Auf einer Strecke von rund 4,3 km gabs keinen Stau und keine Hetze, dafür rekordverdächtige Hitze. Niemand an den drei über die Strecke verteilten Verpflegungsständen wunderte sich jedenfalls darüber, dass Wünsche nach der «heissen Schoggi» oder der «heisse Ovo» ausblieben. Gefragter waren bei Temperaturen über 30 Grad Mineralwasser, Bier.

«Ob wir unser Ziel erreichen, ist noch nicht absehbar»

Dass im Juli 2008 der Spatenstich zur ERO – wie die Entlastungsstrasse in Kurzform genannt wird – erfolgte, ist längst in den Hintergrund gerückt; ebenso der Umstand, dass der Souverän im Jahr 2002 einer auf längstens 20 Jahre befristeten Erhöhung der Motorfahrzeugsteuer um 15 Prozent zur Finanzierung des kantonalen Kostenanteils zugestimmt hatte. Rund 150 der total 340 Mio. Franken (Solothurn 80 Mio. und Olten 260 Mio. Franken) sollten so zusammenkommen (Zahlen von 2002).

«Ob wir unser Ziel erreichen, ist noch nicht absehbar», meinte Baudirektor Walter Straumann, der am Samstag die Strecke vor seiner Haustür ebenfalls per Velo abfuhr und dabei häufig zu grüssen hatte. «Es gibt zwar mehr Verkehr, das stimmt», so der Regierungsrat, «aber der Hubraum der Fahrzeuge, auf welchem die Steuer basiert, wird stets kleiner und kleiner», ergänzte er und blickt den Radlern heiter hinterher.

Radler, Biker, Skater oder Scooter-Fahrer

Man wird also sehen. Derweil genoss eine Hundertschaft von Radlern, Bikern, Skatern, Scooter-Fahrern oder Fussgängern die freie Strecke. Manche gaben Gas, andere liessen sich genüsslich vom Fahrtwind das Gesicht streicheln, wieder andere liessen es zwischen Dünnernbrücke und Rötzmatt sausen, nutzen die Freiheit, den Kreisel mal ungehindert und mehrfach – sowie entgegen der Fahrtrichtung – umrunden zu können oder aber man hielt an, tauschte ein paar Worte aus mit Bekannten bei zufälliger Begegnung.

Ein friedliches Volksfest, welches den Strassenraum als doch ganz nett erscheinen liess. Der Samariter auf Höhe des Riggenbachturms jedenfalls hatte nicht viel zu tun. «Zwei, drei Schürfwunden gabs, nichts Gravierendes», meinte er so gegen 13.30 Uhr. Auch während der vierjährigen Bauzeit blieb man offenbar von gravierenden Unfällen verschont. «Jedenfalls ist mit nichts zu Ohren gekommen», wie Walter Straumann erklärte.

Die Dünnern wurden wieder hervorgeholt

Neben Den vielen Kunstbauten (sieben Brückenbauwerke und der 390 Meter lange Hausmatttunnel) geht an diesem Tag der fast rund 900 Meter lange renaturierte Abschnitt der Dünnern vergessen. Nicht allzu viele Besucher besehen sich die Infotafeln, liegen sie doch etwas abseits und ein entsprechender Hinweis für die radelnden Besucher fehlt an der Umfahrungsstrasse fast vollständig.

Nach der Konsultation von alten Plänen hat man auf diesem Abschnitt die Dünnern wieder hervorgeholt, wie sie sich noch in den 30er- und 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts und vor der Korrektion präsentierte. Dieses Gebiet wird nach Abschluss der Bauarbeiten, unter Naturschutz gestellt, hat man doch eigens für Reptilien eine Trockenflur angelegt. Zudem laden Sitz- und Liegesteine sowie ein Beobachtungsdeck zum Verweilen ein.

Allein rund 58 Mio. Franken hat der Hausmatttunnel verschlungen, in welchem sich am Samstag in aller Kühle und Gemütlichkeit plaudern liess. Zwar gab es dabei noch zwei, drei Hürden zu überwinden.

So etwa waren die Belagsarbeiten noch nicht überall gleich weit fortgeschritten, sodass gelegentlich Niveauunterschiede zu überwinden waren. Dafür entschädigte der ungewohnte Blick beim Tunnelausgang über die rechte Stadtseite. Und überraschenderweise konnte auch die Brücke an sich begangen werden. Entgegen den Ankündigungen wurden doch die Belagsarbeiten dort noch rechtzeitig fertig.

Höchstgeschwindigkeit von 60km/h erlaubt

Nun gehts sowieso Schlag auf Schlag, wie am Tag der offenen Strecke zu erfahren war. Im November soll der Abschnitt bis zur Rötzmatt, im Frühling 2013 dann der ganze Abschnitt zwischen alter Mühle Rickenbach und Kreisel Aarburgerstrasse eröffnet werden. Damit liegt man doch klar unter der Marschtabelle. Gesamtprojektleiter Peter Heiniger jedenfalls sprach noch kurz vor dem Spatenstich im Jahr 2008 von einer ERO-Eröffnung in der zweiten Jahreshälfte 2013, eventuell gar erst Anfang 2014.

Für einen Tag gehörte die ERO dem Langsamverkehr. Velos werden auf der Entlastungsstrasse künftig aber nicht mehr geduldet. Eine Ausnahme macht die Strassenüberführung bei der Usego, stellen doch deren Radstreifen eine Verbindung zum Veloverkehrsweg sicher. Eine Autobahn ist dennoch nicht entstanden. Der Verkehr wird mit einer Höchstgeschwindigkeit mit 60 km/h rollen.