Wangen bei Olten
Führt Bauboom in der Gemeinde zu einer Steuererhöhung?

Wangen bei Olten ist dank der vielen Überbauungen gewachsen. Das bringt aber die Infrastruktur bei den Schulen an ihre Kapazitätsgrenze. Es droht eine Steuererhöhung.

Fabian Muster
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Die Wohnsiedlung Alti Sagi an der Mittelgäustrasse reiht sich ein in die Überbauungen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Bis Mitte 2022 gibts hier 24 Eigentumswohnungen.

Die Wohnsiedlung Alti Sagi an der Mittelgäustrasse reiht sich ein in die Überbauungen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Bis Mitte 2022 gibts hier 24 Eigentumswohnungen.

Bruno Kissling

Die Gemeinde Wangen bei Olten wächst und wächst. Gemeindepräsidentin Daria Hof sprach an der vergangenen Gemeindeversammlung diesbezüglich von einem «Wachstumsschub». In den vergangenen zwei Jahren konnte die Gemeinde rund 200 Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger begrüssen. Derzeit bleiben 5261 Personen «z’Wange hange», wie die Einheimischen in Anlehnung an das Wangnerlied singen würden. Und die Gemeinde soll weiter wachsen. Gemäss dem neuen räumlichen Leitbild könnten in die Ortschaft am Jurasüdfuss bis ins Jahr 2040 über 700 weitere Personen zuziehen. Die Gemeinde zählte dann 6000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Im erwähnten Leitbild, das im Dezember 2019 an der Gemeindeversammlung verabschiedet wurde, heisst es bereits: «Seit Anfang 2016 zeichnet sich eine starke bauliche Entwicklung ab und die zahlreichen noch laufenden Planungen werden in den nächsten Jahren zu einer grossen Anzahl neuer Wohneinheiten führen.»

Wie diese Tabelle zeigt, hat der Bauboom schon früher eingesetzt:

Seit Frühling 2014 wurden in Wangen bei Olten knapp 380 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern erstellt respektive sind in Planung. Derzeit zählt die Gemeinde 2430 Haushaltungen. Das heisst, in den vergangenen sechs Jahren wurden in Wangen bei Olten mit 18 Prozent fast ein Fünftel der bisherigen Wohneinheiten erstellt – mitgerechnet sind hier nur jene in Mehrfamilienhäusern.

Schulhaus Hinterbüel soll ausgebaut werden

Das Wachstum bei den Haushaltungen bringt nicht nur schöne Seiten wie etwa höhere Steuereinnahmen mit sich, sondern auch höhere Investitionen in die gemeindeeigene Infrastruktur, die ausgebaut werden muss. Meistens betrifft es zuerst die Schulen wegen den steigenden Kinderzahlen. So wurde an der vergangenen Gemeindeversammlung ein Kredit in Höhe von 270'000 Franken gesprochen, damit der Südtrakt des Schulhauses Hinterbüel ausgebaut werden kann.

Die höhere Anzahl Schulklassen ist aber nicht nur auf die Neuzuzüger oder neu geborene Kinder zurückzuführen, sondern auch auf die Neuorganisation der Speziellen Förderung, wie Schulleiter Remo Rossi auf Anfrage sagt: Es gibt in Wangen zwar keine Kleinklassen mehr, dafür braucht es deutlich mehr Regelklassen und damit insgesamt tendenziell mehr Klassen als im früheren Modell. Führte die Gemeinde bisher jeweils zwei parallele Abteilungen an der Primarschule, so sind es jetzt meistens deren drei. «Mit dem Umbau beim Schulhaus Hinterbüel haben wir kurzfristig das Schulraumproblem gelöst.»

Doch nun müsse noch die mittel- bis langfristige Lösung am Standort Hinterbüel diskutiert und geplant werden. Darauf wies auch die Gemeindepräsidentin an der Gemeindeversammlung hin: Hof sprach von einem Ausbau des Schulhauses Hinterbüel und einer neuen Doppelturnhalle mit Festbetrieb. Es sei eine Machbarkeitsstudie erstellt worden. Der Investitionsbedarf sei zu hoch, sagte sie, ohne Zahlen nennen zu wollen. Sie kündigte vor der Gemeinde aber bereits an, dass man «voraussichtlich nicht um eine Steuererhöhung herumkommen wird, um die Investitionen tätigen zu können».

Leerwohnungsziffer: Einer der höheren im Kanton

Ein Beispiel für ein Überbauung in der Gemeinde ist die Wohnsiedlung Alti Sagi an der Mittelgäustrasse in Kleinwangen. Bis vor kurz lag das Baugesuch auf, gegen welches keine Einsprache eingegangen ist. Adrian Zihler vom gleichnamigen Architektur- und Planungsbüro in Egerkingen will dort zusammen mit zwei weiteren Geschäftspartnern drei Mehrfamilienhäuser mit je acht Eigentumswohnungen aufstellen. Nächsten Frühling soll Baustart sein für das 13-Millionen-Projekt; der Bezug der ersten Wohnungen soll ab Juli 2022 erfolgen.

Das Zielpublikum ist breit: von den klassischen Eigentumswohnungskäufern Ü55, die ihr Haus mit Garten abgeben wollen, bis zu jungen Paaren und Familien, die sich eine der vorwiegend 4,5-Zimmer-Wohnungen leisten. Bereits seien zwei Drittel der Objekte reserviert, sagt Zihler auf Anfrage. Und er gehe davon aus, dass auch die restlichen 8 Wohnungen problemlos verkauft werden können. Er baut nur Eigentums- aber keine Mietwohnungen.

Ein Blick in die Statistik gibt seinem Entscheid Recht: Obwohl Wangen bei Olten mit 5,83 Prozent eine der höheren Leerwohnungsziffern im Kanton aufweist – durchschnittlich beträgt diese 3,22 Prozent – standen auf dem Gemeindegebiet per Ende Juni nur 3 Eigentumswohnungen frei. Ganz anders sieht es bei den Mietwohnungen aus: Dort waren total 148 Objekte noch zu haben.