Olten

Freisinnige Guerilla-Aktion hält länger als gedacht – Jetzt warten alle auf den Zahn der Zeit

Lösen nach den Wahlen bald mehr Diskussionen aus als vorher: die von Sympathisanten aufgetragen farbigen Embleme für die FDP Olten.

Die kleine Farbaktion für den städtischen Freisinn vor den Wahlen ist dauerhafter als vorausgesehen

Es ist wie verhext: Vor den Parlamentswahlen am 23. April fanden sie vermutlich Beachtung, aber niemand redete in aller Öffentlichkeit über die kleine Farbaktion, die sich vielerorts auf Oltner Stadtgebiet manifestierte. Zwei blaue Herzen, von denen das eine die Listennummer der FDP umschlingt und darüber thronend die drei Lettern F, D und P. Und jetzt, nachdem die Wahlen vorbei sind und die Farbkleckse noch immer an Ort und Stelle prangen, lösen sie Diskussionen aus. Öffentliche Diskussionen; vor allen in den sozialen Medien. Dort etwa wird die FDP aufgefordert, die Dinger endlich zu entfernen.

Die Dinger müssen weg

Für Monique Rudolf von Rohr, Präsidentin der städtischen FDP, ist klar: Die Farbkleckse müssen weg. Das Problem bei der Sache: Niemand weiss, wo und wie viele dieser blaufarbenen Wahlkampfslogans aufgetragen wurden. In einer Nacht- und Nebelaktion vor den Kommunalwahlen angebracht. Unbewilligt. Dafür zeichnen Sympathisanten der Partei verantwortlich, wie Monique Rudolf von Rohr sagt.

«Vielleicht sind wir mit unserer Aktion ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen», so eine bedauernde Stimme aus der kleinen Stadt-Polit-Guerilla. Und die Stimme versichert, der Auftrag sei nicht witterungsbeständig und verschwinde. Eine Art Kreidefarbe seis, wobei natürlich der Verwitterungsgrad davon abhängig sei, wie viel Farbe aufgetragen worden sei. «Uns tut das schon leid, dass dieser Umstand jetzt zum Thema wird in den sozialen Medien», so die Stimme weiter, die gerne anonym bleiben will.

«Mir sind – wenn ich mich richtig besinne – noch etwa vier Orte bekannt, wo die Farbaufträge noch nicht verwittert sind», sagt Monique Rudolf von Rohr. Bezeichnenderweise in Stadthausumgebung. Sie verweist im gleichen Atemzug auf Standorte rund um die Fachhochschule, an denen von den Emblemen mittlerweile nichts mehr zu sehen ist.

Bezeichnenderweise hat die Parteipräsidentin nie irgend eine Reaktion auf die seinerzeitige Aktion vernommen. Mit Ausnahme jener der Stadt, welche die Partei nach den Wahlen aufforderte, für die Entfernung der aufgetragenen Embleme besorgt zu sein beziehungsweise die Verursacher der Malerei bekannt zu geben. «Wahrscheinlich gibts Orte, wo sich die Sache länger hält», mutmasst Monique Rudolf von Rohr.

Die Diskussionen auf Facebook

Doch zurück zur Diskussion in der Oltner Facebook-Gruppe. Überraschend, wie emotionsgeladen der Austausch schon nach wenigen Posts wirkt: «Gelebte politische Evolution oder eine unerwünschte lokale Mutation der FDP?», fragt da einer und fügt hinzu: «Von der Wirtschafts- und Elite-Partei zu einer illegalen Sprayer-Truppe (auch auf Privatgrund) mit Allüren der Häuserbesetzer-Szene (siehe OSW-Planungsvorschlag auf Privatgrund/frei von Kenntnissen der Grundrechte in der Verfassung), times are changing...», bemerkt die Stimme weiter.

Und eine Userin meint ganz lapidar: «Ich finds eifach biz fräch. Wärs en schuelbueb gsi wärs nid okay, aber fdp darf, oder was? Und es het no viel vo dene härzli ir stadt.» Und schliesslich meint einer noch: «Die FDP-Fraktionsführung erachtet die Reinigung des Vandalismus auf öffentlichem Boden bestimmt als klassische Werkhof-Arbeit – trotz allseitiger Mittel- und Ressourcen-Knappheit (analog Ländiweg).»

FDP gibt Verursacher nicht bekannt

«Es gehört zur städtischen Praxis, Graffiti unverzüglich zu entfernen», sagt Urs Kissling, Leiter des städtischen Tiefbauamts. Umso bedauerlicher sei es, dass auch Parteien beziehungsweise denen nahestehende Personen zu solchen Aktionen greifen würden. Bis Mitte Mai sollten der Stadt die Verursacher der Farbaktion von der FDP benannt werden. Geschehen ist bislang nichts. Allerdings weiss auch Kissling: «Die Farbe bringt man schon vorzeitig weg, mit Bürste und Wasser oder Hochdruckreiniger.» Das hätte ein Probelauf des Werkhofs gezeigt.

Schon einmal wurde der Strassenraum übrigens so gestaltet, im Zeichen der Fasnacht. Damals geschah dies allerdings auf Voranmeldung und entsprechender Bewilligung, weiss Kissling. Die Markierungen des damaligen Obernaaren Raphael Schenker von der Altstadt-Zunft verwitterten innert sechs bis acht Wochen wieder. Und so wie es aussieht, rechnet jede der involvierten Parteien auch in Sachen der noch immer sichtbaren FDP-Markierungen mit der Verwitterung und dem sprichwörtlichen Zahn der Zeit.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1