Lostorf

«Früher wars nicht besser – aber anders»: Turnfest-Veteranen erinnern sich

Urs Straumann und Hansruedi Mollet, Turner mit Leib und Seele

Urs Straumann und Hansruedi Mollet, Turner mit Leib und Seele

Urs Straumann (71) und Hans Ruedi Mollet (69) aus Lostorf sagen: «Früher wars nicht besser – aber anders»

Als der Lostorfer Urs Straumann im Jahr 1963 16 Jahre alt war, kriegte er seinen ersten Kunstturner-Coach. Wäre er heute 16 Jahre alt, hätte er vermutlich schon seit mehreren Jahren einen Trainer. Dieses Beispiel zeigt bereits, wie sehr sich die Zeiten im sportlichen Bereich geändert haben. Im Zuge des Kantonalturnfests in Obergösgen können für damalige Zeitgenossen weitere Unterschiede erkannt werden: «Früher war die Jugi nicht an den Turnfesten vertreten», erinnert sich Straumann. Erst ab 15 Jahren war man zugelassen. Und doch brachte man verhältnismässig mehr Teilnehmer auf die Plätze als heute. «Das Freizeitangebot ist nun viel grösser», sagt Hans Ruedi Mollet, Straumanns Turnerkollege, der jahrelang Oberturner beim STV Lostorf war. Straumann pflichtet bei: «Als ich vor mehr als 60 Jahren in den Turnverein eintrat, gab es nichts anderes, nicht einmal den Fussball-Club.» Es sei normal gewesen, dass man in die Jugi ging. Dort entdeckten die Verantwortlichen seine Beweglichkeit. Spezialist Straumann brachte es bis zum Ersatzteilnehmer an den Olympischen Spielen in Mexiko 1968 und nahm 1967 bis 1970 an den Schweizer Meisterschaften im Kunstturnen teil.

Turner mit Leib und Seele

Hans Ruedi Mollet hingegen ist ein Generalist und ebenfalls ein Turner mit Leib und Seele. Zehn Jahre lang war er Oberturner beim STV Lostorf und brillierte vor allem in der Disziplin Nationalturnen und Vereinsturnen. Zum Nationalturnen gehört bis in die Gegenwart das Steinheben und -stossen. Noch heute eignet sich diese Disziplin dafür, das Gruppen-Gesamtresultat am Turnfest etwas aufzuwerten. Inzwischen kamen allerdings noch weitere Disziplinen wie Indiaca und Volleyball hinzu.

Die Sache mit der Ernährung

Was es auch nicht gab, waren Turner, die mit einer Wasserflasche herumliefen. So unglaublich es für die heutige Jugend klingen mag: «Früher gingen wir zu einem Brunnen oder Wasserhahn, wenn wir Durst hatten. Wir wussten damals wenig über Ernährung und wie viel man trinken muss», erinnert sich Mollet. Straumann ergänzt: «Mir war manchmal auf dem Heimweg vom Training übel. Heute weiss ich, dass wir zu wenig Wasser getrunken hatten. Man wusste wenig darüber. Allerdings gab man uns Eiweiss, daran erinnere ich mich noch respektive daran, wie schlecht es schmeckte.» Ein Unterschied zu früher, der jedem Zeitgenossen sofort auffällt: Heute finden die Wettkämpfe meist in Hallen oder Zelten statt. Straumann turnte – sei es kantonal oder eidgenössisch – im Freien. Auch das war normal, damals hätten die Turner nicht schlecht gestaunt, hätten sie plötzlich in einer Halle auftreten dürfen. Schlimm war es nicht: «Ich kann mich zwar an einzelne Regentropfen erinnern, nicht aber an ein einziges Unwetter», so Straumann. Vor Jahrzehnten sei es zudem undenkbar gewesen, dass eine kleine Gemeinde ein Turnfest ausrichte: «Zu meiner aktiven Zeit war es immer in Olten, Grenchen oder Solothurn, später kam mal Zuchwil hinzu», erinnert sich Urs Straumann.

Bessere Infrastruktur

Längst angekommen im Jahr 2018 waren die zwei Lostorfer Turner bereits als Besucher in Obergösgen, und sie werden sich auch dieses Wochenende umsehen. «Toll, was die Verantwortlichen aufgebaut haben», schwärmt Mollet. Straumann nickt und sagt: «Im Gegensatz zu früher ist die Infrastruktur heute viel besser.» Aktiv sind die beiden nach wie vor. Straumann betreibt seit Jahren ein Fitnesscenter in Lostorf, Hans Ruedi Mollet turnt weiter.

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