Beliebte Treffpunkte sind das Riesenrad oder die Holzbrücke, um miteinander in das Abenteuer Chilbi zu starten. An diesem Anlass lockt einiges, wilde Bahnen, Köstlichkeiten wie Raclette, Crêpes oder Knoblauchbrot. Aber warum geht Mann oder Frau an die Chilbi? Die kleine Aurelia Campitiello, die mit ihrer Familie aus Solothurn unterwegs ist, sagt ohne zu zögern: «Weil es Spass macht.» Worauf ihr Götti, Ediz Karatay aus Trimbach, lakonisch erwidert: «Ja, der Götti bezahlt es schliesslich.»

Die Oltner Chilbi hat eine langjährige Tradition, und sie ist den Schaustellern wichtig. Deren zwei haben sogar ihre Zelte an der «Fête de Genève» vorzeitig abgebrochen, um der Aarestadt die Ehre zu erweisen. So Maikel Bauer mit dem Burner, einer Bahn, auf der man ordentlich durchgeschüttelt wird. «Wir sind jedes Jahr in Olten, die Leute erwarten uns.» Dies wissen die Besucher denn auch zu schätzen. «Man geht an die Chilbi, das gehört sich für einen Oltner. Und man geht im Herbst dann auch an die MIO», gibt Urs Strub aus Olten bereitwillig Auskunft.

Alle Jahre wieder

Auch für Lätitia Wüthrich ist der Besuch der drittgrössten Chilbi der Schweiz ein absolutes Muss. Zum einen gehört sie zur Crew der Rätschwiber, die die Besucher kulinarisch verwöhnt. Zum anderen ist dieser Anlass für sie auch eine wertvolle Kindheitserinnerung. «Wir freuten uns immer riesig auf das Ende der Sommerferien. Das bedeutete zwar auch, dass wir nachher wieder in die Schule mussten, aber zuerst mit der Familie über die Chilbi durch die Stadt laufen und geniessen.» Ein weiterer, nicht unwesentlicher Aspekt: «Man trifft Leute, die man sonst nie sieht.» Wer kennt ihn nicht, den Stau auf der Mühlegasse. Man nervt sich über die Leute, die gerade Bekannte treffen und mit denen schwatzen. Und sorgt nur kurze Zeit selbst für einen Stau, weil: «Das war doch vor einem Jahr, als wir uns das letzte Mal getroffen haben?»

«Man muss schlicht und einfach mit dem Grosskind an die Chilbi.» So bringt es Willi Beck auf den Punkt, der mit seiner Enkelin Willow Beck unterwegs ist. Eine absolute Neuheit war der Kettenflieger Condor, der höchste transportable weltweit. Mika Leuenberger aus Wangen bei Olten und Marc Leuenberger aus Hägendorf waren die Ersten, die sich am Freitagabend kurz nach sechs Uhr in die schwindelerregende Höhe von achtzig Metern wagten. «Wir wollten nicht lange anstehen müssen», dies ihre Motivation, schon so früh sich über die Dächer von Olten zu wagen. «Die Aussicht ist einfach genial», so ihr Kommentar. Es ist damit zu rechnen, dass diese Bahn eines der attraktivsten Selfie-Sujets dieses Chilbijahrgangs sein wird.

Die Oltner Chilbi lockt viele Oltner und Oltnerinnen einmal im Jahr zurück in die Heimat. Grund für die Verantwortlichen des Stapferhauses Lenzburg, die Menschen zum Thema «Heimat» zu befragen. In einer Gondel des Riesenrades kann man darüber Auskunft geben, was einem Heimat bedeutet. Die Antworten fliessen in eine Ausstellung, die ab nächsten März ihre Tore öffnet.

Mit dem beleuchteten Riesenrad und dem farbig blinkenden Condor lag nach Einbruch der Dunkelheit gar ein Hauch von Las Vegas über der kleinen Aarestadt. Noch bis morgen Montagabend weht der Duft von Zuckerwatte, Bratwürsten und Raclette durch Strasse und Gassen, können Lose gekauft und kann die Stadt von oben bewundert werden. Und nach der Chilbi – das wissen alle Oltner – kommen der Nebel und der Herbst. Aber man trifft sich mit Sicherheit wieder, spätestens nächsten August, zwischen der Stadtkirche und der Schützi.