Seit 1848, dem Gründungsjahr des Bundesstaates, sind neue Gemeinden entstanden, seis durch Fusion oder – durch Abspaltung. Für Fusionen stehen von A wie Acquarossa TI, das im Jahr 2004 durch die Fusion von Castro, Corzoneso, Dongio, Largario, Leontica, Lottigna, Marolta, Ponto Valentino und Prugiasco entstand, bis hin zu Willisau LU, hervorgegangen 2006 aus der Fusion von Willisau Land und Willisau Stadt. Für Abspaltungen stehen etwa Arosa von Davos (1851) oder Göschenen von Wassen (1875).

Wenn nun der Souverän der Einwohnergemeinden Olten, Trimbach, Hauenstein-Ifenthal und Wisen am 17. Juni an der Urne über das Fusionsvorhaben Olten plus mit dem Ziel der vereinigten Einwohnergemeinde Olten (VEO) abstimmt, so ist dies keine Premiere.

Beispiele gibts im Kanton Solothurn: Seit 1. Januar diesen Jahres sind Steinhof und Aeschi zur Einwohnergemeinde Aeschi verschmolzen, 1961 gingen Lüterkofen und Ichertswil die Ehe ein, Lohn und Ammannsegg wurden zu Lohn-Ammannsegg (1993), im selben Jahr wurden Heinrichswil und Winistorf zu Heinrichswil-Winistorf, Lüterswil und Gächliwil zu Lüterswil-Gächliwil (1995) und schliesslich wurden 2006 Ober- und Niedererlinsbach zu Erlinsbach.

Nur bedingt vergleichbar

All die Vorläufer waren für das Projekt Olten plus allerdings nur bedingt geeignet, weil sie doch – wenigstens im Solothurnischen – ausschliesslich kleine Landgemeinden betrafen. «Wir haben uns vor allem mit vergleichbaren Projekten und deren Vorgeschichte beschäftigt», sagt Stadtschreiber Markus Dietler. So die Fusion von Aarau und Rohr (2010) sowie von Luzern und Littau (2010). Wobei etwas wirklich Vergleichbares eigentlich nicht zu finden gewesen sei, so Dietler.

Der Fusionsvertrag zwischen Aarau und Rohr etwa sichert dem Ortsteil Rohr eine seiner Bevölkerungszahl entsprechende Anzahl von Sitzen im Einwohnerrat Aarau zu. «Dies hat allerdings einmaligen Charakter für die Amtsperiode 2010/2013», sagt Dietler und fügt hinzu, dass die Schaffung eines speziellen Wahlkreises im Kanton Solothurn gar nicht möglich ist.

Nicht zu sehr ins Detail gehen

Aus dem Know-how der Fusion von Luzern (60000 Einwohner) und Littau (17000 Einwohner) haben die Verantwortlichen von Olten plus abgeleitet, den Vertrag nicht allzu detailliert auszuarbeiten. Grund: «Vor allem finanzpolitisch langfristige Aussagen und deren Auswirkungen sind nur schwer kalkulierbar und deshalb mit Vorteil nicht ins Vertragswerk aufzunehmen», sagt Dietler. Das Innerschweizer Modell habe gezeigt, dass man sich dabei verhauen, sprich zu optimistisch kalkuliert habe.

Was aber nicht bis ins Detail geregelt ist, gibt zu Diskussionen Anlass. «Stimmt», sagt Dietler. «Aber andersrum auch.» Bereits ein rundes Dutzend Rückmeldungen hat er seit dem Start der Vernehmlassung am 31.Dezember 2011 erhalten. «Ich hoffe das geht so weiter.» Wenn dem so ist, ergibt sich bis zum Ende der Vernehmlassung am 3. Februar ein etwas konkretes Bild der Stimmungslage.

Garantie wird erwartet

«Es hat sich gezeigt, dass in Finanzierungsfragen die absolute Voraussagegarantie erwartet wird, aber die können wir, selbst ohne Fusion, nicht geben», räumt Dietler ein. Gewisse Grössen liessen sich nicht mit Sicherheit voraussagen. Abseits davon hat der Stadtschreiber aber auch Stimmen wahrgenommen, welche die Fusion als konsequenten und richtigen Schritt in die Zukunft qualifizieren; die VEO als «starkes Zentrum zwischen den Grossstädten», wie die Verantwortlichen jeweils titeln.