Frankfurter Buchmesse
«Für einen Kleinverlag lohnt sich ein eigener Messestand kaum»

Aus dem Kanton Solothurn ist nur der Oltner Knapp-Verlag mit an der Frankfurter Buchmesse dabei. Verleger Thomas Knapp nutzt die Messe, um sich mit Kollegen auszutauschen und einen Überblick über das literarische Schaffen zu gewinnen.

Regula Portilla
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Autor Wolfgang Bortlik trifft in Frankfurt gute Bekannte – und der Oltner Knapp-Verlag präsentiert seine Fussballgedichte-Sammlung «Der Ball ist aufgegangen».

Autor Wolfgang Bortlik trifft in Frankfurt gute Bekannte – und der Oltner Knapp-Verlag präsentiert seine Fussballgedichte-Sammlung «Der Ball ist aufgegangen».

Regula Portilla

Von überall her strömen sie zum Messegelände: Verleger, Buchhändler, Agenten, Filmproduzenten, Autoren und Literaturbegeisterte. Für viele von ihnen beginnt mit der Frankfurter Buchmesse die wichtigste Zeit im Jahr. Kein Wunder, denn mit fast 7300 Ausstellern aus über 100 Ländern und jährlich rund 275 000 Besuchern ist die Frankfurter Buchmesse das weltweit grösste Literaturereignis. Nirgendwo treffen mehr Buchbegeisterte aufeinander.

Ein idealer Ort also, um Verträge auszuhandeln, Lizenzgespräche zu führen und Kontakte zu knüpfen? «Auf jeden Fall», sagt der Oltner Verleger Thomas Knapp, der in diesem Jahr mit einigen seiner Bücher am Gemeinschaftsstand des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverbands (SBVV) vertreten ist. «Die Frankfurter Buchmesse ermöglicht den Austausch mit Kollegen und Kolleginnen aus der ganzen Schweiz und dem Ausland. Gleichzeitig gewinnt man einen Überblick über das literarische Schaffen und die neuen, technischen Möglichkeiten», so Knapp.

Ein Kleiner unter vielen Grossen

Sich als Fachbesucher einen Überblick zu verschaffen ist eine Sache, den Überblick über die vielen Stände als gewöhnlicher Publikumsbesucher auch zu behalten, eine ganz andere. Jede der insgesamt acht Hallen, die man betritt, wirkt noch grösser und voller als die vorangehende – «dass ein kleiner Verlag in dieser Fülle untergeht», so Knapp, scheint nur logisch.

Doch mehr als einzelne Verlage beleuchtet die Frankfurter Buchmesse oder die «Welthauptstadt der Ideen», wie sie gern genannt wird, den Buchmarkt als Ganzes. Dabei werden Preise verliehen, Lesungen und Podiumsdiskussionen zu Literatur, zur Zukunft des Buches oder den Möglichkeiten des digitalen Publizierens, zu Politik und Geschichte abgehalten – und viele Hände geschüttelt.

Ruhiger geht es im Pavillon des Ehrengasts Finnland zu, wo spiegelnde Böden, weisse Riesenzylinder und die darauf projizierten Naturaufnahmen die Weite einer finnischen Schneelandschaft suggerieren. Unter dem Motto «Finnland. Cool.» macht der Ehrengast mit einer Delegation von über fünfzig Autoren auf sich aufmerksam und zeigt, dass in Finnland nicht nur viel gelesen (drei von vier Finnen kaufen mindestens ein Buch pro Jahr), sondern auch viel geschrieben wird. Mit jährlich 10 000 Neuerscheinungen liegt Finnland mit der Anzahl publizierter Bücher pro Einwohner im europäischen Vergleich weit vorne.

Über 150 Schweizer Verlage

Doch nicht nur die finnische, sondern auch die Schweizer Buchbranche ist in der Mainmetropole wie gewohnt stark vertreten. Zwar sind die roten Lesebänke, die während der Leipziger Buchmesse 2014, wo die Schweiz als Gastland auftrat, überall anzutreffen waren, rar geworden, doch die über 150 Schweizer Verlage aller Landessprachen markieren auch so eine beachtliche Präsenz.

Am Schweizer Gemeinschaftsstand des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverbandes (SBVV) stellen 74 Schweizer Verlage und Buchorganisationen aus. «Für einen Kleinverlag lohnen sich ein eigener Messestand und die damit verbundenen Kosten im fünfstelligen Bereich kaum», sagt Verleger Knapp. «Da sind wir mit unseren Büchern am Stand des SBVV, wo es auch Kaffee für Gäste und kompetente Ansprechpersonen gibt, besser aufgehoben.»

In der Schweizer Ecke gut aufgehoben, fühlt sich auch der Autor Wolfgang Bortlik, dessen Fussballgedichte dieses Jahr im Knapp-Verlag unter dem Titel «Der Ball ist aufgegangen» erschienen sind. Seit Bortlik 1980 erstmals an der Frankfurter Buchmesse teilnahm, hat sich einiges verändert; einerseits ist die Messe grösser und internationaler geworden, andererseits sind neue Medien hinzugekommen. Auf die legendären Partys in den Verlagshäusern angesprochen, winkt Bortlik hingegen ab. «Die Jungen von damals sind älter und seriöser geworden, und den Verlagen fehlt es fürs grosse Feiern an Geld – schade eigentlich.» Dennoch besucht Bortlik die Messe hauptsächlich aus privaten Gründen: «Gute Bekannte aus der Buchbranche, mit denen ich durchs Jahr hindurch kaum oder keinen Kontakt pflege, sehe ich hier garantiert wieder, man tauscht Bücher aus, freut sich.»

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