Die Stadtbibliothek räumlich und organisatorisch mit der Jugendbibliothek zusammenführen, mehr Stellenprozente beim Personal und ein neues Profil als allgemeine öffentliche Bibliothek, die auch als Begegnungs- und Veranstaltungsort dienen kann: Das sind die drei Hauptpunkte, welche die Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft aus Chur fordert. Studenten des Instituts für Informationswissenschaft haben zusammen mit Studienleiter Ivo Macek während einer Projektwoche vergangenen Frühling neue Ideen für die Stadtbibliothek entworfen und eine Kundenzufriedenheitsanalyse durchgeführt. Die Ergebnisse wurden nun am Montagabend im Stadthaus der Öffentlichkeit vorgestellt.

In seinem Vortrag zu den Ergebnissen zeigte Studienleiter Macek den rund 130 Anwesenden mit fünf Thesen und Bildern gelungener Beispiele auf – vorwiegend aus dem skandinavischen Raum – wie die Stadtbibliothek künftig aussehen könnte und wiederholte dabei nochmals die wichtigsten Punkte: Die Trennung zwischen Stadt- und Jugendbibliothek sei «unglücklich» und ein «schweizerisches Unikum»; der niedrige Stellenetat von 300 Prozenten sei «landesweit am untersten Rand» und «höchst problematisch»; und in den Bibliotheken der Zukunft werde «die Nebensache zur Hauptsache»: Menschen treffen sich zum Kaffeetrinken und zum ungezwungenen Aufenthalt und weniger zum Medienkonsum.

Eine solch neu ausgerichtete Stadtbibliothek könnte zugleich auch viele Bedürfnisse erfüllen, welche die Stadtregierung in ihrem Leitbild nennt, führte er weiter aus: Den Generationenaustausch fördern mit Kursen für Jugendliche und für Senioren, die Integration der ausländischen Wohnbevölkerung mit entsprechendem Bücherangebot in ihren Sprachen unterstützen oder einen attraktiven öffentlichen Raum ohne Konsumationszwang für die Bevölkerung bieten. Am Ende seines Vortrags appellierte er an die Verantwortlichen der Stadt, mithilfe der Studienergebnisse «etwas zu tun, egal was».

Rückmeldungen des Publikums
Das Publikum nahm seine Worte mit Wohlwollen zur Kenntnis. In der anschliessenden Diskussionsrunde gab es jedoch auch kritische Äusserungen. Eigentlich wolle er in einer Bibliothek in Ruhe etwas lesen und einen Rückzugsort haben, sagte ein Anwesender. Andere Votanten unterstützten dies. Jüngere Teilnehmer machten sich hingegen für die von Macek erwähnte Bibliothek als Begegnungsort stark und riefen dazu auf, «dass Olten als Literaturstadt auch in grossen Visionen denken sollte» oder forderten eine Kaffeeecke.

Zur Sprache kamen auch erweiterte Öffnungszeiten ohne anwesendes Personal, was derzeit etwa die umgebaute Stadtbibliothek in Chur ausprobiert, oder welche Schriften eine Stadtbibliothek künftig überhaupt noch sammeln müsste. Angesprochen wurden auch mögliche Kooperationen mit der Bibliothek der Fachhochschule in Olten oder Instituten umliegender Gemeinden. Macek betonte jedoch, dass es eine Oltner Lösung geben müsse, bei der sich möglichst alle Nutzergruppen finden könnten. Die Stadtbibliothek müsse «kein multimedialer Vergnügungstempel» werden.

Markus Dietler, dem als Direktionsleiter Präsidium die Stadtbibliothek unterstellt ist, skizzierte das weitere Vorgehen, um das Szenario Bibliothek Olten 2025 zu erarbeiten. Demnächst wird eine Begleitgruppe mit Nutzern, Personal der eigenen und fremder Bibliotheken sowie Parteienvertreter zusammengestellt. Diese soll zusammen mit den Studienergebnissen und der neuen Leiterin Dorothee Windlin – sie war an der Infoveranstaltung ebenfalls vor Ort – Anregungen liefern für ein neues Konzept Stadtbibliothek.