Bereits im Vorfeld hatte sich die SP Hägendorf zur geplanten Steuererhöhung geäussert und sich dafür stark gemacht, denn schliesslich seien sowohl die Raiffeisen-Arena wie auch das neue Schulhaus Investitionen in die Zukunft.

Wenn also selbst der politische Gegner des Gemeindepräsidenten die Steuererhöhung begrüsst, kann gar nicht mehr viel schiefgehen – könnte man meinen.

Doch der Reihe nach: Zu Beginn der Versammlung hatte Vizepräsident Heiner Roschi das Wort. Er liess noch einmal die Kantonsratspräsidentenfeier Revue passieren. «Wir sind sehr stolz, dass Albert Studer gewählt wurde. Geniess das Jahr!», schloss Roschi.

Danach war es an Gemeindepräsident Albert Studer sich zu bedanken, doch nur kurz, denn schliesslich «müssen wir an die Säcke».

Streitpunkt soziale Wohlfahrt

«Die Rechnung kann als einigermassen ausgeglichen bezeichnet werden», fasste Uli Ungethüm, Ressortchef Finanzen des Gemeinderates, in der Eintretensdebatte seine Ausführungen zusammen.

Doch habe man mit der neuen Arena und dem Schulhaus Generationenprojekte realisiert, so Ungethüm weiter. In der Detailberatung wechselten sich emotionale Voten mit Fragen zu einzelnen Budgetposten ab.

Besonders die soziale Wohlfahrt gab zu reden. «Wohin führt das? Was unternimmt man dagegen?», war aus den Reihen der Einwohner zu hören, verbunden mit der Schlussfolgerung, dass «es im Sozialbereich so nicht weitergehen» könne. Andreas Heller, Ressortchef Soziales, erläuterte in aller Sachlichkeit die Schwierigkeiten, die in den letzten Jahren dazugekommen seien.

«Die Ausgaben im Sozialbereich sind durch die neuen Regelungen der Kesb (Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde) massiv gestiegen, momentan aber stabil.» Auch seien in den letzten Jahren 50 neue Dossiers dazugekommen von Menschen, die Anrecht auf Sozialhilfe hätten.

Das führe unweigerlich zu den erhöhten Aufwendungen. Trotz dieser Ausführungen und dem Hinweis, dass die Fälle in der Sozialregion Untergäu sehr genau geprüft würden, war der Unmut weiter gross.

«Die Forderungen, die an die Gemeinden gemacht werden, sind einfach zu hoch, da müssen die Gemeinden mal bei der Regierung intervenieren», so eine Stimme aus dem Saal.

Nach der Detailberatung war auch klar, dass der Steuererhöhungsantrag des Gemeinderates nicht zum Selbstläufer wird. Zwei Anträge betreffend den Steuerfuss wurden gestellt: einerseits eine kleinere Erhöhung um nur drei Prozentpunkte anstatt wie vorgeschlagen fünf, andererseits keine Erhöhung.

«Die Quittung ist jetzt da, den Investitionen wurde zugestimmt, jetzt müssen wir das auch bezahlen. Darum müssen wir halt in den sauren Apfel beissen», forderte Kasimir Rötheli bestimmt.

Diesem Votum folgte die Mehrheit der 75 anwesenden Stimmberechtigten. Der Antrag zur Prüfung eines Sparpaketes wurde in der allgemeinen Hektik wohl vergessen, darüber befunden wurde jedenfalls nicht.

Nägel mit Köpfen wurde dafür bei der Schlussabstimmung gemacht, über die restlichen acht Anträge bezüglich des Budgets wurde kurzerhand in einem Aufwisch abgestimmt. 38 Stimmberechtigte folgten dem Vorgehen von Albert Studer.

Gemeindewappen an die Halle

Unter Traktandum Verschiedenes wurde, wie bei der letzten Versammlung, die Evaluation der Primarschule zum Thema. «Die Öffentlichkeit hat Anrecht auf Infos. Ein Redeverbot für das Lehrpersonal ist nicht förderlich für die Stimmung an der Schule», war aus den Reihen der Anwesenden zu hören.

Albert Studer verwies darauf, dass er den Bericht blockiert habe, weil er mit dem Verfahren nicht einverstanden sei. Dabei sei eine längere Regresssituation entstanden, weil gar nicht klar ist, ob man gegen den Bericht überhaupt Beschwerde einreichen kann.

«Wenn man das Gefühl hat, dass man recht hat, muss man dies auch mal beim Kanton durchsetzen», so Studer und verwies darauf, dass im Januar ein Gespräch mit den Verantwortlichen stattfinden wird. Mit Hinweis darauf, dass erst nach der Bereinigung mit dem Kanton die Öffentlichkeit informiert wird, beendete Studer die Diskussion abrupt.

Der Wunsch nach einem Gemeindewappen an der Raiffeisen-Arena wurde derweil positiv aufgenommen. Denn schliesslich sei es sinnvoll, zu zeigen, dass Hägendörferinnen und Hägendörfer die Halle bezahlt haben und nicht die Raiffeisenbank.