Olten
Fräulein Doktor kommt in den Oltner Neujahrsblättern 2014 zum Handkuss

In feierlicher Stimmung präsentierte Herausgeber Peter André Bloch am Montag die 72. Ausgabe der Oltner Neujahrsblätter. Als Grösster Sponsor dieser Nummer tritt überraschenderweise «Karl’s Kühne Gassenschau» auf.

Adriana Gubler
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Die vier Macher der Oltner Neujahrsblätter: (vl) Herausgeber Peter André Bloch, Madeleine Schüpfer, Christof Schelbert und Heidi Ehrsam.

Die vier Macher der Oltner Neujahrsblätter: (vl) Herausgeber Peter André Bloch, Madeleine Schüpfer, Christof Schelbert und Heidi Ehrsam.

Bruno Kissling

Karl’s Kühne Gassenschau spielt bei der 72. Ausgabe der Oltner Neujahrsblätter eine doppelte Rolle: Einerseits prägt die Ansicht des «Fabrikk»-Areals in Olten SüdWest by Night die Umschlagseiten des diesjährigen Werks. Zudem wird das Freilicht-Spektakel, das heuer über 140 000 Besucher nach Olten brachte, mit einem doppelseitigen Beitrag gewürdigt. Andererseits treten die «Kühnen» in diesem Jahr aber auch als grösster Sponsor der Oltner Neujahrsblätter auf und machten bei der Vorstellung eben diesen in den Personen von Ernesto Graf, Paul Weilenmann und Catherine Bloch, die Tochter von Herausgeber Peter André Bloch, ihre Aufwartung.

Auf Sponsorenbeiträge ist die Crew um Peter André Bloch künftig noch mehr angewiesen, wie am Montagabend zum Ausdruck kam. Denn der Spardruck der Stadt und des Kantons gehen nicht spurlos an den Oltner Neujahrsblättern vorbei, es fliessen weniger Gelder von der öffentlichen Hand. Davon wollte sich Herausgeber Peter André Bloch seine feierliche Stimmung jedoch nicht nehmen lassen. Er versprühte Zuversicht und richtete das Augenmerk viel lieber auf das 116-seitige Werk, in dem «die Oltner die Geschichte der Stadt selber aufschreiben».

Fräulein Doktor im Rampenlicht

In der Geschichte spielen nicht selten einzelne Köpfe eine grosse Rolle – einige von ihnen kommen in den Oltner Neujahrsblättern 2014 zum Handkuss. Eine dieser Personen ist Maria Felchlin (1899–1987). Sie eröffnete 1928 als erste Ärztin im Kanton eine Praxis an der Kirchgasse in Olten und war fortan für die Oltner das Fräulein Doktor und für die Kinder «Tante Mi».

Bis die Bevölkerung ihr gegenüber allerdings das Misstrauen und die Scheu verlor, dauerte es eine Weile. Maria Felchlin war über ihren Beruf hinaus eine engagierte Frau. Sie war etwa Vorkämpferin des Frauenstimmrechts oder setzte sich für die Förderung der Mädchenbildung ein. Und sie war als Herausgeberin der Neujahrsblätter die Vorgängerin von Peter André Bloch. «Kurz vor ihrem Tod bat sie mich, diese Aufgabe zu übernehmen», erinnert sich Bloch. Sie habe damals zu ihm gesagt, dass diese Tätigkeit gar nicht so viel zu tun gebe, sagte Bloch schmunzelnd.

Meilensteine der Stadt Olten

Neben Maria Felchlin stehen auch der «Bestatter» Mike Müller, der Maler Kurt Lang oder Hans Hohler mit seinem berührenden Text «Mein langer Weg durchs Leben» in den Oltner Neujahrsblättern im Rampenlicht. Zum vielfältigen Themenstrauss der Ausgabe 2014 kommen auch wichtige Meilensteine der Stadt hinzu: die Begegnungszone, die im Juli dieses Jahres eröffnet wurde, der Neubau des FHNW-Campus, der neue Stadtrat oder ein Rückblick aufs Wirtschaftsjahr, das von den Alpiq-Steuerausfällen geprägt ist. Zu finden sind ebenso historische Beiträge oder gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse aus dem Leben der Dreitannenstadt.

Der Neujahrsblätter-Crew um Bloch, Heidi Ehrsam, Christof Schelbert und Madeleine Schüpfer ist es gelungen, einen ansprechend gestalteten Lesestoff zu produzieren. Wer jedoch keine Freude daran habe, so mahnt Bloch, solle es doch unterlassen, die Neujahrsblätter unfrankiert zu retournieren. Denn auch die fetten Jahre der Neujahrsblätter, in denen die Rechnung mit schwarzen Zahlen schloss, sind vorbei.