr, für zweite hingegen startet der Schultag eine halbe Stunde später um 8.15 Uhr.

Nun gibt es Kritik an diesem Regime. Christiane Creutzburg, die bereits am Frauenstreik im Juni mit einem Transparent auf die ungleichen Startzeiten aufmerksam gemacht hat, findet es ungünstig, dass ihre drei Kinder den gleichen Schulweg nicht gemeinsam absolvieren können. Vor allem für Kindergärteler wäre es aus ihrer Sicht wichtig, wenn sie von einem älteren Geschwister geführt würden. Zudem bedeuteten die unterschiedlichen Startzeiten für berufstätige Mütter einen Nachteil – sie können erst später arbeiten gehen und müssten dann eigentlich bereits vor Mittag wieder zu Hause sein – falls Tagesstrukturen oder familiäres Umfeld nicht in Anspruch genommen werden. «Das ist fast ein Ding der Unmöglichkeit», sagt Creutzburg.

Lehrerin Corina Bolliger, die für die Junge SP im Gemeindeparlament sitzt, pflichtet ihr bei. «Für berufstätige Mütter und Väter ist es extrem unbefriedigend, wenn die Kinder unterschiedliche Startzeiten haben.» Wenn Eltern schon arbeiten gehen müssten, könnten derzeit nur Kita oder Grosseltern aushelfen. Wer sich dies nicht leisten könne oder keine Unterstützung aus dem familiären Umfeld habe, sei «aufgeschmissen», schreibt Bolliger auf Anfrage. Die einzige Lösung aus ihrer Sicht sind daher Tagesschulen, bei denen die Kinder von morgens bis abends professionell betreut werden. «Deshalb fordert das Frauenstreikkollektiv Olten eine solche und als Erweiterung des Angebots auch genügend bezahlbare Krippenplätze für alle.» So könnten die Blockzeiten um 8.15 Uhr oder sogar später beginnen. Auch aus Sicht der Schülerinnen und Schüler findet Bolliger dies sinnvoll, «weil sie morgens noch oft sehr müde und noch gar nicht so aufnahmefähig sind».

Der Oltner Gesamtschulleiter Thomas Küng verweist darauf, dass «aus Sicht berufstätiger Eltern ein Schulstart um 7.45 Uhr sicher vorteilhaft sein mag», aus Sicht der Kindergärteler sei ein solch früher Schulbeginn aber kaum sinnvoll. Die Blockzeiten bei den Primarschülern nach hinten zu verschieben, sei hingegen für berufstägige Eltern ein Nachteil, weil sie erst später arbeiten gehen könnten. Zudem würde dies mehr Nachmittagslektionen für die Primarschüler bedeuten, weil die Stundenzahlvorgaben eingehalten werden müssten.

So handhaben es andere Gemeinden im Kanton

Der Kanton sieht für Kindergarten und Primarschule höchstens zwei Modelle von Blockzeiten vor. Diese können von den Schulgemeinden umgesetzt werden, indem die gleichen Zeiten für die beiden Kindergartenjahre und dann wieder für die sechs Primarschuljahre gelten. . Oder Kindergärteler bis Zweitklässer haben am Morgen gleichzeitig Unterricht und dann wieder die Dritt- bis Sechstklässler. Dass die Blockzeiten über alle Kindergarten- und Primarstufen einheitlich sind, ist gemäss Kanton nicht möglich. Dies aufgrund der Stundenzahlvorgaben: Für den ersten Kindergarten werden 14 bis 22 Lektionen vorgegeben, für die Sechstklässler dagegen 30 Lektionen. «Auch wenn die Nachmittage einbezogen werden, ist der Spielraum zu klein, dass morgens die Blockzeiten vereinheitlicht werden könnten», sagt Elisabeth Ambühl-Christen, Abteilungsleiterin Schulbetrieb im Volksschulamt.

Andere Gemeinden haben sich für das zweite Modell entschieden. In Wangen bei Olten etwa beginnt der Unterricht für Kindergärteler sowie Erst- und Zweitklässler um 8.10 Uhr. «Die Startzeiten haben wir vereinheitlicht, damit es für die Eltern einfacher ist und die jüngeren Geschwister den Schulweg gemeinsam absolvieren können», sagt Schulleiter Remo Rossi. Drei von fünf Kindergartenklassen befänden sich nämlich direkt bei den Schulhäusern. Mit Solothurn und Grenchen folgen die beiden anderen Städte im Kanton dem Oltner Modell. Kindergarten und Primarschule haben morgens je unterschiedliche Startzeiten. In Solothurn sind die Kindergärteler sogar früher zu Hause, weil sie bereits um 11.40 Uhr aus haben. Der wichtige Unterschied in beiden Städten zu Olten: Die grosse Mehrheit der Kindergartenklassen befindet sich noch in den Quartieren, sodass der Schulweg der Kindergärteler und Primarschüler sowieso unterschiedlich ist. «Wir hatten schon vereinzelt Hinweise der Eltern, dass die unterschiedlichen Startzeiten bei Kindergarten und Primarschule ungünstig sind», sagt Solothurns Schuldirektorin Irène Schori. Und eine Umfrage vor drei Jahren hätte bezüglich Blockzeiten «keine eindeutigen Ergebnisse» gezeigt. In Grenchen hingegen gabs deswegen bisher gar keine negativen Rückmeldungen, sagt Gesamtschulleiter Hubert Bläsi.