Olten
Gehts nach dem Bier bald zur «Massage»?

Der Gebäudebesitzer will die Wohnungen oberhalb der Kontaktbar Maxim zu erotischen Zwecken nutzen.

Fabian Muster
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In den beiden Wohnungen oberhalb der Kontaktbar Maxim will der Liegenschaftsbesitzer der Baslerstrasse 76 einen Massagesalon eröffnen.

In den beiden Wohnungen oberhalb der Kontaktbar Maxim will der Liegenschaftsbesitzer der Baslerstrasse 76 einen Massagesalon eröffnen.

Bruno Kissling

Der Besitzer scheint ein armer Kerl zu sein. So gibt er sich jedenfalls am Telefon. Sadija Lavrovic listet eine Reihe von Beschwerden auf, die der ehemalige Taxichauffeur nach einem Verkehrsunfall vorzuweisen hat und welche den 59-jährigen eingebürgerten Montenegriner nicht mehr arbeiten lassen.

Der Suva-Rentner hatte eigentlich vor, mit den Mieteinnahmen der Liegenschaft an der Baslerstrasse 76 in Olten seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Dann trat per Anfang 2016 das neue Wirtschafts- und Arbeitsgesetz in Kraft, das fürs Rotlichtgewerbe eine Betriebsbewilligung nötig machte. Waren vorhin erotische Dienstleistungen etwa in Wohnzonen geduldet, brauchte es nun eine rechtskräftige Bewilligung, die nicht den Zonenvorschriften widersprechen darf.

Ähnlich ist die Sache auch im Fall Lavrovic. Im Erdgeschoss des Gebäudes neben dem Restaurant Alpenrösli ist seit einiger Zeit die Kontaktbar Maxim untergebracht. Nun will Lavrovic in den beiden darüberliegenden Wohnungen einen Massagesalon einrichten, wie es in der Baupublikation im «Stadtanzeiger» heisst. «Alles ausser Erotik», sagt der Gebäudebesitzer zur Frage, was er in den fünf geplanten Massagezimmern vorhat. Doch auf weiteres Nachhaken lässt er verlauten, dass er dort «gerne erotische Dienstleistungen anbieten würde». Aus diesem Grund hätten er und sein inzwischen wieder ausgestiegener Geschäftspartner das Haus 2011 auch gekauft.

Nicht klar ist, ob die beiden Wohnungen auch bisher schon von Sexarbeiterinnen für ihre Dienstleistungen gebraucht wurden. Der Besitzer macht dazu keine klaren Angaben. Die städtische Baudirektion kann eine solche Nutzung nicht bestätigen. Direktionsleiter Adrian Balz: «Die Baubehörde ist auch vor Inkrafttreten des neuen Wirtschafts- und Arbeitsgesetz von Amtes wegen tätig geworden, wenn sie Hinweise auf zonenwidrige Nutzungen hatte.»

Im vorliegenden Fall hätte man keine Kenntnis gehabt, dass in den Wohnungen erotische Dienstleistungen angeboten worden wären. Auf Anfrage schreibt die Kantonspolizei, dass «das Lokal der Polizei bekannt ist» und wie alle übrigen Rotlichtbetriebe periodisch kontrolliert werde. Mehr wollte die Medienstelle aus Daten- und Persönlichkeitsschutzgründen dazu nicht sagen. Bei den unmittelbaren Nachbarn ist das Gebäude mit der Kontaktbar bisher nicht negativ aufgefallen. «Es gebe keine Probleme», heisst es vonseiten des Restaurants Alpenrösli.

Zone schliesst Sexgewerbe aus

Die Kontaktbar hat bisher eine Betriebsbewilligung für gastwirtschaftliche Tätigkeiten, aber keine für Sexarbeit, die mit weiteren Auflagen wie Betreibungs- oder Strafregisterauszug verbunden wäre, heisst es bei der Oltner Baudirektion.

Für den Gebäudebesitzer gibt es aber kaum Hoffnung, dass die beiden Wohnungen für das Rotlichtgewerbe genutzt werden können. Das Gebäude befindet sich in der Kernrandzone, in welcher «Dienstleistungen des Sexgewerbes» seit 2010 ausdrücklich ausgeschlossen sind, wie es im entsprechenden Zonenreglement heisst. So schnell aufgeben will Lavrovic aber nicht: «Ich werde kämpfen und einen Brief an den Stadtrat schreiben», sagt der im aargauischen Rekingen wohnhafte Mann.

In anderen Städten sei es auch so, dass das Sexgewerbe in der Innenstadt oder in der Nähe davon angesiedelt sei. Wenn er das Haus nicht so betreiben könne, sei der vierfache Familienvater «finanziell erledigt», weil die Mieten zu wenig abwerfen würden und ein allfälliger Verkauf nicht mehr lukrativ sei.

Bisher eine Einsprache

Adrian Balz von der Oltner Baudirektion hält es allerdings für ausgeschlossen, dass der Stadtrat Wohnungen mit erotischen Dienstleistungen bewilligen wird. «Die politische Behörde kann nicht ein Baugesuch genehmigen, das gegen die Zonenvorschriften verstösst.» Dafür wäre zuerst eine Umzonung im Rahmen einer Ortsplanungsrevision nötig. Doch auch dieser Weg dürfte für Lavrovic kaum erfolgsversprechend sein.

Die Stadt Olten hat gemäss Balz nämlich den Grundsatz, dass das Sexgewerbe nur in der Industrie- und Gewerbezone erlaubt sein soll. «Wir sind eine der wenigen Städte, die dank den strengen Zonenvorschriften die Rotlichtbetriebe aus der Innenstadt drängen konnten.» Bisher ist eine Einsprache zur Baupublikation eingegangen. Die Frist läuft noch bis zum nächsten Donnerstag, 19. Januar.