«Ich glaube, ganz viele von Ihnen haben Kü gekannt», eröffnete Direktorin Dorothee Messmer am Dienstag den «Abend für Hans Küchler» im Kunstmuseum Olten. «Kü», wie ihn alle nannten, war eine Grösse – als Chefgrafiker der Schweizerischen Verkehrszentrale (SVZ), als Cartoonist für den «Nebelspalter», als Künstler in eigener Sache.

Ein Oltner Stadtoriginal

Aber der gebürtige Innerschweizer und leidenschaftliche Wahl-Oltner hatte nicht zuletzt als Mensch Format. Die meisten der rund 50 älteren Leute, die sich ihm zu Ehren im Kunstmuseum einfanden, hatten ihn gekannt, persönlich oder vom Sehen zumindest. Kü war ein Stadtoriginal, in Olten omnipräsent.

Etwas ganz Besonderes, ein regelrechter Schatz sei nun vor kurzem dem Kunstmuseum in die Hände gefallen, sagte Messmer: Der Nachlass des 2001 Verstorbenen. Ein reicher Fundus an Zeichnungen, Aquarellen, Grafiken, Karikaturen, Fotografien, Glasarbeiten, Plakatentwürfen, SVZ-Archivmaterialien, Teilen seiner persönlichen Bibliothek und vielem mehr stapelt sich derzeit in einem Kämmerchen des Museums.

Dank der Spende einer privaten Gönnerin, die nicht genannt werden möchte, kann der Nachlass nun aufgearbeitet werden. Das Kunstmuseum möchte noch diesen Sommer eine Praktikumsstelle ausschreiben, damit die Arbeit im Herbst aufgenommen wird.

Kü prägte das Bild der Schweiz

Was nach der Inventarisierung und Kategorisierung mit dem Nachlass geschehen soll, konnten Katrin und Rosmarie Küchler, Tochter und Witwe des Künstlers, im Gespräch mit Direktorin Dorothee Messmer und Kuratorin Katja Herlach noch nicht beantworten. Sie seien sehr dankbar, dass sich der Nachlass nun im Museum befinde.

Ob er aber dort bleiben wird, ist noch unklar, da das Museum nur über beschränkten Platz verfügt. «Wenn er zusammenbleiben kann, wäre das wunderbar. Ich würde mir wünschen, dass er an einem sinnvollen, öffentlich zugänglichen Ort aufbewahrt wird, und nicht im Archiv verschwindet», meinte Katrin Küchler. Ihr sei wichtig, dass zumindest ein Teil in Olten bliebe. Mögliche Aufbewahrungsorte seien aber etwa auch das Nidwaldner Staatsarchiv in Küchlers Geburtsort Stans oder die grafische Sammlung der Nationalbibliothek in Bern.

«Olten ist der büezerigste Ort im Kanton»

Den wenigen Zuhörern, die Kü nicht persönlich kannten, wurde er in Erzählungen von Frau und Tochter greifbar. Küchler, der bei den Pilatus Flugzeugwerken in Stans eine Flugzeugzeichnerlehre machte und danach die Kunstgewerbeschule in Luzern absolvierte, führte eine Anstellung bei der Firma Kleider Frey 1958 nach Olten. «Ihm gefiel der Charakter der Stadt, Olten ist der büezerigste Ort im Kanton», wusste Katrin Küchler.

In Olten lernte Küchler auch Rosmarie kennen, seine «Unterstützerin und Kollaborateurin», wie Dorothee Messmer sie nannte. Die Stadt sei sein Fixpunkt geworden, erzählte Rosmarie Küchler, hierher sei er immer wieder zurückgekommen.

1962 begann Küchler bei der Schweizerischen Verkehrszentrale, heute Schweiz Tourismus. Als Chefgrafiker prägte er über 30 Jahre lang das Bild der Schweiz im Ausland mit. Dabei spielte er sehr bewusst mit Schweizer Klischees und hinterfragte diese augenzwinkernd.

Die politischen Cartoons, die er in den 1960er-Jahren unter anderem für den «Nebelspalter» zeichnete, seien aber «ziemlich einigefahren», wie sich Tochter Katrin Küchler erinnert. «Parteipolitik hat ihn nicht interessiert, aber während des Kalten Krieges nahm er pointiert Stellung gegen den Militarismus.»

Kü und der Patriotismus

Ob Kü ein Patriot gewesen sei? Rosmarie Küchler beantwortet die Frage mit einem unmissverständlichen «Ja!». Für die SVZ musste er des Öfteren geschäftlich ins Ausland. «Er hatte immer huere Heimweh», so die Tochter. Und: «Die Schweiz hatte er total gern, aber gegen Nationalisten konnte er fluchen wie ein Wald voll Affen.»

Kü sei immer sehr unsicher gewesen, ob die Qualität seiner Arbeit genüge. Und er sei, wie ein langjähriger Freund Küs aus dem Publikum bemerkte, der grosszügigste Mensch überhaupt gewesen. «Liebenswürdig, supersensibel und ein unglaublicher Schaffer.»

Katrin Küchler bestätigte dies: «Er war total diszipliniert. Er begann jeden Tag um 8 Uhr zu arbeiten.» Als Künstler war Küchler besonders als «Flügerlimaler» bekannt. Auf vielen seiner Aquarellen und Zeichnungen findet sich ein Flieger, mal realistischer, mal fantastischer Art.