Das Luzerner Kabarettduo «Ohne Rolf» sticht deutlich aus der Masse der Kleinkünstler heraus. Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg schaffen es, einen ganzen Saal über zwei Stunden zu unterhalten, ohne ein Wort zu sagen. Dazu stehen sie auf kleinen Leitern hinter grossen Flipcharts und blättern sich im Dialog durch den Abend. Die beiden Kabarettisten, die seit dem Jahr 1999 regelmässig als «Ohne Rolf» unterwegs sind, haben damit ihr ganz eigenes Genre geschaffen.

Am Mittwoch haben sie ihr aktuelles Programm «Seitenwechsel» anlässlich der Kabarett-Tage im Oltner Stadttheater gezeigt. Darin suchen sie einen Ersatzblätterer für Jonas Anderhub. Zu Beginn füllen deshalb alle Zuschauer eine Bewerbungskarte aus, welche die Künstler einsammeln. Während des ganzen Abends bitten sie dann verschiedene Zuschauer als Kandidaten in ihre Mitte, wo ein dritter Plakatständer für das Bewerbungsgespräch bereit steht. Vorher wird aber noch die Persönlichkeit des Bewerbers mit dem Graphomaten getestet. Dieses Gerät spielt Musik ab, sobald eine Bewerberkarte reingesteckt wird.

Der erste Bewerber am Mittwochabend war Versicherungsmakler Heinrich Banzer. Um einen geeigneten Darsteller für diese Figur zu finden, ging Christof Wolfisberg mit einem verlängerten Selfiestick bewaffnet ins Publikum und zeigte damit auf den Auserwählten. Dieser wurde dann auf die Bühne gebeten und blätterte mit den beiden Künstlern ein Bewerbungsgespräch durch, wobei sie ihm zur Freude des Publikums gewisse Steine in den Weg legten, beispielsweise verkehrt gedruckte Plakate.

Vorgedruckte Überraschungen

Das einzigartige Konzept des Duos funktioniert also nicht nur zu zweit, sondern auch zu dritt. Die kurzen Sätze lassen eine Dynamik entstehen, die man von einer so statischen Sache wie vorgedruckten Plakaten schlicht nicht erwartet. Auch inhaltlich vermögen die Konversationen der beiden zu erstaunen: Trotz der Satzkürze gehen die behandelten Themen erstaunlich tief. Zum Beispiel hat der Titel «Seitenwechsel» nicht nur mit dem Umblättern zu tun, sondern auch mit der Tatsache, dass gegen Ende des Programms der Tod auftritt. Man erfährt, dass ein Ersatz für Anderhub gesucht wird, weil er eben die Seite wechselt, also stirbt.
Zur Auflockerung gibt es Plakate, die während des ganzen Programms ab und zu wieder auftauchen. Sie entwickeln sich so zu Running Gags und werden mit jedem Mal etwas lustiger. Immer wieder gibt es auch Überraschungen. Einmal etwa werden die zwei etwas steifen Jackettträger von einem Bewerber hypnotisiert und singen danach, vor den Plakaten sitzend, das Lied «Puerto Rico» von Vaya Con Dios.

Das Duo "Ohne Rolf", Jonas Anderhub (l.) und Christoph Wolfisberg, mit dem Ehrencornichon der Oltner Kabarett-Tage.

Das Duo "Ohne Rolf", Jonas Anderhub (l.) und Christoph Wolfisberg, mit dem Ehrencornichon der Oltner Kabarett-Tage.

Laudator war ein Geheimnis

Im Anschluss an die Veranstaltung nahmen die zwei Künstler auf einer roten Bank Platz, um das Ehrencornichon entgegenzunehmen. Wer die Laudatio hielt, war bis zu diesem Punkt ein Geheimnis. Als dann der Berliner Kabarettist Thomas Kreimeyer auf die Bühne trat, sagte er als erstes: «Endlich darf ich raus. Bis jetzt haben sie mich in allen dunklen Ecken dieser Stadt versteckt.»

Anderhub und Wolfisberg waren sichtlich erfreut über die Überraschung. Weiter erklärte Kreimeyer den Sinn dieser Preisverleihung: «Die Kunst soll mit diesem Preis haltbar gemacht werden, wie die Gurken durch das Einlegen.» Das deckt sich auch mit der Aussage von Kabarett-Tage-Gesamtleiter Claude Schoch, der Preis sei weder ein Nachwuchspreis noch ein Preis für ein Lebenswerk, sondern für eine «aussergewöhnliche Leistung». «Ohne Rolf» sind die dritten Ehrencornichon-Preisträger überhaupt.