Es sei schon eigenartig, wenn einem das eigene Leben erzählt wird, meinte Franz Hohler, angesprochen auf das Buch «Franz Hohler» seines Freundes Martin Hauzenberger, welches vor einigen Monaten auf den Markt kam. «Und man plötzlich merkt: Das bin ja ich! Hoffen wir, er erzählt nicht zu viel ...» Typisch Hohler.

Franz, der Mann der Worte, ist in einer musisch begabten Lehrerfamilie in Olten mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Hans, einem Mann der Zahlen, aufgewachsen.

Beide Brüder waren gute Schüler, zum Stolz ihrer Eltern, berichtet Hauzenberger. Er geht nahe an die Familienherkunft Hohlers heran. Familiär bedingt ist auch Franz’ Liebe zum Cello. Er erbte nämlich als Zehnjähriger vom Grossvater mütterlicherseits ein solches Instrument.

Von der Grossmutter väterlicherseits erbte Franz seinen Witz, weiss der Autor. Sie, die Frau eines Bally-Mitarbeiters in Schönenwerd, habe einen scharfen, oft etwas bösartigen Witz gehabt und sei als Versli-Schmiedin im Dorf bekannt gewesen.

Stolz war man in der Familie Hohler auf das Familien-Quartett, beim Musizieren und beim Jassen. Die ersten Schuljahre verbrachte Franz in Olten, dann ging es für zwei Jahre in die Kantonsschule Aarau.

Schon als Gymnasiast schrieb er Glossen und Kurzgeschichten und schickte diese zum Abdruck dem Oltner Tagblatt, welches sie auch publizierte.

In der Kantonsschule Aarau wurde Hohlers Interesse an Kabarett geweckt. Seinen späteren Freund Hans Dieter Hüsch bewunderte er schon früh. 1960 fand Hohlers erster Kabarett-Auftritt in der Kanti Aarau statt.

Zwei Jahre später gründete er sein eigenes Kabarett «Trotzdem». Doch zunächst wurde ein Studium der Germanistik an der Universität Zürich in Angriff genommen.

«700 studierten dieses Fach, die Hälfte davon waren Frauen. Darunter, dachte ich, müsste auch eine für mich sein. Ich hatte recht», wird Hohler zitiert.

Das Kabarett hatte den jungen Hohler vollends gepackt. Im Heizungskeller der Universität startete er 1965 mit seinem ersten eigenem Abend-Programm «Pizzicato».

Er hatte Erfolg und wurde sein eigener Kabarett-Unternehmer. Von Erfolg beflügelt und voller Selbstbewusstsein lud Hohler den Berner Verleger und Kabarett-Betreiber Hugo Ramseyer, den Basler Roland Rasser und den Deutschen Hans Dieter Hüsch zu sich ins Programm ein.

Sie kamen alle, nebst vielen anderen. Schnell sprach sich die Hohler’sche Qualität herum, und es folgten Auftritte in St. Gallen und Bern sowie eine Einladung nach Berlin.

Das Studium musste ruhen, und Hohler liess sich zunächst für ein Jahr beurlauben – eine Situation, die bis heute andauert, wie sein betagter Vater heute noch gerne erzählt.

Mit seinem zweiten Programm «Sparharfe» trat Franz Hohler 1967 dann in der Heimatstadt Olten auf. Hauzenberger schildert Probleme und Erfolg dieses zweiten Programmes und berichtet auch, wie es dazu kam, dass Hohler im gleichen Jahr auch sein erstes Buch veröffentlichte, den Erzählband «Das verlorene Gähnen», bei Benteli in Bern erschienen.

Im Lauf seines Lebens hat Franz Hohler 14 Kabarett-Programme geschrieben, welche der Buchautor alle detailliert bespricht und in die jeweilige Zeitepoche einordnet. Zudem beschreibt er die grosse Reihe von Büchern mit Erzählungen, Romanen, Novellen.

Es gibt von den legendären Fernsehauftritten «Denkpause» und «übrigens ...» zu berichten und nicht zu vergessen von den Kindersendungen «Franz und René» mit René Quellet.

Die «Zytlupe» am Radio, weitere Satire-Sendungen in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich und gar eine Handvoll Filme mit und über Franz Hohler sind aufzuzählen.

Und es gibt auch den Theaterautor Hohler, der mit Grotesken und kleinen Stücken Alltagsabsurditäten auf die Bühne bringt.

In den letzten Jahren konnte das Publikum Hohlers Erzähl- und Fabulierlust und seinen grossen Wissensschatz als Leser auf Spaziergängen und Wanderungen durch die Schweiz kennen lernen.

Er sei ein literarischer Allgemeinpraktiker, meinte er selbst einmal, und er ist einer, der im deutschsprachigen Raum wohl mit den meisten Preisen ausgezeichnet wurde. Sogar auf einer Briefmarke ist eine Kurzgeschichte von ihm zu finden.

In Martin Hauzenbergers Buch ist auch einiges über Franz Hohler, den Privatmann zu erfahren. Über seine Frau, die als Psychologin arbeitet, und über seine zwei Söhne.

Daneben sind im Buch noch kurze Texte von Freunden und Mitstreitern von Franz Hohler zu finden: Etwa Hugo Ramseyer, Dimitri, Joy Matter, Emil Steinberger, Joachim Rittmeyer, Dodo Hug, Hansueli von Allmen, Heinrich von Grüningen, um nur ein paar zu nennen.

Eine sehr umfassende Biografie über das künstlerische Schaffen von Franz Hohler hat Hauzenberger vorgelegt, aber zugleich auch ein Werk, welches einen detaillierten Überblick über die Schweizerische Kabarett- und Medienszene, sowie die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen und Befindlichkeiten der vergangenen 50 Jahre in der Schweiz bietet.

LiteraTour: Wer Olten und Franz Hohler noch besser entdecken will, dem sei die «Franz-Hohler-Tour» der im Frühling startenden «LiteraTour» von Olten Tourismus empfohlen. In acht Stationen, zu denen man über Kopfhörer geleitet wird, kann wichtigen Oltner Stationen des Schriftstellers nachgegangen werden.

Buch: Martin Hauzenberger «Franz Hohler – Der realistische Fantast», Zürich: Römerhof-Verlag 391 S. ill.