Olten

Für die Oltner gabs zum Jahresauftakt Heiterkeit und Walzerseligkeit

Eivind Gullberg Jensen am Taktstock und Vesselina Kasarova mit dem Kammerochester Basel bruno Kissling

Eivind Gullberg Jensen am Taktstock und Vesselina Kasarova mit dem Kammerochester Basel bruno Kissling

Das Neujahrskonzert des Kammerorchesters Basel im Oltner Konzertsaal versprühte gute Laune. Die Ouvertüre zur Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» bildete den Auftakt zu einem denkwürdigen Abend.

Gute Laune versprühte am Mittwochabend das exzellente Kammerorchester Basel unter der hervorragenden Leitung des norwegischen Dirigenten Eivind Gullberg Jensen beim Neujahrskonzert im vollbesetzten, festlich geschmückten Konzertsaal Olten.

Mit der Ouvertüre zur Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» von Otto Nicolai - dem Begründer der Philharmonischen Tradition in Wien - wurde der denkwürdige Abend eröffnet. Von Eivind Gullberg Jensen glänzend koordiniert, wurden die verschiedenen Stimmungen – mit zauberhaften Streicherklängen, virtuosen Bläserpassagen und federnden Rhythmen – ausgekostet.

Mit Luxustimbre

Da die angekündigte Angelika Kirchschlager wegen Krankheit absagen musste, kam das Oltner Publikum in den Genuss einer erneuten Begegnung mit Vesselina Kasarova – einer andern grossen Mezzosopranistin unsere Zeit. Mit berückenden Klangfarben, mit samtenen Tönen in der Altlage bis zu dramatisch gesetzten Spitzentönen, mit lebendigstem Parlando gestaltete sie jeden ihrer Beiträge – auch durch Haltung oder ein kleines Augenzwinkern charakterisierend und selbst Instrumentalisten oder gar den Dirigenten einbeziehend – zu einer köstlichen kleinen Szene. Flexibel begleitet vom hervorragenden sich ihrer freien Gestaltung souverän anpassenden Dirigenten, liess sie auch immer wieder ihr Luxustimbre aufblitzen.

Zuerst mit dem Couplet des Prinzen Orlowsky «Chaqun à son goût» aus der unvergänglichen «Fledermaus» von Johann Strauss anschliessend mit der neckischen Ariette «Ah! Quel dîner je viens de faire» aus Jacques Offenbachs «La Périchole».

Drei grosse Walzer bildeten die Fixpunkte: Der elegante Faustwalzer aus «Margarethe» von Charles Gounod; «Les Patineurs» des Elsässers Emile Waldteufel -– der sich als kaiserlicher Hofballdirektor in Paris ganz der Komposition von Walzern verschrieben hatte – und der herrliche, sinfonisch ausgestaltete «Kaiserwalzer» von Johann Strauss.

Wunderbar transparent erklangen die drei Meisterwerke. Mit grossen Gesten – aber immer präzis – initiiert von Eivind Gullberg Jensen; und mit unvergleichlichem Elan musiziert vom prächtig mitgehenden Kammerorchester Basel.

Wunderschöne Soli

Champagnerlaune verbreitete nach der Pause auch die Ouvertüre zu «Orphée aux enfers» von Jacques Offenbach. Virtuos und spritzig mit wunderschönen Soli von Klarinette (Etele Dosa), Oboe (Edmund Worsfold), Violine (Adam Taubitz) und Violoncello (Martin Zeller) und vom Dirigenten bis zum zündenden, abschliessenden «Cancan» unwiderstehlich gesteigert.

Nummer aus Carmen

Neben der von Vesselina Kasarova meisterhaft gestalteten Arie «On me nomme Hélène la blonde» aus «La belle Hélène» bildeten zwei Nummern aus «Carmen» von Georges Bizet weitere Höhepunkte: Zuerst die mit unvergleichlichen, lockenden Tönen ausgestattete berühmte Habanera «L’Amour est un oiseau rebelle»; und mit den drei Strophen von « Les tringles des sistres tintaient» - von der Sängerin und dem Orchester zum rasenden Tanz gesteigert - wurde ein fulminanter Schlusspunkt gesetzt.

Neckische Arietta

Als Zugabe schenkte die gefeierte Vesselina Kasarova dem begeisterten Publikum noch eine «weitere Fassung» der neckischen Ariette aus «La Périchole». Die geschwätzige «Tritsch-Tratsch-Polka» verbreitete philharmonische Stimmung, während in der berühmten Barcarole aus «Les Contes d’Hofmann» von Offenbach – hier in einer instrumentalen Fassung – Martin Zeller nochmals mit seinen Cellotönen brillieren konnte.

Den Ausklang bildete der unvermeidliche «Radetzky-Marsch», bei dem der Dirigent sogar das eifrig mitklatschende Publikum bestens im Griff hatte. «Wir brauchen ja nicht mehr nach Wien zu fahren?» meinte eine begeisterte Zuhörerin beim Hinausgehen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1