Olten
Für 5 Millionen zu haben: Ex-Wernli-Villa sucht einen potenten Käufer

Die jetzigen Besitzer retteten die Liegenschaft an der Grundstrasse in Olten einst vor dem Abriss. Jetzt suchen sie einen Käufer für das 12-Zimmer-Haus mit Baujahr 1935.

Lena Bueche
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Wernli-Villa in Olten - ein Augenschein Die Wernli-Villa an der Grundstrasse 54 ist derzeit noch bewohnt vom bekannten und langjährigen Oltner Frauenarzt Dr. Djahan Kuhenuri und seiner Frau
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Wernli-Villa in Olten - ein Augenschein
 Die Villa aus der Sicht des grosszügigen Gartens: Die Fassade wurde diesen Sommer weiss gestrichen.
 Auffallend sind die grossen Fensteröffnungen des Esszimmers.
 Auffallend sind die grossen Fensteröffnungen des Esszimmers.
 Blick in die Küche
 Das Wohnzimmer

Wernli-Villa in Olten - ein Augenschein Die Wernli-Villa an der Grundstrasse 54 ist derzeit noch bewohnt vom bekannten und langjährigen Oltner Frauenarzt Dr. Djahan Kuhenuri und seiner Frau

Bruno Kissling

Das Immobilieninserat wirbt mit einem prominenten Namen: Die für 5 Millionen Franken zum Verkauf stehende, repräsentative Stadtvilla im Oltner Schöngrundquartier sei «von der Biscuit-Fabrikanten-Familie Wernli gebaut und bewohnt worden», heisst es da (siehe Box). Errichtet wurde die Villa, die über zwölf Zimmer verfügt und mitten in einem grossen Garten liegt, im Jahr 1935.

Verkaufspreis neu 5 statt 4 Millionen Franken

In einer früheren Variante dieses Artikels stand, dass die Ex-Villa-Wernli für 4 Millionen Franken zu verkaufen sei, wie es auch in der Verkaufsdokumentation der zuständigen Maklerfirma geschrieben steht. Mittlerweile hat die Familie Kuhenuri allerdings Renovationen vorgenommen und bietet die Villa im Oltner Schöngrundquartier inklusive Mobiliar zum Verkauf an. Der Preis ist deswegen gestiegen. (fmu)

Der derzeitige Eigentümer, Djahan Kuhenuri, und seine Frau Maria öffnen die Tür zu ihrem Anwesen. Bereitwillig geben sie Auskunft. «Erworben habe ich die Liegenschaft 1972 von einer gewissen Frau Wernli», erzählt der 81-Jährige. Aber um welchen Spross der Wernli-Familie es sich dabei gehandelt habe, könne er nicht mit letzter Sicherheit sagen. An die damaligen Verhandlungen kann Kuhenuri sich aber sehr gut erinnern: «Zuletzt waren noch zwei Bieter im Spiel: ich und ein stadtbekannter Immobilienunternehmer. Da letzterer aber vorhatte, die Villa abzureissen und auf dem Grundstück einen Wohnblock zu errichten, erhielt ich den Zuschlag – und dies, obwohl mein Gebot tiefer lag.» Der Familie Wernli sei es eben ein grosses Anliegen gewesen, dass ihr Haus erhalten bleibt, erklärt Kuhenuri. Diesem Wunsch sei er gerne nachgekommen. So wurde – abgesehen von kleineren Anpassungen – strukturell nichts an der Villa verändert.

Eng mit Trimbach verbunden

«Jura Waffel», «Chocoly» oder «Choco Petit Beurre»: Wer kennt sie nicht, die süssen Versuchungen aus dem Hause Wernli? Die Wurzeln des Biscuit-Produzenten gehen ins Jahr 1905 zurück. Damals eröffnete Friedrich Johann Wernli in Trimbach eine Zuckerbäckerei, der aber nur mässig Erfolg beschieden war. Erst den beiden Söhnen, Fritz und Paul Wernli, gelang der Aufschwung. Sie gründeten 1914 die «Biscuit-Fabrik Gebrüder Wernli», die mit ihrer Grossproduktion rasch die Konkurrenz überflügelte. Im neuen Fabrikgebäude an der Baslerstrasse wurden gemäss der Chronik von Markus Mäder «Das beliebteste Guetzli der Schweiz» 1926 die ersten gasbeheizten Kettenöfen der Schweiz in Betrieb genommen. In den 1930er Jahren revolutionierte die Firma Wernli mit neuartigen Verpackungen und einer professionellen Vermarktung die Branche. 1950 führte mit Fritz Wernli Junior bereits die dritte Generation das Familienunternehmen. Nach diversen Umstrukturierungen und Firmenzusammenschlüssen wurde die Wernli AG 2008 durch die Hug AG übernommen. 2017 wurde bekannt, dass die Produktion an einen neuen Standort im luzernischen Malters verlagert wird – spätestens 2021 gehen in Trimbach die letzten Guetzli vom Band. (LBO)

Aufwändiger Unterhalt

Die Inneneinrichtung dagegen wurde komplett ausgewechselt. Federführend war dabei Maria Kuhenuri. «Als ich die Villa das erste Mal betrat, kam ich mir vor wie in einem Geisterhaus, so düster war es hier drin», blickt die ehemalige Modeunternehmerin zurück. Sie brauche aber viel Licht und möge helle Farben. Deshalb hat sie sich bei der Umgestaltung für Pastelltöne entschieden: Teppich und Tapete des Esszimmers sind in Lachsrosa gehalten, die Wände des Salons in einem sanften Gelbton gestrichen und die Polstermöbel cremefarben.

Unverändert geblieben sind der aufwändig gefertigte, massive Parkett sowie die mit edlen Hölzern getäferten Türen. Sie sind auch nach achtzig Jahren noch in einem tadellosen Zustand – worüber die Kuhenuris sichtlich stolz sind: «Wir haben das Haus mit viel Liebe gepflegt und instand gehalten.» Auch im Aussenbereich wurden immer wieder Unterhaltsarbeiten durchgeführt: So wurde das Schwimmbecken im Garten erneuert, die Terrasse aufgefrischt oder die Fassade gestrichen.

Da drängt sich die Frage auf: Wenn die beiden so sehr an dem Haus hängen und so viel Herzblut hineingesteckt haben – weshalb wollen sie sich dann davon trennen? «Die Villa macht mit ihren zwölf Zimmern und dem grossen Umschwung schlicht zu viel Arbeit», bedauert Maria Kuhenuri. Schliesslich meistere sie den Haushalt allein, ohne Putzhilfe. «Und mein Mann wird auch nicht jünger», ergänzt sie lachend.

Tatsächlich hat Djahan Kuhenuri das Pensionsalter längst erreicht. Zur Ruhe gesetzt hat er sich aber noch nicht: Der ursprünglich aus dem Iran stammende Arzt arbeitet weiterhin in seiner eigenen Praxis in Olten. Ein Ende ist jedoch in Sicht; im Laufe des kommenden Jahres möchte er seine Praxis in neue Hände übergeben. «Dann werde ich etwas mehr Zeit haben, um im Garten tätig zu sein», so Kuhenuri.

Mit dem Verkauf hat es das Ehepaar nicht eilig. Interessenten habe es immer wieder gegeben, die die Villa gerne erworben hätten, um auf dem Grundstück ein Renditeobjekt zu realisieren, erzählt Maria Kuhenuri. Aber ähnlich wie damals der Familie Wernli wäre es ihr lieber, jemand würde die Villa kaufen, um sie zu bewohnen – und nicht, um sie abzureissen. Ihr sei aber bewusst, dass diese Bedingung nicht Teil des Kaufvertrags sein könne. Was die künftigen Eigentümer mit der Liegenschaft anstellen werden, sei ihnen überlassen. Trotzdem hofft sie, dass die Villa mit ihrer Grünfläche und dem alten Baumbestand dem Schöngrundquartier erhalten bleibt: «Ich wünsche mir, dass die neuen Eigentümer das Haus so lieben werden, wie wir es geliebt haben.»