Amtsgericht Olten-Gösgen
Freispruch oder maximal 6,5 Jahre Haft für die Angeklagten

Der Gerichtsprozess, in welchem drei kosovarischen Schwäger angeklagt werden, fand am Mittwoch seine Fortsetzung. Auch am zweiten Verhandlungstag brachte kein Licht in die Einbruchs-Reihe.

Rahel Bühler
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Auch am zweiten Verhandlungstag brachte es kein Licht in die Einbruchs-Reihe.

Auch am zweiten Verhandlungstag brachte es kein Licht in die Einbruchs-Reihe.

Bruno Kissling

Der Gerichtsprozess, in welchem drei kosovarischen Schwäger unter anderem des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls angeklagt werden, fand am Mittwoch seine Fortsetzung. Und blieb auch am zweiten Verhandlungstag weiterhin komplex (siehe Ausgabe vom Mittwoch).

Dem Hauptangeklagten Blerim Y.* wird im selben Verfahren auch Anstiftung zu einfacher Körperverletzung und zu Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte vorgeworfen. Er soll im Nachgang eines Überfalls auf einen Tankstellen-Shop seinen mutmasslichen Komplizen dazu motiviert haben, nach einem Selbstunfall, Fahrerflucht zu begehen. Bei diesem Manöver wurde ein Polizeibeamter leicht verletzt.

In diesem Zusammenhang wurde besagter Komplize gestern verhört. Der geständige und bereits verurteilte Schweizer wollte sich zu den Fragen von Amtsgerichtspräsidentin Eva Berset praktisch nicht äussern. «Ich habe den Einbruch alleine durchgeführt und wurde bereits dafür verurteilt. Ich habe damit abgeschlossen», erklärte er und machte keinerlei Angaben zum mutmasslichen Mittäter. Entgegen seinen früheren Aussagen bei der Polizei dementierte er gestern, dass er zusammen mit Blerim Y. den Plan, diese Tankstelle zu berauben, ausgeheckt hat. Zwar bestätigte er, dass er ihn kannte und dass sie auch schon zusammen unterwegs gewesen seien. Ob der Kosovare sich aber in der besagten Tatnacht in seinem Auto war, wisse er nicht mehr.

Lange Plädoyers

Nach der Zeugenbefragung folgte das zweistündige Plädoyer von Staatsanwältin Sarah Amrein. Als schwerwiegendste Tat von Blerim Y. erachtet die Staatsanwaltschaft die vier Diebstähle, die sie als gewerbs- und bandenmässige Diebstähle taxiert. Weiter fordert sie einen Schuldspruch wegen gewerbsmässigem Diebstahl in 16 Fällen, versuchtem Raub, Erpressung und Anstiftung zum eingangs beschriebenen Vergehen. «Strafverschärfend wirken die Vorstrafen und die fehlende Einsicht des Beschuldigten. Strafmildernd die lange Prozessdauer von sechs Jahren», erläuterte Amrein.

Sie forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren und eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à je 30 Franken. Der Verteidiger von Blerim Y., Markus Henzer, verlangte in allen Anklagepunkten einen Freispruch für seinen Mandanten. «Er konnte zu keinem Zeitpunkt eindeutig als Täter identifiziert werden», erklärte er in seinem mehr als einstündigen Plädoyer. «Auch kann das von der Staatsanwaltschaft bemängelte Verhalten meines Mandanten nach der angeblichen Tat nicht straferhöhend wirken. Er hat von Anfang an ausgesagt, dass er mit der ganzen Angelegenheit nichts am Hut habe.»

«Schwache Beweislage»

Für Burim Q.*, der bei einem Diebstahl und einem versuchten Diebstahl Mittäter gewesen sein soll, verlangte Amrein eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Acht davon unbedingt, zehn auf Bewährung, die auf eine Probezeit von drei Jahren ausgestellt werden. Für Bekim Z.*, mutmasslicher Komplize bei einem Diebstahl, forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten auf Bewährung. Auch diese soll auf eine dreijährige Probezeit ausgestellt werden.

Der Verteidiger von Bekim Z., bezeichnet die Beweislage gegen seinen Mandanten als schwach bis sehr schwach. «Ausserdem hat er seit Beginn des Prozesses seine Unschuld beteuert.» Ronny Scruzzi will deshalb einen Freispruch.

Oliver Wächter, der Verteidiger von Burim Q., plädierte ebenfalls auf Freispruch. «Es gibt keine glaubhaften Beweise, dass mein Mandant bei einem der ihm vorgeworfenen Einbruchdiebstähle beteiligt war.» Es könne zwar sein, dass das von Burim Q. gemietete Auto für die besagten Delikte verwendet wurde, sein Mandant habe aber zweifellos nichts damit zu tun. Das widersprüchliche Aussageverhalten, dass auch Burim Q. teilweise vorgeworfen wird, erklärte Wächter damit, dass sein Mandant Angst davor hatte, ein Mitglied der ihm so wichtigen Familie zu belasten. Wie Rechtsanwalt Scruzzi verlangt auch er für seinen Mandanten eine Genugtuung von 4800 Franken für die verbüsste Zeit in Untersuchungshaft.

Sowohl Blerim Y. als auch Burim Q. waren auch am gestrigen Verhandlungstag anwesend. In ihrem Schlussvotum beteuerten beide erneut ihre Unschuld. Das Urteil wird anfangs Juli mündlich eröffnet.

Namen von der Redaktion geändert.