Roland Rölli ist froh. Warum? Der Leiter Warendienst beim Samariterbund kann künftig den kürzesten Weg zwischen Hauptsitz an der Martin-Disteli-Strasse und Warenlager an der Haslistrasse nutzen, nämlich jenen über die Tannwaldstrasse.

Nicht selbstverständlich, denn seit diese nicht mehr durchgehend befahrbar ist, haben sich Anbindung und Erreichbarkeit für Firmen im fraglichen Gebiet Haslistrasse/Tannwaldstrasse eher zu deren Ungunsten verschoben.

Nun aber erhält der Samariterbund vom Stadtrat eine Ausnahmebewilligung. Für den Antragsteller bedeutet dies konkret, dass betriebsintern künftig jährlich zwischen 350 und 400 Stunden an Fahrzeiten wegfallen.

Denn kann der Samariterbund die Tannwaldstrasse als direkteste Verbindung zwischen Hauptsitz in der Martin-Disteli-Strasse und Warenlager an der Haslistrasse nutzen, wird der Transportweg pro Fahrt um einen Kilometer kürzer.

«Wir haben uns diesen Schritt lange überlegt», sagt Rölli. Allerdings habe man von der Möglichkeit, überhaupt eine Durchfahrtsbewilligung einholen zu können, erst gar nichts gewusst. «Erst über einen Zeitungsartikel haben wir konkret davon erfahren», sagt der Leiter Warenlager.

Unproduktive Fahrzeiten

Vor allem die Argumentationskette mit den unproduktiven jährlichen Fahrzeiten fiel bei der Beurteilung des Gesuchs durch den Stadtrat ins Gewicht. Rechnet man nämlich mit einer Jahresarbeitszeit von 1900 Stunden, bedeutet allein der Mehrweg beziehungsweise die Arbeitszeit, die dafür eingesetzt werden muss, ein knappes 25 Prozent-Arbeitspensum.

Gemäss Gesuchstellerin beansprucht die bisher genutzte Route über Post- und Bahnhofplatz mit vier Ampeln zehn bis zwanzig Minuten, die direkte Verbindung über die Tannwaldstrasse lediglich deren fünf.

Der Samariterbund hat mit seinem Gesuch auch die Zahl der Fahrten definiert: Täglich drei- bis viermal will man zwischen Hauptsitz und Warenlager verkehren; regelmässige Sitzungen, Materialtransporte und interne Postdienste sind Ursache dieser Fahrten.

Für die Firma R. Nussbaum AG mit zwei Standorten gelten ähnliche Gründe, die zur beantragten und gutgeheissenen Durchfahrtsbewilligung führten. Dazu Urs Nussbaum, Delegierter des Verwaltungsrats: «Wir betreiben die Produktion und Logistik, aber auch Kundenschulung in Trimbach. Forschung/Entwicklung sowie Marketing/Verkauf hingegen sind am Standort Olten. Trotz moderner Kommunikationsmittel ist der persönliche Kontakt, das gemeinsame Beurteilen von Testergebnissen, aber auch schon der schlichte Transport von Materialien unerlässlich und führt bei rund 150 Arbeitsplätzen, die wir an beiden Standorten haben, zu entsprechendem täglichem Verkehr.»

Erwartungen erfüllt

Die Erfahrungen bei der Firma R. Nussbaum AG sind gut. «Die Durchfahrtsbewilligungen haben die erwarteten Zeitersparnisse gebracht. Diese entsteht dabei nicht nur durch die hindernisfreie Strecke via Industriequartier, sondern auch dadurch, dass nicht noch gross Reservezeit eingeplant werden muss», sagt Nussbaum.

Beim Weg über den Postplatz könne es zu markanten Zeiteinbussen kommen, die sicherheitshalber eingerechnet werden müssten, um etwa pünktlich einen Kundentermin in Trimbach wahrnehmen zu können. «Die Mehrkosten, die uns wegen der Sperrung der früher ohne Einschränkung befahrbaren Tannwaldstrasse erwuchsen, gingen aufs Jahr gerechnet in die Zehntausende von Franken.»

Also rundum zufrieden mit der Lösung. Nicht ganz. Die Karten sind nicht gratis; 30 Franken pro Stück fallen an. «Der Preis ist aus Sicht eines wesentlichen Steuerzahlers ärgerlich, schliesslich wurde die Strasse ja mit Steuergeldern finanziert und sollte deshalb auch ohne weitere Kosten zur Nutzung zur Verfügung stehen», sagt Nussbaum.

«Damit wir die betroffenen Mitarbeitenden und Firmenfahrzeuge mit entsprechenden Bewilligungen ausstatten können, summieren sich die Gesamtkosten auf einen respektablen Betrag.» Aber Nussbaum räumt auch ein: «Im Sinne von ‹lieber so, als gar nicht› akzeptieren wir aber die Lösung, wie sie ist.»

Rund 70 Fahrten am Tag

Der Stadtrat kam zum Schluss, dass die vom Samariterbund geltend gemachte Anzahl täglicher Durchfahrten für die Anwohnerschaft speziell am Geissflugweg nicht zu einer markanten Mehrbelastung führen wird.

Gemäss Stadtratsbeschluss erfolgen nun durchschnittlich knapp 70 bewilligte Fahrten pro Tag; die Zahl der unbewilligten und durch die Polizei geahndeten Fahrten sind jedoch unbekannt, wie Polizeisprecher Thomas Kummer erklärt. «Wir führen keine Statistik zu widerrechtlichen Durchfahrten über die Tannwaldstrasse.»

Allzu häufig dürfte der Weg aber nicht ordnungswidrig genutzt werden, denn: «Die Strassenführung durch den Geissfluhweg ist alles andere nicht attraktiv», so Franco Giori; Leiter der städtischen Direktion Sicherheit.

Wenig Gesuche

Bislang haben sich überraschend wenig Unternehmen um eine Durchfahrtsbewilligung bemüht. Lediglich drei Bewilligungen (inkl. Samariterbund) wurden bislang erteilt, wie die Direktion Sicherheit erklärt.

Unmut über die Sperrung der Strasse regte sich bei Gewerbetreibenden, die sich im Mai dieses Jahres noch nicht zu einem entsprechenden Gesuch durchringen mochten. Sie störten sich hauptsächlich an der Gebühr pro Karte von 30 Franken.

«Das ist für mich nach wie vor der Hauptgrund, weshalb ich auf eine Durchfahrtbewilligung verzichte», sagt Kurt Jeisy von der CTP Jeisy an der Haslistrasse.