Olten

Für Lokalgewerbe und Bevölkerung: Wie Olten sich digital zusammenschliesst

Mehrere Websites setzten sich im Lockdown für Lokalgewerbe und Bevölkerung ein – sie blicken auf eine aussergewöhnliche Zeit zurück.

«Vo oute – für oute.» In den letzten sechs Wochen haben verschiedene freiwillige Initiativen im Internet versucht, wirtschaftliche und soziale Verbindungen unter der Oltner Bevölkerung zu erhalten. Die einheimische Werbeagentur Schmid und Wolf ermöglicht dem Gewerbe auf www.olten4olten.ch Dienstleistungen und Produkte anzubieten. Auf www.olteneinfach.ch kreierte Christian Ginsig eine ähnliche Plattform. Zudem hat die Website zusammen mit dem Velolieferdienst Collectors die Nachbarschaftshilfe koordiniert. Whatsapp-Gruppen von freiwilligen Personen wurden pro Quartiere gebildet. Menschen erklärten sich bereit, für Risikogruppen einzukaufen, für Eltern mit systemrelevanten Berufen Kinder zu hüten oder mit Hunden spazieren zu gehen. Matthias Tschopp von Collectors hat ausserdem mit zwei weiteren Initianten das virtuelle Schaufenster für lokale Produkte www.vooute.ch ins Leben gerufen. Seinerseits hat Yves Stuber, Herausgeber des «Kolt»-Magazins und «Ausgehen in Olten» mit www.sofakultur.ch versucht, lokalen Künstlern wie Kilian Ziegler, Lisa Christ und Rhaban Straumann eine Einnahmequelle zu bieten.

Gewerbe war froh um den freiwilligen Einsatz

Die Protagonisten dieser lokalen Initiativen blicken auf eine bewegte Zeit zurück. «Es ist sehr viel passiert», sagt Matthias Tschopp. Die Website vooute beinhaltet unterdessen 40 Inserate von 23 Anbietern. Tschopp schätzt die Anzahl Bestellungen über das Online-Schaufenster auf 30 bis 50.

Nicolas Wolf erklärt, dass zahlreiche Gewerbler froh um die Alternativen aus der zivilen Gesellschaft waren: «Grundsätzlich wurden von der Stadt Olten Hilfestellungen angeboten, jedoch mehr in Richtung der Beratung. Umso wichtiger waren rasche Reaktionen in Form von nutzbaren Plattformen, um so gut wie möglich und mit neuen Ideen weiter arbeiten zu können.» In einem Monat erhielt olten4olten.ch 1500 Aufrufe. 50 KMU haben das Gratis-Angebot der Werbeagentur wahrgenommen. Auf der Website olteneinfach.ch haben sich 20 Gewerbler rund 3000 Seitenbesuchern vorgestellt. Wobei Christian Ginsig festhält, dass die meisten Zugriffe in der Zeit von Ende März und Anfang April erfolgten. «Die Zugriffszahlen in den vergangenen Tagen waren sehr gering. Ein klares Zeichen dafür, dass die Angebote bekannt sind und sich die Oltner Bevölkerung gut organisiert hat», sagt Ginsig.

Keine Konkurrenz zueinander

Die Websites stehen gemäss den drei Initianten nicht in Konkurrenz zueinander. «Letztendlich geht es ja darum, dass auch in den kommenden Wochen möglichst bei lokalen Anbietern eingekauft wird und deshalb ist jede lokale Initiative zu begrüssen», sagt Ginsig. Wolf vermerkt, dass die Website olten4olten stark auf die Corona-Zeiten konzentriert ist und wahrscheinlich nicht darüber hinaus existieren wird, während vooute.ch längerfristige Absichten hegt. Der Zeitplan habe sich lediglich durch die Pandemie beschleunigt, wie Tschopp schon vor einigen Wochen dieser Zeitung sagte. Zufrieden ist auch Yves Stuber mit seinem Vorhaben, lokale Künstler zu unterstützen. Musiker, Komiker oder Tänzer stellen Videos online, für die das interessierte Publikum dann bezahlt. Stuber ist besonders stolz darauf, allen neun Kulturschaffenden einen Betrag von Fr. 428.65 ausbezahlt zu haben. «Insgesamt erhielten wir Beiträge von 14 Personen und zählen etwas mehr als 100 Abonnenten.» Stuber wird Ende Mai oder Anfang Juni einen zweiten Betrag auszahlen. «Selbstverständlich lässt sich das Honorar nicht mit einer normalen Gage vergleichen, trotzdem sind alle beteiligte Kulturschaffende froh um diese Möglichkeit.»

Solidarität war auch bei der Nachbarschaftshilfe zu spüren. Eine Anfragewelle ist ausgeblieben, weil der Lockdown nicht verschärft werden musste und bereits Lockerungen erfolgten. Trotzdem waren rund 150 Freiwillige stets bereit zu helfen. «Aufträge wurden in der Regel nach 15 bis 20 Minuten übergeben und vermittelt», sagt Ginsig. Unterdessen gehen nur noch zwei oder drei Aufträge wöchentlich ein. Das Lieferangebot sei auch enorm gestiegen. Ginsig ist dankbar, dass «innerhalb der Oltner Bevölkerung so grosse Solidarität und Hilfsbereitschaft vorhanden sind».

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