Man schrieb das Jahr 1975, als Theo Ehrsam Lehrer an der Kantonsschule Olten wurde. Auf diesen Beruf kam er durch zwei seiner Vorbilder: seinen Vater und seinen Deutschlehrer am Progymnasium. «Ausserdem habe ich während des Studiums verschiedene Stellvertretungen gegeben», berichtet Theo Ehrsam in seinem Büro im zweiten Stock der Kantonsschule Olten. «Das waren unbeschwerte und glückliche Zeiten.» Er habe einfach einen Beruf ausüben wollen, in dem die Leute zu ihm kämen und er ihnen etwas mitgeben könne, berichtet der gebürtige Schwarzbub.

Rektor seit 1982

Bevor er im Herbst 1982 in die Schulleitung eingetreten ist, unterrichtete Theo Ehrsam Deutsch und Geschichte am Wirtschaftsgymnasium und der Handels- und Verkehrsschule Olten. Mit dem Rektorat hatte er nur noch ein Teilpensum (vier Klassen in Geschichte) inne. «Es war mir aber wichtig, den Puls der Schüler stets fühlen zu können.» Und so unterrichtete Theo Ehrsam bis letzten Sommer Geschichte im Zimmer 805. Sein stetes Motto: «Der Funke muss springen!» Er habe immer sehr gerne unterrichtet, berichtet er weiter. Das werde ihm am meisten fehlen. «Es gab überhaupt viel, das ich in meinem Beruf gerne tat.» Als Rektor habe er eine lebendige Schule mitgestalten können und auch oft beratend gewirkt.

Veränderungen miterlebt

Über die Jahre habe er den Wandel der Gesellschaft an seinen Schülern beobachten können und stets versucht, aktuelle Themen im Unterricht zu behandeln oder übergeordnete Fragestellungen auf die Region runterzubrechen, so Ehrsam.

In seiner Karriere hat Theo Ehrsam viel erlebt. Noch sieht er die vielen Demonstrationen gegen das Kernkraftwerk Gösgen vor sich. «Da hatte ich eine Schülerschaft, die sich, im Rückblick gesehen, engagierte, so wie sich der damalige Erziehungsdirektor Alfred Wyser und seine Nachfolger immer auch Fragen annahmen, die über Bildungspolitik hinausgingen.»

«Heute sind politische Aktionen von Schülern fast eingeschlafen», bilanziert Theo Ehrsam. Einige würden sich in der Jugendarbeit engagieren, aber das wisse man halt dann weniger in der Schule. Auch habe sich das Wertespektrum von Eltern und Schülern enorm verändert: «Die Bandbreite ist heute unendlich weiter.» Das gehe von Eltern, die den Jugendlichen die Verantwortung übertragen, bis hin zu den Überbesorgten, die zu ihm sagten: «Sie rufen mich doch an, wenn Sie mein Kind auf der ‹Chilestäge› rauchen sehen?»

«Wenn dann aber einige Leute, die bei uns die Matur gemacht haben, im Kantonsrat sitzen, haben wirs wohl doch nicht so ‹cheibe schlächt› gemacht», sage er sich dann. Und: Die Frage sei ja auch nicht, wo sich junge Leute engagieren würden, sondern ob. Das habe er seinen Schülern immer versucht mitzugeben.

«Nehme tolle Erinnerungen mit»

«Wenn vor drei Jahrzehnten die Eltern meiner heutigen Schüler schon bei mir im Unterricht waren, dann ist das für mich ein Signal, das berufliche Engagement als Lehrer und Rektor zum Abschluss zu bringen.» Etwas traurig packt Theo Ehrsam also verschiedene Ordner in Kisten. «Das meiste davon wird rezykliert», sagt er. Mit nehme er vor allem viele tolle Erinnerungen an die Zeit an der Kanti Olten. Dafür sei er seinen Schülern, aber auch seinen Lehrerkollegen dankbar. Natürlich habe es auch Tiefschläge gegeben. «Aber die vergisst man, bei all den schönen Erlebnissen.» Einen Nachfolger wird er übrigens wegen der auf den 1. August in Kraft tretenden Reorganisation der Schulleitung keinen bekommen.

Für die Kanti Olten wünscht sich Theo Ehrsam, dass die Sanierung des Gebäudes bald realisiert werden kann, auch wenn er die «Beton-Akropolis mit früh verwitterter Hülle» schon gerne bekommen habe. Auch hofft er, dass weiterhin Projekte wie «Vom Licht ins Dunkel» oder «Hairspray» durchgeführt werden können. «Denn das gibt der Kanti Profil.»

Und was hat der Rektor aus Leidenschaft nun privat vor? «Als Erstes werde ich mich in einen Hörsaal der Uni Basel setzen und schauen, wie meine Fächer - und vor allem Geschichte - heute gelehrt werden.» Ansonsten sei er ja immer noch in der Kirchgemeinde aktiv. Langweilig werde es ihm bestimmt nicht, da sei noch so viel zu erledigen und zu tun, sagt er und sein Blick schweift von den Ordnern ab ins Grüne.