Gunzgen

Gemeinde soll bis 2035 um 400 Einwohner wachsen, aber trotzdem Dorfcharakter bewahren

Gunzgen legt in der Ortsplanungsrevision fest, wie sich die Gemeinde bis 2034 entwickeln soll.

Gunzgen legt in der Ortsplanungsrevision fest, wie sich die Gemeinde bis 2034 entwickeln soll.

Gunzgen erneuert derzeit seine Ortsplanung: Die Bevölkerung möchte ein Dorfzentrum und weniger Verkehr auf der Mittelgäustrasse.

Einen Dorfplatz, ein zurückhaltendes Bevölkerungswachstum mit mehr zur Verfügung gestelltem Bauland, aber trotzdem den dörflichen Charakter bewahren: Dies wünschen sich die Gunzgerinnen und Gunzger im räumlichen Leitbild. Dieses wurde als erster und wichtigster Teil der Ortsplanungsrevision mit den Einwohnern erarbeitet. Die Wünsche und Anregungen der Bevölkerung wurden an einer Zukunftswerkstatt im Februar 2014 aufgenommen. Im Mai 2015 wurde das räumliche Leitbild dann an der Gemeindeversammlung diskussionslos verabschiedet. Es erfasst einen Zeitraum von 20 Jahren bis 2034.

Vor allem möchten die Einwohner ein Dorfzentrum haben, das belebt ist und als Begegnungszone für Jung und Alt fungieren soll. Ein geeigneter Standort für das Zentrum wäre der Bereich der Mittelgäu-, Allmend-, Schul- und Alten Poststrasse, wie die Quartieranalyse zeigt. Genutzt werden soll der Platz fürs Wohnen wie Doppel- und Reihenhäuser, aber auch für Mischnutzungen mit dem Gewerbe. Parkplätze könnten eventuell künftig unterirdisch verlegt werden. Trotz der neuen Wohnhäuser muss eine Begrünung von 40 Prozent zwingend eingehalten werden. Angepflanzt werden dürfen einheimische Pflanzen- und Baumarten.

Die Fläche für Bauparzellen reicht laut derzeitigem Stand nicht aus. Deshalb ist zusätzliches Bauland erforderlich. Daneben möchte die Gemeinde zum Beispiel die Mittelgäustrasse in Richtung Kappel im Niederfeld-Niderhof-Quartier für weiteren Siedlungsraum nutzen. Dort sollen Mietwohnungen entstehen.

Bis 2035 schätzt die Gemeinde, dass rund 2000 Personen in Gunzgen leben werden. Dies würde einen moderaten Anstieg von rund 400 Einwohnern bedeuten. Ein rasches Bevölkerungswachstum wie in den 1980er- und 1990er-Jahren wird allerdings nicht angestrebt. Trotz dem Wachstum fordern die Gunzger im Leitsatz, dass der dörfliche und ländliche Charakter Gunzgen erhalten bleiben soll.

Im Norden der Gemeinde an der Bahnlinie zwischen Hägendorf und Egerkingen steht der Industriestandort von Gunzgen. Die Industrie und der Wirtschaftsbereich der Gemeinde sollen gestärkt werden. Es ist aber keine weitere Ausdehnung der industriellen Flächen mehr möglich. Der Fokus liegt daher auf der Qualität der Arbeitsplätze. Die Gemeinde soll ausserdem dafür sorgen, dass das Kleingewerbe erhalten und gefördert wird. Das Ziel ist es, ein verdichtetes Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsquartier zu schaffen. Parkplätze sollen, wo immer es möglich ist, unterirdisch geschaffen werden. Denkbar wäre aus raumplanerischer Sicht, den Abstand zwischen Industrie und Wohnzone zu vergrössern.

Weniger Autoverkehr, bessere Busverbindungen

Die Mittelgäustrasse ist die wichtigste Strecke für den motorisierten Verkehr durchs Dorf. Sie verbindet Egerkingen mit Kappel. Mittlerweile ist der Verkehr allerdings so hoch, dass dieser heruntergefahren werden muss, befanden die Bürger in der Zukunftswerkstatt. Erreicht werden soll dies unter anderem damit, dass Pendler vermehrt auf den öffentlichen Verkehr umsteigen. Denn bisher nutzen gerade einmal 14 Prozent der Zu- und Wegpendler den Bus. Die kurzfristige Lösung: die Verbindungen zu den Bahnhöfen Egerkingen und Hägendorf verbessern. Nicht nur der öffentliche Verkehr soll gestärkt werden, sondern auch der Veloverkehr. Die Gemeinde hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen zu motivieren, kürzere Strecken mit dem Velo zurückzulegen. Dementsprechend sollen auch mehr Veloabstellplätze bei der Bushaltestelle Zentrum zur Verfügung gestellt werden. Zugutekommen soll die neue Verkehrsregelung auch den Fussgängern. Diesen fehlt ein beidseitiges Trottoir entlang der Mittelgäu- und Allmendstrasse. Verbesserungspotenzial sieht die Gemeinde auch beim Fussgängerstreifen an der Boningerstrasse. Dort könnten die Fussgänger sicher zu den Naherholungsgebieten gelangen. Gleichzeitig soll ein Gesamtkonzept zu den Fussgängerstreifen im Dorf erarbeitet und umgesetzt werden.

Autobahn-Lärm macht der Bevölkerung zu schaffen

Ein Punkt wurde von den Bewohnern an der Zukunftswerkstatt besonders kritisiert: der Lärm der Autobahn. Die A1 verläuft durchs Gemeindegebiet und trennt das Dorf vom Weiler Allmend. Der Lärm soll deutlich reduziert werden, heisst der Leitsatz im räumlichen Leitbild. Dazu will die Gemeinde erneut Lärmmessungen entlang der Autobahn verlangen und neue oder die Verbesserung der bestehenden Schutzwände fordern.

Auf dem Gemeindegebiet gehören der Dünnernverlauf und die Gunzger Allmend zu den kantonalen Naturreservaten. Das Biotop soll mit einem Themenanlass der Bevölkerung näher gebracht werden. Geprüft werden soll auch ein Naturlehrpfad. Und Bäume, die das Dorfbild prägen, sind nach wie vor zu schützen.

Der Gemeindepräsident Hansruedi Krähenbühl wollte auf Anfrage zur Ortsplanungsrevision noch keine Stellung nehmen.

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