Es kommt nicht alle Tage vor, dass Bastiansredner Applaus auf offener Szene erhalten und deren Auftritt von gelegentlichen Lachsalven begleitet wird. Am Sonntag, an der St.-Sebastians-Feier der Stadtschützen Olten – der 204. Ausgabe – war es wieder einmal so weit. Die beiden Festredner – wenn man sie denn so nennen will – Bastiansvater Marc Thommen und Bastiansredner Nationalrat Gerhard Pfister (ZG) gaben dem traditionellen Anlass den Pfiff des Wortes, der über das übliche Bekenntnis zu Freiheit, Freisinn und Verantwortung hinausging.

Aber es gab – natürlich – auch Sätze, die sich im Kapitel «Blut und Boden» wiederfinden lassen. «Morgarten, der Kampf für die Freiheit ist nicht, ist nie abgeschlossene ferne Geschichte, sondern immer Gegenwart, wo Menschen es riskieren, für die Freiheit einzustehen», meinte etwa Pfister, während Thommen zu verstehen gab: «Verantwortungsvolle Menschen sind besser als dicke Regelwerke», womit er unmissverständlich proklamierte: «Gutes müssen wir selber tun.»

Auch ein Wagnis

Aber es gab wie bereits erwähnt auch das Heitere, das Selbstironische: So erklärte Thommen an die Adresse Pfisters, es sei ein Wagnis, einen bürgerlichen Politiker aus dem Kanton Zug an eine Feier einzuladen. «Vor allem dann, wenn auch grüne Politikerinnen anwesend sind.» Er spielte damit auf die Affäre «SVP-Kantonalpräsident Markus Hürlimann und Grünen-Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin» bei der Landammann-Feier in Zug an.

Pfister seinerseits meinte, der Umstand, einen CVP-Vertreter als Bastiansredner einzuladen, zeuge von zweierlei Dingen: zum einen von Respekt vor aussterbenden Volksstämmen (er meinte damit die CVP) und zum andern von feinem Sinn für Ironie, indem man jemanden aus einem geplagten NFA-Zahlerkanton einlade, um ihn dann auch noch arbeiten zu lassen. «Das ist nett und erfolgreiche Politik eines Nehmerkantons, die etwa von alt Regierungsrat Christian Wanner betrieben wurde; nämlich von den Reichen das Geld zu erhalten und von den Armen die Stimme.» Noch selten hatte der Konzertsaal eine Lachsalve dieser Art während einer Bastiansfeier erlebt.

Schüler und Lehrer

Dass Thommen und Pfister in einem alten Schüler-Lehrer-Verhältnis stehen, wurde ebenfalls am Rande notiert. Philosophieunterricht hatte der eine dem andern gegeben. Und deshalb kam Thommen zum Schluss, der Unterricht Pfisters habe wohl doch seine Spuren hinterlassen: «Mehr als mir bisher bewusst war. Denn Freiheit und Eigenverantwortung sind auch mir als Unternehmer und Privatmensch und als Bastiansvater 2015 zwei zentrale Leitsterne.»

Und Pfister brachte seinerseits zum Ausdruck, dass die Schweiz und ihre Werte auf die Schützen angewiesen sei: «Sie schützen und verteidigen das, was uns am wichtigsten ist, auch über die Grenzen der Schweiz hinaus: Freiheit und Sicherheit, Menschenwürde und das Recht jedes Einzelnen auf Unversehrtheit. Sie handeln damit im Auftrag einer freiheitlichen Demokratie.» Balsam nicht nur für Schützenohren.

Ehre und Auszeichnung

Neben den eigentlichen Reden durften die 370 Gäste auch weitere Ehrungen zur Kenntnis nehmen: Zu Bastiansehrenbrüdern wurden ernannt: Hansruedi Reichenbach (Zug), Otto Binkert (Olten) und Peter Wagner (Solothurn) alle für ihre Treue und Verdienste rund um die Stadtschützen, das Schiesswesen im Allgemeinen, den Einsatz im öffentlichen Leben und damit für die Schweiz.

Ebenfalls zu Ehren aus der Hand von Heinz Eng, Präsident der Stadtschützen, kamen die vereinsinternen Jahresmeister: Linus Dobler (300 m Gewehr Kast/A-D); Thomas Hänggi (Gewehr 50 m), Andreas Haffner (Pistole 25 m) und Peter Hee (Pistole 50 m und Luftpistole 10 m).

Mit einem Ceinturon (dem Ledergurt der Armee) als Geschenk wurde André Blattmann (Chef der Armee) als Bastiansvater 2014 in den Ruhestand geschickt. Das Geschenk soll ihm helfen, die Armee zusammenzuhalten, betonte Eng. «Wer denn ausser dir soll dies Vorhaben umsetzen können?», so die rhetorische Bemerkung, bevor Klänge der Stadtmusik Olten schliesslich zum traditionellen «Heideröslein» überleiteten, welches noch immer auf den Tischen stehend vorgetragen wird.